Analyse der Kaufoption
"Buy Now, Pay Later" birgt Gefahr der Verschuldung und verleitet zu Mehrausgaben

| Janet Teplik 
| 07.01.2026

Die Möglichkeit, Einkäufe erst später oder in Raten zu bezahlen, verleitet laut einer aktuellen Umfrage zu einem erhöhten Konsum. Besonders anfällig für diese Zahlungsmethode seien dabei 18- bis 29-Jährige sowie Frauen und Personen mit angespannten finanziellen Verhältnissen. 

In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheiten rücken die Finanzen erneut in den Fokus vieler Österreicher:innen. Schon jetzt sind bereits über 1,53 Millionen Menschen hierzulande nach der Definition der Europa-Strategie armuts- oder ausgrenzungsgefährdet (Stand: 2024) und müssen nicht selten jeden Cent zweimal umdrehen. Abhilfe soll all jenen die Kaufoption "Buy Now, Pay Later" bieten, bei der Konsument:innen Waren sofort erwerben, die Zahlung jedoch ganz oder teilweise zu einem späteren Zeitpunkt erfolgt.

Das Konzept ist im deutschsprachigen Raum nicht neu. Bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erlaubten Versandhauskataloge wie Quelle oder Neckermann, Produkte auf Rechnung zu bestellen und später zu bezahlen. Und auch Ratenzahlungen für höherpreisige Anschaffungen waren schon damals üblich. Ende der 1990er und in den 2000er-Jahren etablierte sich schließlich der Rechnungskauf als gängige Zahlungsmethode im E-Commerce. Und 2010 folgten spezialisierte Anbieter wie Klarna, die digitale Lösungen zur Abwicklung von Rechnung und Ratenzahlung unter dem Namen "Buy Now, Pay Later" im Internet anboten, wodurch sich das Zahlungsmodell etablierte. 

Österreicher:innen fürchten Mehrausgaben

In Österreich ist "Buy Now, Pay Later" unlängst angekommen, wird allerdings kritisch beäugt, wie aus einer Umfrage von bank99 unter 400 Personen hervorgeht. Demnach denken knapp 40 Prozent der Befragten, dass sie aufgrund der Zahlungsoption mehr Geld ausgeben als geplant. Anklang findet das Zahlungsmodell dennoch in der jungen Altersgruppe. So hätten 60 Prozent der 18- bis 29-Jährigen angegeben, "Buy Now, Pay Later" bei ihren Einkäufen zu nutzen. Über ein Drittel täte dies sogar mindestens einmal alle drei Monate (39 %). Neben der jüngeren Altersgruppe würden vor allem aber auch Frauen sowie Personen mit angespannten finanziellen Verhältnissen (31 %) die Zahlungsoption nutzen – wenig verwunderlich, denn Frauen sind sowohl vom Gender Pay Gap (LEADERSNET berichtete) als auch vom Gender Spar Gap betroffen (LEADERSNET berichtete) und verfügen demnach über weniger finanzielle Mittel als Männer, trotz gleicher Leistung und zusätzlicher Belastung wie Care-Arbeit. Unterstrichen wird diese Ungerechtigkeit ebenfalls durch die bank99-Umfrage, laut der 17 Prozent der weiblichen Befragten einmal im Monat mit "Buy Now, Pay Later" zahlen, während das nur für etwa jeden zehnten Mann gilt (9 %). 

"Die Möglichkeit, Käufe zu tätigen und dabei Zahlungen in die Zukunft zu verlagern, erscheint Konsument:innen häufig als attraktive Lösung. Die Praxis zeigt jedoch, dass insbesondere die höhere Anzahl kleinerer Beträge zu mangelnder Transparenz über bestehende Zahlungsverpflichtungen zu einem späteren Zeitpunkt führt", erklärt Bernhard Hohenegger, Vorstand Markt der bank99. "Wir empfehlen daher, Käufe des täglichen Bedarfs nur bei unmittelbarer Zahlungsfähigkeit zu tätigen. Bei größeren Anschaffungen, wo das nicht möglich ist, sollten geeignete Finanzierungsinstrumente wie Ratenkauf oder Kredit im Vorfeld verglichen werden, um so die kostengünstigste Option zu wählen. Ein Konsumkredit kann dabei durch oft günstigere Zinssätze, individuell anpassbare Laufzeiten und die Möglichkeit zur vorzeitigen Rückzahlung Vorteile gegenüber einer Händlerfinanzierung bieten."

Dreh- und Angelpunkt: Internet

"Buy Now, Pay Later" werde in Österreich vorrangig im Internet genutzt. Demnach zahlen knapp ein Drittel der Österreicher:innen bzw. 29 Prozent am liebsten auf diese Weise online. Bei Personen, die die Option regelmäßig, sprich alle drei Monate oder häufiger, nutzen, liege der Anteil mit 79 Prozent sogar noch höher. Für weitere sieben Prozent sei die Zahlungsoption mittlerweile Voraussetzung für den Kauf in einem Onlineshop – bei den 18- bis 29-Jährigen würden dies bereits mehr als doppelt so viele sagen (16 %). Mit Blick auf das Offline-Verhalten zeige sich wiederum, dass jede:r vierte Österreicher:in mindestens einmal im Quartal auf die Zahlungsmethode zurückgreife. 

Den Nutzer:innen des Kaufmodells stehen 52 Prozent gegenüber, die laut Umfrage noch nie mit der Zahlungsoption einkauften. Jedoch würde knapp ein Viertel der Teilnehmer:innen (23 %) Interesse daran zeigen, künftige Anschaffungen online wie offline erst später zu bezahlen. 

Risiken der Verschuldung

Verbraucherschützer:innen bemängeln seit Längerem, dass die einfache Nutzung dazu führe, dass insbesondere junge Kund:innen mehrere kleine Kredite parallel aufnehmen, die sich unbemerkt zu größeren Schulden summieren können. Hinzukommen Gebühren und Mahnkosten bei Zahlungsverzug. Und auch die Österreicher:innen erkennen die Gefahr. Laut Umfrage sehen 60 Prozent der Befragten den größten Nachteil von "Buy Now, Pay Later" darin, dass sie sich dadurch verschulden könnten. Ebenfalls kritisch betrachtet werden das Risiko, in finanzielle Schwierigkeiten zu kommen, und ein erschwerter Überblick über die eigenen Ausgaben (52 %). Lediglich sechs Prozent würden laut Erhebung keine Nachteile darin erkennen, mit der Zahlungsoption einzukaufen. Auffällig an dieser Stelle: Die 18- bis 29-Jährigen verfügen laut Umfrage über ein stärkeres Bewusstsein für die möglichen Mehrausgaben. Und über die Hälfte davon (52 %) schätze die Wahrscheinlichkeit für zusätzliche Ausgaben als hoch ein. Dies gelte hingegen nur für etwas mehr als ein Fünftel der Personen zwischen 60 und 69 Jahren (22 %).

"Das Bewusstsein über die Risiken schützt Konsument:innen offenbar nicht davor, tatsächlich Mehrausgaben im Internet zu tätigen. Umso wichtiger ist es, sämtliche Kosten in einer Übersicht zu erfassen, um die eigenen Finanzen dauerhaft gut im Blick zu behalten. Als bank99 ist es uns ein Anliegen, Finanzwissen zu vermitteln und über die verschiedenen finanziellen Möglichkeiten und Risikofaktoren aufzuklären. Denn nur wer den Überblick über die eigene finanzielle Situation behält, kann verantwortungsvoll und langfristig gute Entscheidungen treffen", so Hohenegger abschließend. 

www.bank99.at

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