Neue Studie der WU Wien
Diabetes verursacht weltweit Kosten in Billionenhöhe

Ein Forschungsteam der WU Wien und des IIASA hat die globalen und nationalen ökonomischen Auswirkungen der chronischen Stoffwechselerkrankung für 204 Länder berechnet und kam dabei zu einem alarmierenden Ergebnis.

Diabetes mellitus oder auch Zuckerkrankheit genannt, gehört weltweit zu den häufigsten Volkskrankheiten. Dabei handelt es sich um eine chronische Stoffwechselerkrankung mit zu hohen Blutzuckerwerten, da der Körper Insulin nicht richtig produziert oder nutzt. Rund um den Globus leiden etwa 537 Millionen Menschen an der Krankheit – davon rund 800.000 in Österreich. Sie entsteht durch eine Kombination aus genetischer Veranlagung und Lebensstilfaktoren – wobei Typ 1 eine Autoimmunerkrankung ist, bei der das Immunsystem die insulinproduzierenden Zellen zerstört, während Typ 2 oftmals durch Übergewicht, Bewegungsmangel und ungesunde Ernährung bedingt ist. Letztere ist gleichzeitig auch die am häufigsten vertretene Form von Diabetes mellitus.

Menschen, die an der Zuckerkrankheit erkrankt sind, benötigen fast immer eine medizinische Behandlung, um die hohen Blutzuckerwerte zu kontrollieren und schwere Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt, Nierenschäden oder Erblindung zu verhindern. Die jeweilige Therapie ist wiederum stark abhängig vom Typ und dem individuellen Verlauf. Sicher ist allerdings, dass die Behandlungen mit hohen finanziellen Ausgaben verbunden sind. Wie hoch genau, hat eine aktuelle Studie untersucht. Diese liefert Zahlen zu den globalen sowie nationalen wirtschaftlichen Kosten und gibt Empfehlungen, um diese zu reduzieren. 

Rund zehn Billionen US-Dollar 

Durchgeführt wurde die Studie zu den ökonomischen Auswirkungen von Diabetes mellitus von einem Forschungsteam mit Expert:innen der WU Wien und des IIASA. Diese beschränkt sich auf 204 Länder und berechnet die Kosten für den Zeitraum von 2020 bis 2050. Die Ergebnisse seien alarmierend, denn laut den Forschenden belaufen sich die weltweiten Ausgaben, ohne Berücksichtigung informeller Pflege, auf rund zehn Billionen US-Dollar. Das entspricht 0,2 Prozent des jährlich globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP). Wird die informelle Pflege einbezogen, steigen die Kosten sogar auf bis zu 152 Billionen Dollar, was wiederum 1,7 Prozent des globalen jährlichen BIP darstellt. "Menschen, die pflegen, fallen oftmals zumindest teilweise am Arbeitsmarkt aus, das verursacht zusätzlich Kosten", erklärt WU-Ökonom Klaus Prettner

Mit Blick auf die Länder zeigt sich, dass die höchsten absoluten Kosten die Vereinigten Staaten haben, gefolgt von China und Indien. Für Österreich ergeben sich laut Berechnungen Ausgaben von rund 19 Milliarden US-Dollar über den gesamten Zeitraum von 30 Jahren. Mit informeller Pflege steigt dieser Wert auf 206 Milliarden US-Dollar an (1,5 % des jährlichen BIP). "Bisherige Kostenschätzungen für Diabetes basierten oft auf stark vereinfachten Annahmen und ignorierten dabei wirtschaftliche Dynamiken", so Prettner. Der neue, innovative Ansatz der Studie berücksichtige hingegen Arbeitsmarktdynamiken – etwa wenn Menschen ausfallen, weil sie Angehörige pflegen. Obendrein werde einbezogen, dass Gesundheitsausgaben volkswirtschaftlich nicht zwingend eine Reduktion der Wirtschaftsleistung bedeuten, sondern häufig eine Verschiebung von Konsumausgaben in den Gesundheitsbereich darstellen. 

Empfehlungen zur Kostenreduzierung 

Um die Erkrankung zu vermeiden und Kosten zu senken, sehen die Studienautor:innen mehrere Ansatzpunkte. Der wichtigste Hebel sei ihrer Meinung nach die Änderung des Lebensstils – etwa durch mehr Bewegung und gesunde Ernährung. Aber auch die Früherkennung durch großflächige Diabetes-Screenings in der Gesamtbevölkerung sowie schnelle Diagnosen und Behandlung bei Menschen mit Symptomen und Risikofaktoren seien zentral. 

Weitere Ergebnisse der Studie können Sie hier nachlesen. 

www.wu.ac.at

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