Wie geht nochmal Glücklichsein?

Social Media Managerin Carola Prohaska expressis verbis.

Unlängst habe ich mit meiner Großmutter neben dem Wäsche waschen und Bügeln telefoniert – Multitasking for the win! Wir plauderten über dies und das und als wir uns beide gegenseitig auf den neuesten Stand der Dinge gebracht hatten, was das Leben des jeweils anderen betrifft, überraschte mich meine liebe Omi mit einer – ich will fast sagen – philosophischen Frage: “Carola, warum waren wir damals, als wir nichts hatten so glücklich und sind heute wo wir alles haben so unglücklich?”

Bäm. Was für eine interessante Frage! So interessant, dass ich nicht weiter unbeirrt weiterbügeln konnte. Ich unterbrach meine Multitasking-Performance, setzte mich und dachte nach. Woran könnte es wirklich liegen?

Meine Oma gehört jener Generation an, die kurz nach der Wirtschaftskrise zur Welt kam und als Kind den 2. Weltkrieg miterleben musste – der Vater an der Front, die Mutter stets darauf bedacht die Familie durchzubringen. Nach dem Krieg fand man ein zerstörtes und zerrissenes Land vor. Long story short: Diese Generation hatte genug Gründe, um eigentlich todunglücklich zu sein. Spricht man aber mit den älteren Damen und Herren derselben Altersgruppe, beschreiben alle eine glückliche Kindheit, ja manche meinen gar "früher war alles besser". Wie kann das sein?

Noch interessanter wird die Thematik, wenn wir uns unser heutiges Leben vor Augen führen: wir leben in einem mehr oder weniger sicheren Land, verdienen gut, haben Jobs, fliegen in den Urlaub und fahren teure Autos. Trotzdem ist da eine Unzufriedenheit, die unter der Oberfläche der Gesellschaft brodelt. Unser empfundenes Glück hängt folglich nicht direkt mit unserem Wohlstand zusammen. Diesen Umstand bestätigen auch Studien. In China, wo sich das Pro Kopf-Einkommen in kurzer Zeit verdoppelt hat, wurde sogar ein Rückgang der Lebenszufriedenheit erhoben. Die Forscher der besagten Studie spekulieren, dass unser Glück nicht mit materiellen Umständen, sondern von unserem Vergleich mit dem sozialen Umfeld abhängt.

Reizüberflutung überall

Macht Sinn. In unserer heutigen schnelllebigen Zeit voller Facebook, Instagram, YouTube & Co. werden wir permanent mit angeblich realen Eindrücken aus dem Leben anderer befeuert. Zumindest unterbewusst wird das Vergleichs-Programm gestartet, das immer jemanden findet, der besser, reicher oder schöner ist als man selbst.

Hinzu kommt, dass wir unendlich viele Entscheidungsmöglichkeiten haben. Da kann es schon mal passieren, dass wir vorm Supermarkt-Regal stehen, eigentlich nur ein Joghurt wollen, aber uns zwischen den 57693 Sorten einfach nicht entscheiden können.

Zurück zum Telefonat mit Oma – als ich da so sitze, umringt von gebügelten Wäschebergen, wird mir klar, dass zwar jeder für sich Glück anders verstehen mag, sich aber im Großen und Ganzen eine Sache abzeichnet, die offenbar auf der Suche nach unserem Glück essentiell zu sein scheint: Reizüberflutung. Reizüberflutung online. Reizüberflutung im Supermarkt. Überall ein ständiges Befeuern von Information.

"Minimalismus" sage ich zu meiner Großmutter. Das ist der Unterschied. Waren die Zeiten damals noch so schwierig, hatte man ein entschleunigtes Leben, weniger Druck und weniger Entscheidungsmöglichkeiten, was natürlich gar nicht erst Komplexität aufkommen ließ.

Reduktion ist die Antwort

Wir sollten unsere Arbeitszeit produktiv und gut nutzen, aber Arbeit auch das sein lassen was es ist: Arbeit. Wir sollten das Smartphone weglegen und mit unseren Lieben Zeit genießen. Wir sollten für Einfachheit in unserer komplexen Welt voller Entscheidungsmöglichkeiten sorgen. Und wir sollten uns Zeit für uns nehmen und uns fragen, was uns wirklich glücklich macht und dann genau das tun.


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