Eigene Strategie angekündigt
So will die Regierung der Tourismuswirtschaft unter die Arme greifen

| Janet Teplik 
| 07.01.2026

Ziel sei es, die Wertschöpfung im Land zu halten, Zukunftsperspektiven zu sichern und ein modernes, nachhaltiges Tourismusbild weiterzuentwickeln, um so den Herausforderungen der Branche zu trotzen und international wettbewerbsfähig zu bleiben. 

Der heimische Tourismus hat nach den Jahren der Corona-Pandemie wieder Fahrt aufgenommen und verzeichnet eine hohe Nachfrage (LEADERSNET berichtete). Doch trotz wachsender Gästezahlen steht die Branche nach wie vor aufgrund von steigenden Energie-, Personal- und Finanzierungskosten, Herausforderungen bei Fachkräften und Betriebsnachfolge sowie internationaler Wettbewerbsfähigkeit und Bürokratie unter Druck. Die Bundesregierung hat daher im ersten Ministerrat des Jahres weitere Schritte zur Stärkung des Tourismusstandorts gesetzt. 

Tragende Säule der Wirtschaft

Der Tourismus ist eine tragende Säule der österreichischen Wirtschaft. Gemeinsam mit der Freizeitwirtschaft generiert die Branche rund 14 Prozent der heimischen Wirtschaftsleistung und trägt so zur Sicherung von über 567.000 Vollzeitarbeitsplätzen bei (LEADERSNET berichtete). Mittels der beschlossenen Maßnahmen, die auf Qualität, Sichtbarkeit, bessere Rahmenbedingungen und neue Impulse für Betriebe sowie Beschäftigte setzen, soll die Wertschöpfung nicht nur im Land gehalten, sondern auch Zukunftsperspektiven gesichert und ein modernes, nachhaltiges Tourismusbild weiterentwickelt werden. Damit beabsichtige man gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten, Betriebe dort zu entlasten, wo Bürokratie keinen Mehrwert schafft, sodass sie mehr Zeit und Ressourcen für Qualität, Gäste und Beschäftigte haben. 

Bessere Rahmenbedingungen und neue Impulse

Zu diesen beschlossenen Maßnahmen gehört die "Vision T", eine neue nationale Tourismusstrategie, die mit starker Beteiligung der Branche erarbeitet wird. Das Ziel ist, ein neues Zielbild für den Tourismus bis Sommer 2026 zu gestalten. Darüber hinaus soll ein Sonderbudget in Höhe von einer Million Euro dafür genutzt werden, um Österreich für die Olympischen Winterspiele 2026 als führende Skidestination zu etablieren. "Der Tourismus ist ein stabiler und wachsender Faktor für die österreichische Wirtschaft und war auch in den vergangenen Jahren eine wesentliche Konjunkturstütze. Jetzt geht es darum, dass wir genau diesen Beitrag weiterhin unterstützen. Deshalb investieren wir gezielt in die Zukunft: Mit der 'Vision T' schaffen wir gemeinsam mit der Branche ein neues Zielbild für den österreichischen Tourismus. Wir zeigen rund um die Olympischen Spiele, was Österreich als Wintersportnation kann und zu bieten hat und holen damit zusätzliche Wertschöpfung ins Land", so Elisabeth Zehetner, Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus, die weiter meint: "Der Tourismus ist einer der wichtigsten Dienstleistungsexporte Österreichs und muss in der Preisstatistik auch als solcher behandelt werden. Wenn unsere Betriebe international wettbewerbsfähig sind, bringt das mehr Investitionen, mehr Qualität und mehr Chancen für den Standort." Denn klar sei: "Ohne Tourismus fehlt in vielen Regionen nicht nur die Wirtin oder der Wirt, sondern die wirtschaftliche Grundlage". 

