Heimische Wirtschaft unter Druck
2026 wird "Jahr der Wahrheit" für den Mittelstand

| Larissa Bilovits 
| 08.01.2026

Laut Expert:innen können Unternehmen Risiken im heurigen Jahr nicht länger ausblenden. Um weiter handlungsfähig zu bleiben und die eigene Zukunftsfähigkeit abzusichern, gewinnen Restrukturierung und strategische Neupositionierung an Bedeutung. 

Mit dem Start ins neue Jahr sehen sich viele Betriebe mit wirtschaftlichen Rahmenbedingungen konfrontiert, die anspruchsvoller ausfallen dürften als zunächst angenommen. Besonders der Mittelstand, der eigentlich als Fundament der heimischen Wirtschaft gilt, gerät zunehmend unter Druck. Steigende Finanzierungskosten, eine gedämpfte Konsumstimmung, unsichere regulatorische Vorgaben und kaum wachsende Erträge treffen dabei vor allem jene Branchen, die ohnehin mit engen Margen und steigenden Kosten kämpfen, darunter etwa die Bauwirtschaft, die Industrie, der Handel oder auch der Energiesektor.

"Der Mittelstand steht vor einem Jahr, das härter werden könnte als erwartet", sagt Matthias Ortner, Equity Partner bei Advicum Consulting. "Jetzt ist nicht die Zeit für Durchhalteparolen, sondern für strategisches Handeln." 

Insolvenzen auf Höchststand

Wie ernst die Situation ist, unterstreichen auch aktuelle Zahlen: Laut der globalen Insolvenzstudie von Allianz Trade nahmen die Firmenpleiten weltweit 2025 nämlich um sechs Prozent zu. 2026 sollen sie sogar noch um weitere fünf Prozent steigen. In Österreich dürfte sich die Zahl der Unternehmensinsolvenzen bereits 2025 dem bisherigen Höchststand aus dem Jahr 2005 (7.050 Fällen) nähern. Zwar wird für 2026 ein moderater Rückgang von rund fünf Prozent prognostiziert, doch dürfte das Niveau weiterhin hoch bleiben und etwa 30 Prozent über dem Durchschnitt vor den Krisenjahren liegen. Und selbst 2027 dürfte die Quote noch deutlich darüber liegen, mit einem Plus von rund 18 Prozent.

2026 als "Jahr der Wahrheit"

Auch wenn der Start ins neue Jahr von vorsichtigem Optimismus geprägt ist, mahnen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu Realismus, betont Advicum Consulting und verweist auf die aktuellen Daten, die für 2026 ein deutlich verhalteneres Bild zeichnen. Hohe Zinsen, weiter steigende Kosten, eine stagnierende Nachfrage sowie geopolitische Spannungen und ein gedämpftes Investitionsklima setzen der heimischen Wirtschaft spürbar zu. Entsprechend gewinnen Restrukturierung und strategische Neupositionierung an Bedeutung – allerdings nicht als Reaktion auf eine Krise, sondern als bewusster Schritt, um die eigene Zukunftsfähigkeit zu sichern.

Die Expert:innen von Advicum Consulting empfehlen daher, frühzeitig klare Schwerpunkte zu setzen: Zentrale Aufgabe sei es, die Liquidität abzusichern, denn hohe Finanzierungskosten und zunehmende Zahlungsausfälle verlangen nach finanziellen Puffern und einem aktiven Dialog mit Banken. Ebenso wichtig sei der Aufbau von Frühwarnsystemen, um Risiken und Chancen schneller zu erkennen und auf Unsicherheiten flexibel reagieren zu können. Gleichzeitig raten die Fachleute, Zukunftsthemen wie Digitalisierung und KI nicht länger aufzuschieben, sondern gezielt in Know-how und Umsetzung zu investieren. Und nicht zuletzt gelte es, das eigene Geschäftsmodell kritisch zu hinterfragen: Wer sich 2026 konsequent auf Kernleistungen und wesentliche Werttreiber konzentriert, schaffe die Basis, um auch in einem schwierigen Umfeld wettbewerbsfähig zu bleiben.

"Viele Unternehmen operieren bereits nahe der Belastungsgrenze. 2026 wird zum Jahr der Wahrheit – in dem bestehende Geschäftsmodelle auf den Prüfstand und neu evaluiert gehören", betont Ortner. Und Daniel Knuchel, Equity Partner bei Advicum Consulting, fügt hinzu: "2026 wird ein Jahr, in dem Unternehmen Risiken nicht länger ausblenden können. Es geht darum, handlungsfähig zu bleiben – durch klare Zielbilder und schnelle Entscheidungen, durch Fokus auf Wirkung statt Perfektion und durch transparente Kommunikation mit aktiver Einbindung der wichtigsten Stakeholder. Nur so lassen sich klare Analysen, schlanke Strukturen und strategisch kluge Maßnahmen erfolgreich umsetzen."

www.advicum.com

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