Ein früherer Kommentar von mir stand unter der generellen Frage, wo "das alles" noch hinführen solle. Heute stellen wir uns die Frage, wo wir in Zukunft die Balance finden werden. Dass unser Leben, so wie wir es derzeit führen, das Gleichgewicht verloren hat, ist unbestritten. Das Extreme nimmt immer mehr Überhand – extreme Situationen, extreme Meinungen: Aufsperren/Zusperren; Impfen/Nicht-Impfen; Home-Office/Office.
"Office of the Year"
Konkrete Anlässe, solche Fragen zu stellen, gibt es genügend. Vor genau zwei Jahren sind wir, JTI Austria, in unsere neuen, modernen Büros im 3. Bezirk in Wien gezogen. Das JTI Management hat sich im Vorfeld die größte Mühe gegeben, das neue Office "state-of-the-art" zu gestalten. Wir haben externe Experten beigezogen und mit einem Ambassador-Programm Ideen und Bedürfnisse unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus allen Teams und Abteilungen so weit wie möglich mit-einfließen lassen. Eine fröhliche Einweihungsfeier war der gelungene Startschuss für das neue, gemeinsame Arbeiten in einer offenen, modernen Atmosphäre. Die Bemühungen haben sich bezahlt gemacht: Das JTI Austria Office wurde 2020 im Rahmen des jährlichen Rankings der Immobilienberatung CBRE als "Office of the Year" in der Kategorie Großunternehmen ausgezeichnet.
Und dann vor genau einem Jahr, Österreich war gerade im 1. Total-Lockdown, war eben jenes ausgezeichnete Büro an seinem 1. Geburtstag menschenleer. Heute, am 2. Geburtstag, stehen wir erneut vor einem harten Lockdown und kämpfen um eine Balance. Wie wird die Zukunft der Arbeit aussehen? Wie werden wir in Zukunft gemeinsame Ideen finden, uns austauschen, leidenschaftlich diskutieren, Pro und Contra abwägen? Wie werden wir schaffen, wozu es den direkten persönlichen "Draht" braucht? Wenn wir ehrlich sind, wird die Arbeitswelt nach COVID wohl nie mehr so aussehen wie davor. Viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben sich zwischenzeitlich an das virtuelle Arbeiten von zu Hause aus gewöhnt und die Homeoffices wurden entsprechend professionell ausgestattet.
Bedürfnisse von Arbeitnehmer- und auch Arbeitgeber
Was für viele ein sehr willkommener Arbeitsstil ist, weckt bei anderen Kolleginnen und Kollegen Widerwillen. Sie wünschen sich nichts mehr als eine Rückkehr in die gewohnte Arbeitsumgebung außerhalb der eigenen vier Wände, den bewussten Ortswechsel und den Kontakt im Team. Manche stellen sich auch die Frage, wie eine Karriere ausschauen kann, wenn die eigenen Leistungen für Vorgesetzte nie direkt "erlebbar" sind, sondern virtuell, disloziert, entkoppelt erfolgen. Wenn von einem selbst nur Mails im Posteingang und kleine Videobilder in Web-Konferenzen existieren.
Eines muss uns klar sein: Homeoffice und Office wird auf gleichem Niveau nicht möglich sein. Wir werden auch hier eine Balance finden müssen, um die Bedürfnisse von Arbeitnehmer- und auch Arbeitgeber-Seite gleichermaßen in Einklang zu bringen und dabei auch wirtschaftliche Aspekte nicht außer Acht zu lassen. Dies werden auch Politik und Sozialpartner in Zukunft mitbedenken müssen.
In unserer 237-jährigen Geschichte haben wir als Firma nicht nur politisch und wirtschaftlich stürmische Zeiten erlebt, wir haben uns auch räumlich immer wieder verändert und den Zeiten angepasst. Vom großzügigen Stadt-Palais in der Porzellangasse, über Büros auf dem Firmengelände nächst der ehemaligen Fabrik in Wien-Ottakring, dem Neubau mit Industrie-Chic und offener Social-Area bis hin zum hybriden Modus zwischen Homeoffice und Büro. Es geht um die richtige Balance.
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