Maßnahmen gegen Fachkräftemangel 

Ebenfalls geplant ist auch die Modernisierung der Beherbergungsstatistik, um mehr Digitalisierung und Datenqualität als Voraussetzung für das digitale Gästeblatt zu schaffen. Und mittels der neuen Imagekampagne "Team Tourismus", die ihren Schwerpunkt auf moderne Arbeitswelt, Karrieren und Sinnstiftung legt, sollen außerdem mehr Menschen für Jobs im Tourismus begeistert werden. Eine bundesweite Fachkräftestrategie, wie im Regierungsprogramm festgelegt, soll darüber hinaus im Tourismus einen Schwerpunkt auf Ganzjahresarbeitsplätze sowie überregionale Vermittlung legen, um bessere Arbeitsbedingungen, Qualifikationen und eine langfristige Bindung zu schaffen. "Mit diesen Maßnahmen zeigen wir ganz deutlich, dass wir auf Menschen statt auf kurzfristige Lösungen setzen. Wir schaffen Perspektiven im Tourismus, nicht nur Jobs auf Zeit. Wir übernehmen soziale Verantwortung für jene, die den Erfolg erst möglich machen", erklärt Arbeits- und Sozialministerin Korinna Schumann, die weiter betonte, dass ein starker Tourismus motivierte, gut ausgebildete und gut entlohnte Beschäftigte brauche. Denn "erfolgreicher Tourismus entsteht dort, wo es gute Arbeit gibt". 

Stabilität über die Saison hinaus

Zudem startet der Tourismusbeschäftigtenfond, der jährlich 6,5 Millionen Euro für Qualifizierungs- und Unterstützungsleistungen umfasst. Damit investiere die Bundesregierung ganz konkret in Arbeitsbedingungen sowie in die Unterstützung und Qualifizierung, um für mehr Stabilität – gerade über die Saison hinaus – zu sorgen. Eine Überprüfung der Inflationsberechnung im Tourismus gemeinsam mit Statistik Austria soll obendrein den exportorientierten Charakter besser abbilden und mithilfe des Programms "NexGen4Austria" zur Betriebsnachfolge im Tourismus sollen die Qualifizierungsangebote für potenzielle Nachfolger:innen gefördert werden. Eine weitere Maßnahme ist zudem die Vereinfachung der Preisauszeichnungen bei Beherbergungsbetrieben. Ziel ist es, klare Regeln für die Ausweisung von Abgaben wie Ortstaxe und die zeitgemäße Anpassung der Pflicht zur Preisangabe im Eingangsbereich zu schaffen. Und auch die EU-Verordnung zu Short-Term Rentals soll umgesetzt werden. Dafür stellt der Bund die technische Infrastruktur für die einheitliche Datenmeldung zur Verfügung. Schumann hielt in ihrem Statement fest, dass der Erfolg des Tourismus in Österreich nicht auf Zahlen allein basiere, sondern auf den Menschen, die diese Branche Tag für Tag tragen. "Sie arbeiten dann, wenn andere Urlaub haben, sie sind flexibel, belastbar und hoch engagiert", so die Politikerin. 

Nächste Schritte der Entbürokratisierung

Staatssekretär Sepp Schellhorn, zuständig für die Deregulierung und Entbürokratisierung, verwies zudem darauf, dass man bereits durch die Trinkgeld-Reform neun unterschiedliche Regelungen durch eine einheitliche Trinkgeldpauschale ersetzt und so Rechtssicherheit geschaffen habe. Nun sollen die nächsten Schritte der Entbürokratisierung für den Tourismussektor folgen. "Mit der verlängerten Grace Period bei Betriebsübergaben, dem digitalen Beleg und weiteren Vereinfachungen reduzieren wir spürbar administrativen Aufwand – ergänzt durch neue Digitalisierungsmaßnahmen wie das Digitale Gästeblatt", hielt er fest. Als karenzierter Hotelier wisse er, dass Qualität und Erlebnis nicht in der Zettelwirtschaft, sondern zwischen Gast und Gastgeber:innen entstehe. 

Zügige Umsetzung gefordert

Die Obfrau der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Susanne Kraus-Winker, zeigt sich von den bisher gesetzten Maßnahmen der Regierung zur Stärkung des Tourismus und der Ankündigung weiterer Initiativen im heutigen Ministerrat erfreut. "Entscheidend ist nun aber die Geschwindigkeit. Die angekündigten Punkte müssen rasch als Gesetzestexte vorliegen und beschlossen werden, damit sie in den Betrieben tatsächlich wirken", betont sie. "Positiv ist vor allem, dass im Bereich der Statistik unsere wiederholten Anregungen zur Neuberechnung der Inflationsgewichtung und der Neuauswertung der Nächtigungen aufgegriffen wurden. Die verlässliche und genaue Erfassung der Nächtigungen ist eine Grundvoraussetzung für wirksame Steuerungsmaßnahmen und war längst überfällig. Ebenso wie die konsequente Umsetzung des digitalen Gästeblatts."

