Warum Windeln bei Aktionären ganz hoch im Kurs stehen

Die Marktkapitalisierung eines deutschen Babyartiklers erhöhte sich in fünf Tagen um rund 500 Prozent. Experten mahnen bei den sogenannten "Meme-Aktien" allerdings zur Vorsicht.

Growth, Value oder Meme? Nach Gamestop (LEADERSNET berichtete) folgten viele weitere Meme-Stocks (Aktien, die ungeahnte Kurskapriolen erleben, weil sich Anleger im Netz absprechen, um zu kaufen oder zu verkaufen). Aktuell sorgt die Aktie des Online-Babyausstatters Windeln.de für Gesprächsstoff. Innerhalb von fünf Tagen legte sie rund 500 Prozent zu. Einen wirtschaftlichen Grund für den Kursanstieg gab es nicht.

Windeln.de wurde vor elf Jahren in München gegründet, beschäftigt derzeit rund 200 Mitarbeiter, kämpft aber schon seit dem Start mit finanziellen Schwierigkeiten. Im Vorjahr erlitt das Unternehmen einen Verlust von 13,7 Millionen Euro. Auch im ersten Quartal 2021 musste das Start-up ein leichtes Umsatz-Minus hinnehmen.

Jetzt hat Windeln.de bereits die zweite Kapitalerhöhung binnen eines Jahres bekannt gegeben. Nachdem Anfang März durch eine Kapitalerhöhung  rund 1,4 Millionen Euro eingesammelt worden sind, sollen nun weitere 7,8 Millionen Euro in die Kasse fließen. Dafür sollen sechs Millionen neue Aktien zum Preis von 1,30 Euro bei Privatanlegern platziert werden. Diese sollen im Rahmen eines prospektfreien Bezugsangebots an die Aktionäre zu einem Bezugsverhältnis von 2:1 ausgegeben werden. "Der Börsenkurs der Aktien der Gesellschaft ist in jüngster Zeit in höchstem Maße volatil gewesen und zuletzt stark angestiegen. Aktionäre, die die Ausübung ihrer Bezugsrechte erwägen, sollten bedenken, dass derartige Kurszuwächse spekulativ getrieben und damit nur von kurzer Dauer sein können", lautet es in einer aktuellen Aussendung.

Experten vom Aktionär sehen die Lage skeptisch und auch andere Branchenkenner beäugen solche Meme-Phänome mit Vorsicht. Es handle sich dabei oft um dysfunktionale Unternehmen, "bei denen in der Vergangenheit nur eins zuverlässig funktioniert hat – nämlich Kapitalschnitte und Kapitalmaßnahmen." (jw)

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