"Wir haben es geschafft, in der Corona-Zeit ein Drittel des Bedarfes an Obst und Gemüse in ganz Österreich sicherzustellen"

Katrin Hohensinner, Geschäftsführerin von Frutura, gibt im Interview Einblicke in das stärkste Handelsunternehmen der Steiermark und verrät, welche Geschäftsfelder künftig ausgebaut werden – LEADERSNET verlost drei 5-Kilo-Obst- und Gemüse-Boxen. 

Visionen brauchen Mut, und Mut braucht Tatkraft – drei Landwirte aus der Oststeiermark, dem "Obstgarten Österreichs", hatten all das, als sie 1999 begannen, ihre Trocknungsanlagen für Dörrbirnen zu modernisieren. Nun ist die zweite Generation am Zug. LEADERSNET hat Katrin Hohensinner, Tochter eines der Gründungsväter und Geschäftsführerin von Frutura, zum Interview gebeten und mit ihr darüber gesprochen, wie es ist, an der Spitze eines der innovativsten Unternehmen des Landes mit einer einzigartigen Produktionsweise zu stehen, wie sie maßgeblich zur Versorgungssicherheit in Österreich beiträgt, in dieser herausfordernden Zeit neue Arbeitsplätze schafft und ob noch Raum für weitere Geschäftsbereiche ist.
 
LEADERSNET: Wo liegen die Schwerpunkte in den Geschäftsfeldern von Frutura?

Hohensinner: Wir haben uns der bedarfsgerechten Produktion von Obst und Gemüse und der Bewusstseinsbildung für einen gesunden Lebensstil verschrieben und sind Anbieter, Dienstleister und Produzent im Obst- und Gemüsebereich.

Unser Schwerpunkte liegen in der Produktion von Obst und Gemüse und zwar vor allem in der nachhaltigen Produktion. Der Fokus liegt auf Nachhaltigkeit: Wir nutzen die Grundlagen der Geothermie, also das heiße Thermalwasser der Region, für die Gewächshäuser und können so klimaschonend produzieren. Das Wasser des steirischen Thermenlandes reicht aus, um den gesamten Energiebedarf  ganzjährig zu decken.


© Philip Platzer

LEADERSNET: Obwohl Frutura das stärkste Handelsunternehmen der Steiermark ist, ist es wenig bekannt und wird oft als "Hidden Champion" bezeichnet.  Warum ist das so?

Hohensinner: Wir sehen uns nach wie vor als der klassische Familienbetrieb und wollen dies auch so fortführen. Die Gründergeneration, der mein Vater angehört, hat es mit sehr viel Fleiß, Innovationsgeist, aber auch Glück geschafft, dass wir nun  als Handelsunternehmen an der Spitze der Steiermark stehen. Diesen Weg werde ich mit meinen Geschwistern fortführen.

Hohe Bekanntheitswerte erzielen wir mit einem unserer Produkte, dem 2008 gemeinsam mit dem Steiermark Tourismus und Spar aus der Taufe gehobenen "Steiermark Genuss Apfel". Dieser hat sich bestens im Obst- und ¬Gemüseregal etabliert.

Die Supply chain beginnt beim Produzenten und endet bei der Kassa der Supermärkte. Was für die Bevölkerung oft im Verborgenen bleibt, ist, dass diese Lebensmittel erst produziert, sortiert, verpackt und geliefert werden müssen. Und hier kommen wir ins Spiel.


© Philip Platzer

LEADERSNET: Wie sind Sie im Europa-Vergleich positioniert. Gibt's hier irgendwelche vergleichbaren Unternehmen?

Hohensinner: Komplett vergleichbar in dieser Kombination ist mir nichts bekannt. Wir fokussieren uns aktuell auf Österreich und auch Deutschland, wo wir auch eine Niederlassung haben.

LEADERSNET: Wie kann man das Unternehmen in Zahlen präsentieren?

Hohensinner: Wir vermarken jährlich ca. 150.000 Tonnen Obst & Gemüse und setzen rund 400 Millionen Euro um. Über 800 Mitarbeiter sind für uns im Einsatz, unter anderem auch in Oberösterreich, wo wir heuer neu gestartet sind.
 
Für den neuen Standort haben wir uns entschieden, weil er sehr zentral liegt und die logistischen Wege optimal positioniert sind. Zudem ist es ein gutes Anbaugebiet und es gibt sehr viel landwirtschaftliche Produktion. In einem ersten Schritt ist der neue Standort als Drehscheibe mit  einem Obst- und Gemüse-Schwerpunkt geplant. In weiterer Folge wollen wir, nach steirischem Vorbild, auch mit oberösterreichischen Produzenten zusammenarbeiten und eine ähnliche regionale Unterstützung aufbauen.


© Philip Platzer

LEADERSNET: Welche Summen werden in die Investitionen gesteckt?

Hohensinner: Wir wollen einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag investieren  und werde die neue Halle jetzt entsprechend umrüsten, abgesehen von Lager- und Kühlausrüstung kommt auch eine Photovoltaik-Anlage auf das Dach zur Strom-Eigenproduktion, wo wir bewusst in allen Anlagen der Frutura auf die Nachhaltigkeit achten.
 
LEADERSNET: Wir fühlt es sich an, in die Fußstapfen des Vaters zu treten und als Frau in dessen Unternehmen an der Spitze zu stehen?

Hohensinner: Beides ist sehr spannend. Ursprünglich komme ich aus einem ganz anderen Bereich, nämlich aus der Steuerberatung, wo recht viele Frauen auch in den Spitzenpositionen tätig sind. Umso mehr war ich überrascht, als ich die Branche gewechselt habe, dass diese immer noch so männerdominiert ist.

