Am vergangenen Donnerstag drehte sich bei der bereits zehnten vie-mobility, der Plattform für Elektromobilität und Standortentwicklung, auf der summerstage alles um das Thema "Smart Cities & Regions: Nachhaltige Mobilität, Infrastruktur- & Standortentwicklung".
Im Mittelpunkt der ersten beiden Podien standen die Fragen "Wie entwickelt sich eine Großstadt und die Region hinsichtlich des zunehmenden demographischen Wachstums und was bedeutet das für die Investitionen in Verkehrsinfrastruktur, Mobilität und Energieversorgung?" und "Wie können digitale Lösungen und neue Wertschöpfungsmodelle in einer digital-elektrisch transformierten Welt weiterentwickelt und realisiert werden?"
"Wien ist gut unterwegs"
Wirtschafts- und Finanzstadtrat Peter Hanke betonte, dass die Smart City Strategie darauf basiert, 2030 die Treibhausgasemissionen um 50 Prozent zu senken. "Wien ist hier in den letzten 15 Jahren schon gut unterwegs, jetzt geht es darum diese Ziele in den nächsten 10 Jahren vollständig zu erreichen." Ebenso ging Hanke auf die notwendigen Investitionen, die wegen der Corona-Krise jetzt auch vorgezogen werden, ein: "Ein neues, zusätzliches 600 Millionen starkes Investitionspaket ist für die kommenden Monate und Jahre am Weg. Wir unterstützen damit die Wiener Wirtschaft und kämpfen um jeden Arbeitsplatz. Investitionen in die Infrastruktur profitieren davon." Alexander Biach, in Vertretung von Präsident Walter Ruck, Wirtschaftskammer Wien, setzte u.a. auf "das Einbinden der Klein- und Mittelbetriebe, so wie in der Herrengasse in der Wiener City, wo der Ausbau der Begegnungszone zu einem gewissen Teil von privaten Unternehmen aus dem Umfeld finanziert wurden." Weitere Eckpunkte waren der Ausbau neuer Knotenpunkte in Zusammenarbeit mit der ÖBB, sowie die Kritik an zu langen Verfahren bei Projekten mit diversen Einsprüchen auf vielen Ebenen: "Damit werden Arbeitsplätze nicht gesichert, das muss besser werden," so Biach.
Michaela Huber, Vorständin ÖBB Personenverkehr, sah eine Halbierung der Fahrgäste in den letzten Monaten als besondere Herausforderung an, konnte allerdings gleichzeitig auch einen Lichtstreif am Horizont erkennen: "Gerade jetzt müssen wir als größter E-Mobility-Provider alternative Antriebsformen wie die Elektrifizierung von Dieselstrecken umsetzen oder Wasserstoff angetriebene Zügen testen, wo wir gut unterwegs sind. Der Klimaschutz bleibt hier oberstes Ziel".
Garagenunternehmer Johann Breiteneder sah den Individualverkehr weiter als bedeutend an: "Das notwendige Bereitstellen von Garagenplätzen bleibt entscheidend, um Fahrzeuge im innerstädtischen Bereich weg von der Oberfläche zu bekommen. Hier gilt es mit entsprechenden Leitsystemen die Verkehrsflüsse zu dirigieren und zu kontrollieren". Roland Falb, Partner Roland Berger, unterstrich in seiner einleitenden Smart City Keynote, dass Wien schon vieles richtig gemacht hat mit seinen Initiativen und Projekten im Rahmen der Smart City Strategie: "Wien hat im Vergleich mit 150 Städten weltweit den ersten Platz im Smart City Ranking vor London erreicht. Unter den ersten 15 sind so klingende Cities wie Singapur, Chicago, Paris, Seoul oder Shanghai. Die Stadt Wien kann stolz auf diese Platzierung sein, Grund dafür sind langjährige Strategien, die nachhaltig verfolgt werden, wie der Ausbau des öffentlichen Verkehrs, die Reduktion der CO2-Bilanz, die Entwicklung grüner Räume, die optimierte Abfallentsorgung, um nur einige zu nennen."

Im anschließenden Panel 2 sah Andre Felker, CEO Backbone, Digielectric als dezentrale Speicherung von Energie als zukunftsweisend. Erneuerbare Energie kann durch die neuen gesetzlichen Regelungen auch unter privaten Personen gehandelt werden und damit zum neuen Geschäftsmodell werden. Für Martin Graf, Vorstand Energie Steiermark, sind große Investitionen in den nächsten 10 Jahren Dank der internationalen Eigentümerstruktur der Energie- Steiermark mit Macquarie sichergestellt. Alexander Biach, WKW, sah ein Miteinander von klimaorientierten Maßnahmen gemeinsam und mit Augenmaß mit der Wirtschaft im Mittelpunkt der Umsetzungen, weil "nur wenn auch auf die Anliegen der Wiener Wirtschaft Rücksicht genommen wird, ist ein nachhaltige positive Entwicklung denkbar und zu erwirtschaften". Robert Grüneis, GF ASCR, trat ebenso für die Energie- und Mobilitätswende ein. Michael Fischer, GF Smatrics, konnte das E-Fahrzeug mit seinen neuen Lademöglichkeiten längst als kompetitiv zum Verbrennungsmotor sehen: "Mit der gleichen Reichweite - 1000km sind in naher Zukunft möglich -, gleicher Ladegeschwindigkeit, günstigerem Service, der Bequemlichkeit von zuhause zu laden und mehr Fahrspaß ist das E-Fahrzeug dem Brenner schon überlegen. Grundsätzlich ist eine Anschubfinanzierung mit Förderungen sinnvoll, zu guter Letzt muss dann das System der E-Mobilität mit Fahrzeugen und Ladestationen selbst laufen".
