Milliardenaufträge und Expansion
Andritz, voestalpine, FACC und Wintersteiger setzen Wachstumsimpulse

| Tobias Seifried 
| 17.03.2026

Geopolitische Spannungen, steigende Energiepreise und fragile Lieferketten belasten die Industrie. Dennoch setzen einzelne österreichische Leitbetriebe positive Signale: Mit Großaufträgen, Investitionen und Expansionen zeigen sie, dass Wachstum auch im schwierigen Umfeld möglich ist.

Geopolitische Spannungen, anhaltende Konflikte, Unsicherheiten in globalen Lieferketten sowie steigende Energie- und Rohstoffkosten prägen derzeit das wirtschaftliche Umfeld. Auch die zeitweise Blockade zentraler Handelsrouten wie der Straße von Hormus verdeutlicht die Verwundbarkeit internationaler Wertschöpfungsketten. Für exportorientierte Industriebetriebe verschärfen sich damit die Rahmenbedingungen zusätzlich.

Umso bemerkenswerter sind jene Entwicklungen, die entgegen diesem Trend verlaufen. Mehrere heimische Industrieunternehmen melden aktuell substanzielle Auftragserfolge, strategische Investitionen und gezielte Expansionen – und unterstreichen damit ihre Wettbewerbsfähigkeit auf internationalen Märkten.

DB und SBB setzen auf voestalpine

Ganz vorn mit dabei ist die voestalpine, die sich mit Aufträgen der Deutschen Bahn (DB) und der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) im Gesamtvolumen von rund 500 Millionen Euro einmal mehr als führende Systemanbieterin im Bereich Bahninfrastruktur positioniert. Das Leistungsspektrum reicht von Schienen- und Weichensystemen bis hin zu Signaltechnik- und Überwachungslösungen.

Vorstandsvorsitzender Herbert Eibensteiner betont: "Wir freuen uns, mit den aktuellen Aufträgen unsere langjährigen Partnerschaften mit der DB und SBB fortzusetzen sowie mit unseren hochtechnologischen Produkten und Systemen die Modernisierung und Digitalisierung der Bahninfrastruktur in Europa voranzutreiben." Gleichzeitig beweise der Geschäftsbereich Railway Systems sein Wachstumspotenzial in einem wirtschaftlich herausfordernden Umfeld.

Die Deutsche Bahn setzt im Zuge milliardenschwerer Infrastrukturinvestitionen auf Premiumschienen und Weichenkomponenten des Konzerns, während die Schweizerischen Bundesbahnen auf digitale Signal- und Überwachungstechnologie vertrauen. Franz Kainersdorfer, Vorstandsmitglied und Head of the Metal Engineering Division, verweist darauf, dass der Ausbau des Bahnverkehrs eine zentrale Rolle in der Mobilitätswende spiele und man mit digitalisierten Systemen zur Effizienz und Sicherheit beitrage.

Großauftrag für Andritz

Auch Andritz kann einen bedeutenden internationalen Auftrag verbuchen: Vom indischen Energieversorger Tata Power erhielt das Unternehmen den Zuschlag für die Lieferung zentraler Komponenten für ein 1.000-Megawatt-Pumpspeicherkraftwerk im Bundesstaat Maharashtra. Der Auftragswert liegt im unteren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich.

Im Rahmen des Projekts liefert Andritz unter anderem reversible Pumpturbinen und Motorgeneratoren sowie die komplette elektromechanische Ausrüstung. Die Anlage soll eine zentrale Rolle beim Ausbau erneuerbarer Energien und der Stabilisierung des Stromnetzes spielen.

Ravindra G, Regional Executive und Managing Director & CEO von Andritz Hydropower India, erklärt dazu, großangelegte Energiespeicherung sei "für die Integration eines wachsenden Anteils intermittierender erneuerbarer Energien unerlässlich". Andritz trage mit entsprechender Technologie zur Entwicklung widerstandsfähiger Energiesysteme bei, die langfristige Dekarbonisierung und Versorgungssicherheit gleichermaßen unterstützen.

FACC baut neues Werk in OÖ

Positive Signale kommen auch von zwei Unternehmen aus dem Innviertel (OÖ). Mit einem klaren Bekenntnis zum Standort Österreich reagiert FACC auf die steigende Nachfrage in der Luftfahrtindustrie. In St. Martin im Innkreis entsteht ein neues Hightech-Werk für großflächige Strukturbauteile von Passagierflugzeugen.

Das Unternehmen investiert rund 120 Millionen Euro in den Ausbau, wodurch die Fertigungskapazitäten im Bereich Aerostructures verdoppelt werden sollen. Zudem wird ein eigener Forschungsbereich eingerichtet, in dem Technologien für die nächste Generation von Verkehrsflugzeugen entwickelt werden.

FACC-CEO Robert Machtlinger spricht von einer "Weichenstellung" und betont, dass man sich damit langfristig zum Standort Oberösterreich bekenne. Bis 2030 sollen in diesem Zusammenhang rund 300 neue Mitarbeiter:innen aufgenommen werden. Zugleich werde mit hochautomatisierten Fertigungsprozessen, dem Einsatz künstlicher Intelligenz und neuen Technologien die Effizienz weiter gesteigert.

Wintersteiger kauft zu

Schließlich setzt auch die Wintersteiger AG auf Wachstum durch Internationalisierung. Mit der Übernahme des polnischen Unternehmens QBL Systems erweitert die Gruppe ihr Angebot im Bereich Verleih- und Shoplösungen für die Sportbranche.

Die Akquisition soll die Wertschöpfungstiefe stärken und schafft zugleich einen neuen Hub in Polen für den Geschäftsbereich Storage Systems. CEO Pierre Bilgeri bezeichnet den Schritt als "klares Bekenntnis zu integrierten Lösungen im Sports-Segment". Durch die Bündelung von technischer Kompetenz und Design-Know-how könne man Kund:innen künftig umfassender begleiten und Projekte ganzheitlicher umsetzen.

Zudem eröffne die Übernahme neue Perspektiven im internationalen Vertrieb und lege die Basis für weiteres Wachstum, so Bilgeri.

Fazit

In Summe zeigen diese Beispiele, dass sich österreichische Industriebetriebe auch in einem zunehmend volatilen Umfeld behaupten – und mit Innovation, Spezialisierung und globaler Präsenz gezielt Wachstumschancen nutzen.

www.voestalpine.com

www.andritz.com

www.wintersteiger.com

www.facc.com

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