Aus Sicht der Bundessparte brauche es zusätzlich die zügige Umsetzung weiterer offener Punkte aus dem Regierungsprogramm. Dazu zählen etwa ein vereinfachtes Aushilfskräftemodell via App-SV-Anmeldung, steuerliche und administrative Vereinfachungen bei der Betriebsnachfolge, die Abwicklung noch offener Coronahilfen sowie fiskalische Maßnahmen zur Eigenkapitalstärkung und Ankurbelung der Investitionstätigkeit. "Der Tourismus ist in der derzeit schwierigen wirtschaftlichen Lage unbestritten eine zentrale Stütze unserer Konjunktur. Unsere Betriebe brauchen Rahmenbedingungen, die die Wettbewerbsfähigkeit stärken und Investitionen ermöglichen." Der laufende gemeinsame Prozess mit dem Tourismusministerium zur Tourismusstrategie 'Vision T' werde ebenfalls einen wichtigen Beitrag dafür leisten, so Kraus-Winkler.

Weitere Stimmen aus der Branche

Der Wirtschaftsbund begrüßt die Maßnahmen zur Stärkung des Tourismusstandorts. "Mit den von der Bundesregierung angekündigten Maßnahmen wird ein wichtiger Schritt zur nachhaltigen Stärkung des heimischen Tourismus gesetzt. Besonders die gezielte Unterstützung bei Betriebsübergaben ist ein entscheidendes Signal, denn allein im Tourismus stehen in den kommenden Jahren tausende Übergaben an. Maßnahmen wie 'NextGen4Austria' sichern unternehmerisches Know-how, Arbeitsplätze und regionale Wertschöpfung. Die hohe Nachfrage nach Urlaub in Österreich bestätigt die Attraktivität des Standorts. Gleichzeitig braucht es rasch weitere wirksame Schritte zur spürbaren Entlastung bei Energie- und Personalkosten, damit Investitionen möglich bleiben und die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe langfristig gesichert wird", sagt Wirtschaftsbund-Generalsekretär und ÖVP-Wirtschaftssprecher Kurt Egger

Barbara Neßler, Tourismussprecherin der Grünen, steht den Maßnahmen hingegen kritisch gegenüber und fordert langfristige Lösungen statt jährlichem "Saisons-Kuhhandel". "Der Fachkräftemangel im Tourismus ist seit Jahren bekannt – und trotzdem bietet die Bundesregierung lediglich dasselbe Schauspiel: ein unnötiger politischer Kuhhandel über die Höhe der Saisonarbeitskräfte und eine Imagekampagne. Dieses Ritual ist mehr als entbehrlich", meint sie. Anstatt nachhaltige Strategien zu entwickeln, setze die Regierung auf kurzfristige Placebo-Politik. Den Hebel am Arbeitsmarkt sieht die Tourismussprecherin bei den Frauen und betont: "Gerade im Tourismus könnten viele gut ausgebildete Frauen arbeiten gehen. Aber die Realität ist: Ohne ausreichende und verlässliche Kinderbetreuung bleibt ihnen der Zugang zum Arbeitsmarkt oft verwehrt." Weiter heißt es, dass besonders die Tourismus-Staatssekretärin ihre Verantwortung nicht ernst genug nehme: "Wenn die Staatssekretärin wirklich etwas am Arbeitsmarkt verändern will, muss sie endlich bei der Kinderbetreuung ansetzen. Hier entscheidet sich, ob Betriebe Fachkräfte finden oder nicht." Für Neßler steht daher fest: "Es braucht einen langfristigen Plan statt jährlicher Notlösungen. Der Fachkräftemangel lässt sich nicht mit immer denselben Debatten bekämpfen, sondern nur mit konsequentem Ausbau von Kinderbetreuung und Maßnahmen, die dauerhaft wirken."

www.bundeskanzleramt.gv.at

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