Der Trend zu "mehr nützen als besitzen" geht weiter
Im dritten Panel führte der Vertreter der Elektro- und Hybridfahrzeuge, Stefan Gubi, aus, dass verstärkt auf die Wünsche der Kunden eingegangen werden muss, weil das Nutzungsverhalten für Autos sich insbesondere in der Jugend stark verändert hat. Der Trend zu mehr nützen als besitzen geht weiter. So hatte auch der Autovermieter auf Zeit ViveLaCar zur 10. vie-mobility neue Angebote mitgebracht und ein Fahrzeug aus ihrer Flotte, einen Hyundai Kona ausgestellt. Christian Chimani von AIT sah in der Low Emission Technology mit neuen Technologien eine verbesserte Effizienzleistung.
Rollerspezialist Josef Faber konnte mit seiner elektrischen Vespa begeistern, weil die Kunden Freiheit lieben, diese war sogar teils in der Corona Zeit mit dem Roller möglich. Faber war sich sicher, dass die einspurigen Fahrzeuge schon seit vielen Jahren einen wesentlichen Beitrag zur flexiblen Mobilität beitragen.
UIV, Urban Innovation Vienna, ist als Host der Smart City-Rahmenstrategie aktiv. Geschäftsführer Claus Hofer sieht in der Verringerung der Co2 Emission einen wesentlichen Bestandteil der Arbeit: "Bis 2030 die Emissionen bis zu 50 Prozent zu reduzieren und 2050 ganz zu cutten, ist der richtige Weg. Dabei Individualverkehr zunehmend zu vermeiden, ist das Ziel. Als Beispiel dazu ist die neue Seestadt Aspern perfekt: Einkaufen, Bildung, Arbeiten, Wohnen usw. alles an einem Platz."
Smart City Airport und leistbares Wohnen
Das Panel 4 zur "leistbaren und lebenswerten Stadt" startet mit Julian Jäger, Vorstand Wiener Flughafen, der zurecht auf die Bedeutung des internationalen Flughafens für den Standort Wien hinwies: "Auch wenn wir derzeit durch die Covid 19-Krise große Einbußen im Flugverkehr hinnehmen müssen, rüsten wir uns schon für morgen. Der Smart City Airport, wo der CO2 Ausstoß schon jetzt auf 70% reduziert ist, ist ein on-going Prozess und wird weiter fortgeführt". Gemeinderätin Waltraud Karner-Kremser sah in Vertretung von Wohnbaustadträtin Kathrin Gaal, das leistbare Wohnen in Wien als ein besonderes Asset der Stadt.
Gerhard Schuster, Vorsitzender Wien 3420 und oberster Stadtentwickler der Seestadt Aspern, konnte eine repräsentative Umfrage der 8000 Bewohner der Seestadt vorstellen, die eine 80% Zufriedenheit auswies.
Für Wolfgang Kalny, Spezialist für Future Solutions im Nahbereich der Stadt, ist das Projekt im Tullnerfeld ein Meilenstein, wo es möglich wurde, dass durch den neuen Bahnhof dort, immer mehr Pendler die Möglichkeit finden um in die City zu gelangen. Davor Sertic, Logistiker und Spartenobmann der WKW, fühlt sich dem CO2-freien Güterverkehr verpflichtet und arbeitet an Konzepten, diesen zu realisieren. Hier sei noch viel zu tun, ob mit elektrischen Klein-LKWs oder mit Verteilung von Gütern per Bahn in Verladezentren, von wo die letzten Meilen klimaschonend bedient werden können.
"Viel zu oft wird durch Bürokratie oder persönliche Befindlichkeiten zwischen Parteien und Institutionen eine raschere Umsetzung verhindert. Das gilt es gemeinsam zu verändern", so der Tenor der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der 10.vie-mobility.
Club Cuvée
Gegen Ende der Veranstaltung berichtete beim Club Cuvée Stadt Wien Forstdirektor Obersenatsrat Andreas Januskovecz über das zweitgrößte Forstgut Österreichs, das der Stadt Wien.

Gesichtet wurden: Wolfgang Gehbauer, GF WPV-GPA, Marcello Demner, Werbeagentur Demner Merlicek, Unternehmensberater Christian Kren, Stefan Lechner, Verlagsleitung Kurier, Kulturmanager Daniel Serafin, Christian Pesau, IV, Markus Scharinger GF ViveLaCar, Verkehrsexperte Rudi Schicker, Lukas Unger, Ö-Ticket, Thomas Waldner, GF Donauinselfest, Designerin Brigitte Just, Gastronom Ossi Schellmann, Stefan Leeb, Magistratsdirektion Stadt Wien, Friedrich Lehr, Hafen Wien, Stefan Lewisch, Wiener Linien, Personalberaterin Manuela Lindlbauer, Susi Schicker, Wien Holding, Imobilienmaklerin Martina Denich, Handelsexpertin Martina Steinberger-Voracek, Unternehmer Rudi Semrad, Gesamtmoderatorin Sandra Zotti, Mario Rohracher, GS GSV- Plattform für Mobilität, Ralph Vallon, Veranstalter vie-mobility und Raphaela Vallon-Sattler, GF Vallon Relations.
Die Veranstaltung wurde gemäß der aktuellen Situation um COVID-19 sicherheitskonform abgehalten. Impressionen von der 10. vie-mobility mit anschließender Club Cuvée finden Sie in unserer Fotogalerie. (red)
www.mobility.vie-club-cuvee.at