34 Prozent der Mitarbeiter:innen wollen ihre Firma 2023 verlassen

| Redaktion 
| 06.10.2022

Nur 28 Prozent der Angestellten sind mit der täglichen Arbeit zufrieden – allerdings nehmen ganze 80 Prozent der Arbeitgeber:innen das an.

Die aktuelle Studie des Capgemini Research Institute "People Experience Advantage: How companies can make life better for their most important" wirft einen Blick auf die Arbeitsrealität in Österreich. Die Studie will wichtige Maßnahmen für Unternehmen und Führungskräfte hervorheben, um die Kluft zwischen der Zufriedenheit ihrer Teams und ihrer eigenen Wahrnehmung zu überwinden, und so Talente dauerhaft an das Unternehmen zu binden.

Größte Hindernisse

Zu den größten Hindernissen für die Mitarbeiter:innenzufriedenheit gehören der Studie zufolge Herausforderungen in den Bereichen Karriere- und Kompetenzentwicklung, das Verhalten von Vorgesetzten und das Verhältnis zu ihnen, Vergütung und Wertschätzung sowie Schwierigkeiten bei der Nutzung und Verfügbarkeit von Daten und Technologien.

Der intensive Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt sowie zunehmender wirtschaftlicher und finanzieller Druck hätte dazu geführt, dass viele Menschen ihr Arbeitsleben neu bewerten. So planen der Studie zufolge ganze 34 Prozent aller Beschäftigten, ihr derzeitiges Unternehmen binnen eines Jahres zu verlassen.

Von diesen wiederum planen 66 Prozent sogar einen Wechsel in den nächsten drei bis neun Monaten. Obwohl eine faire und angemessene Entlohnung ein wichtiger Faktor für die Mitarbeiter:innenzufriedenheit ist, gab mehr als die Hälfte aller Befragten (52 Prozent) an, dass sie auch dann das Unternehmen verlassen würden, wenn ihnen dieselbe Stelle in einem anderen Unternehmen mit derselben Vergütung angeboten würde.

Besseres Mitarbeitererlebnis führt zu Kund:innenzufriedenheit

Wenig überraschend dazu beabsichtigen 97 Prozent der Mitarbeitenden, die am Arbeitsplatz positive Erfahrungen machen, im nächsten Jahr bei ihrem derzeitigen Unternehmen zu bleiben. 96 Prozent von ihnen fühlen sich engagiert und motiviert. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die Zufriedenheit der Mitarbeitenden ein wesentlicher Faktor für das Unternehmenswohl sind und zu positiven Geschäftsergebnissen führen kann. Etwa die Hälfte (48 Prozent) der Manager:innen in Unternehmen, in denen Führungskräfte über positive Erfahrungen berichten, nahmen aufgrund eines verbesserten Mitarbeitererlebnisses eine höhere Kundenzufriedenheit wahr.

Beschäftigte brauchen Klarheit über den Sinn ihrer Arbeit

92 Prozent der Führungskräfte gehen davon aus, dass die von ihnen geführten Mitarbeiter:innen bei der Arbeit zufrieden sind. Tatsächlich ist das aber nur bei 28 Prozent der Mitarbeitenden der Fall. Die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben bleibt für alle ein wichtiges Anliegen: 65 Prozent der Beschäftigten und 61 Prozent der Führungskräfte nennen dies als wichtigsten Aspekt ihrer Berufstätigkeit.

Eine ausgewogene Work-Life-Balance zu schaffen, steht für Arbeitnehmende nach wie vor an erster Stelle. Nur 29 Prozent der Befragten haben das Gefühl, dass sie sich eine Auszeit von der Arbeit nehmen können, und nur 28 Prozent gaben an, dass ihre Arbeitszeiten flexibel genug seien, um Familie und Privatleben miteinander zu vereinbaren.

Fast drei Viertel (70 Prozent) der Mitarbeitenden gaben an, dass der Sinn der Arbeit (also zu wissen, warum man das tut, was man tut) für sie der wichtigste Aspekt sei. Sicherzustellen, dass die Mitarbeitenden die Anforderungen ihrer Arbeit genau kennen und eine klare Vorstellung davon haben, wie sie sich beruflich weiterentwickeln und wachsen können, sind entscheidende Faktoren für die Verbesserung der Mitarbeitererfahrung und -bindung.

Caroline Wanek, Head of Human Resources/Application Services bei Capgemini in Österreich, erklärt dazu: "Unsere Studie zeigt, dass Unternehmen nicht nur ihren traditionellen Talentlebenszyklus überdenken und ihre Mitarbeitenden als ‚Konsumenten von Dienstleistungen' neu positionieren, sondern auch die gesamte Erfahrung einschließlich der täglichen Arbeit betrachten müssen. Diese alltäglichen Momente – wie das Vertrauen, Aufgaben auch im Homeoffice zuverlässig zu erledigen – sind für eine positive Wahrnehmung wichtiger als einzelne Stationen im Talentlebenszyklus. Den Mitarbeitenden zuzuhören ist dabei das Entscheidende. Eine Kultur zu schaffen, in der sie sich wohlfühlen, und kontinuierliches Lernen zu fördern ist unerlässlich, um die Wahrnehmungslücke zwischen Mitarbeitenden und ihren Führungskräften zu schließen. Technologie kommt eine tragende Rolle zu, wenn es darum geht, eine kollaborativen Arbeitskultur zu schaffen und Mitarbeitende mit den richtigen Werkzeugen auszustatten, die ihnen effektives Arbeiten ermöglichen."

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