Die Kombination als Tochter und junge Frau im Unternehmen an vorderster Front zu stehen, ist nicht immer die einfachste. Man muss mehr beweisen als andere und wirklich sehr hart arbeiten.

LEADERSNET: Gibt es Dinge, die Sie  ganz anders machen wollen als der Vater?

Hohensinner: Nein, wir sind auf der gleichen Linie, obwohl wir ganz andere Typen sind: Er ist Visionär, ich bin die Operative. Der Weg, den er eingeschlagen hat, ist ein sehr guter. Ich sehe es als meine Aufgabe an, diesen weiter zu gehen und mache das sehr gerne.  
 
LEADERSNET: Wie hat sich die Corona-Krise auf das Unternehmen ausgewirkt?

Hohensinner: Vor allem im März, beim ersten Lockdown, bemerkten wir starke Veränderungen: Es ist in der Bevölkerung zu eine neuen Verstänis von Essen und Beschaffung gekommen. Der breiten Masse wurde zudem das Thema Versorgungssicherheit richtig bewusst und Regionalität bekam einen neuen Stellenwert.
 
Überlagert wurde das Geschehen sicherlich auch dadurch, dass Obst und Gemüse generell im Trend liegen und ein sehr starkes Wachstum verzeichnen. Die Ernährungsgewohnheiten der Österreicher ändern sich: Früher war Gemüse nur die Beilage, jetzt ist es oft die Hauptspeise.


© Philip Platzer

LEADERSNET: Gewinnt auch das Thema Versorgungssicherheit nachhaltig mehr an Bedeutung?

Hohensinner: Wir haben es geschafft, in der Corona Zeit ein Drittel des Bedarfes in ganz Österreich sicherzustellen. Momentan erreichen wir mit unseren Produkten täglich drei Millionen Menschen in Österreich.
 
Die Relevanz der Versorgungssicherheit wird deutlich weiter steigen. Aber nicht nur für uns, sondern für alle. Die Menschen sind bereit, mehr über den Zugang, Versorgung, die Qualität und vor allem den Geschmack der Lebensmittel nachzudenken und zu investieren.

LEADERSNET: Ist es durchgehend möglich, frisches Obst innerhalb von 24 Stunden zu liefern?

Hohensinner: Ja, das funktioniert mit  dem Startup ICH+, einem Online-Shop  für Obst und Gemüse. Die Waren werden innerhalb von 24 Stunden mit der Post in ganz Österreich zugestellt und sind wegen der kurzen Transportwege ganz frisch. Das Angebot richtet sich an B2C und B2B Kunden, die auf diesem Weg Obst für die Mitarbeiter unkompliziert zur Verfügung stellen können.

LEADERSNET: Wie steht es um den B2B-Bereich und Kooperationen?

Hohensinner: In Österreich arbeiten wir speziell mit Spar zusammen: Exklusiv für Spar lassen wir in der Frutura Thermal-Gemüsewelt im steirischen Bad Blumau zu allen Jahreszeiten heimisches Obst und Gemüse reifen.

LEADERSNET: Was zeigt ein Blick in die Zukunft, welche Schwerpunkte werden Sie nächstes Jahr setzen?

Hohensinner: Es stehen einige große Themen auf der Agenda: Einerseits wollen wir uns der Nachhaltigkeit und Regionalität widmen, hier haben wir ein großes Bienen-Projekt in der Pipeline, um die Population wieder zu erhöhen. Andererseits steht auch das Thema Co2-Neutralität in Kooperation mit Mayr-Melnhof am Plan.

Auch HR wird heuer ein Schwerpunkt sein: Wir werden viele Mitarbeiter einstellen, vor allem im Raum Oberösterreich. Zudem verstärken wir unseren Auftritt im Employer Branding.  Es ist nicht selbstverständlich, in einer so schwierigen Zeit in Österreich so viele Arbeitsplätze zu schaffen und vor allem auch eine Möglichkeit bieten, in der Zukunft den Weg mitzugestalten, den die Menschen momentan wollen.

Daneben freuen wir uns auf viele kleinere Projekte in Kunst und Kultur sowie Veranstaltungen, die wir angehen werden, sobald es wieder mehr Planungssicherheit gibt.

Wir sind mittlerweile zu einem Großunternehmen geworden und trotzdem noch ein bodenständiger Familienbetrieb mit gesundem Kern. Das sind wirklich gute Voraussetzungen für die Zukunft. Wir sind auch offen für neue Geschäftsfelder: Innovation und Forschung werden auch in Zukunft  Schwerpunkte langfristiger Entwicklung sein.

Gerne kann man alle Informationen zur Frutura, deren Produkten, aber auch Werte und der einzigartigen Produktionsart unter www.frutura.com einsehen. Wir freuen uns schon auf alle Besucher, die in unsere Welt eintauchen werden. (jw)

Verlosung

LEADERSNET verlost exklusiv für Abonnenten drei 5-Kilo-Obst- und Gemüse-Boxen von ICH+. Die Waren werden innerhalb von 24 Stunden mit der Post in ganz Österreich zugestellt und sind wegen der kurzen Transportwege ganz frisch.

Zum Mitmachen einfach bis 20. Dezember 2020 eine E-Mail unter dem Betreff "Frutura" an event@leadersnet.at schicken.

 

Ihre Daten werden an das Frutura Obst & Gemüse Kompetenzzentrum weitergegeben.

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