AKV-Insolvenzstatistik 2025
Österreich verzeichnete erneut Höchstwerte bei Firmeninsolvenzen

Im vergangenen Jahr erlebte das Land erneut ein Rekordjahr bei Pleiten. Besonders stark prägten Insolvenzen aus der Immobilienwirtschaft sowie hohe Passiva das Gesamtbild.

Nach Ausführungen der Wirtschaftsforschung stellten die Jahre 2023 und 2024 den längsten konjunkturellen Abschwung seit Bestehen der Zweiten Republik dar. 2025 dürfte es im Bereich des BIP-Wachstums wieder zu einer moderaten Erholung gekommen sein. Anhaltende Belastungen der Industrie sowie eine ausgeprägte Zurückhaltung bei Ausgaben für Konsumgüter und Immobilien hätten jedoch dazu geführt, dass die Insolvenzzahlen branchenübergreifend seit dem Jahr 2023 auf einem historisch hohen Niveau verharren. Am Montag hat der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) Bilanz gezogen und die Insolvenzstatistik 2025 vorgestellt.

Drittes Rekordpleitenjahr

Die endgültigen Ist-Zahlen zeigen, dass Österreich 2025 bereits das dritte Rekordpleitenjahr in Folge bei den eröffneten Firmeninsolvenzen zu verzeichnen hatte. Insgesamt wurden 4.189 Insolvenzverfahren eröffnet. Damit wurde der bisherige historische Höchstwert aus dem Jahr 2024 um 0,72 Prozent übertroffen. Gleichzeitig lagen die Zahlen auch deutlich über dem Niveau der Finanzkrise 2007/2008, als jährlich zwischen rund 3.000 und 3.700 Firmeninsolvenzen eröffnet worden waren (2007 – über 3.000, 2008 – circa 3.250, 2009 – circa 3.700).

Eröffnete Firmeninsolvenzen in Österreich 2025 nach Quartalen © AKV

Im Monatsdurchschnitt wurden 2025 über das Vermögen von 349 Unternehmen Insolvenzverfahren eröffnet, was einer wöchentlichen Insolvenzfrequenz von rund 81 Unternehmen entspricht. Bereits bis September des Jahres 2025 lag die Zahl der Eröffnungen über den gesamten Jahreswerten der Jahre 2018 (2.981) und 2019 (3.045), also den Jahren vor der Covid-19-Pandemie. Auch das erste Rekordjahr 2023 mit 3.369 eröffneten Verfahren wurde bereits im Oktober überschritten, während sich die Werte im Vergleich zu 2024 weitgehend stabil entwickelten.

Gesamtzahl der Firmeninsolvenzen deutlich gestiegen

Neben den eröffneten Insolvenzverfahren ist insbesondere der starke Anstieg der Abweisungen mangels kostendeckenden Vermögens hervorzuheben. Insgesamt wurden im Jahr 2025 2.967 Insolvenzanträge abgewiesen, weil kein ausreichendes Vermögen zur Deckung der Verfahrenskosten vorhanden war. Dies entspricht einem Anstieg von 20,22 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

In Summe belief sich die Zahl der Firmeninsolvenzen, einschließlich der Abweisungen, damit auf 7.156 Fälle. Gegenüber 2024 bedeutet dies einen Zuwachs von 7,98 Prozent. Der AKV führt dieses Plus vor allem auf den drastischen Anstieg der Abweisungen mangels Masse zurück.

Entwicklung der eröffneten Firmeninsolvenzen in den Bundesländern © AKV

Entwicklung in den Bundesländern

Bei der regionalen Betrachtung zeigt sich ein differenziertes Bild. Steigerungen bei den eröffneten Firmeninsolvenzen wurden 2025 insbesondere in Oberösterreich (+15,15 %), Salzburg (+10,53 %), Niederösterreich (+3,56 %) und Tirol (+3,40 %) registriert. Rückgänge gab es hingegen in Wien (–3,29 %), der Steiermark (–5,51 %), dem Burgenland (–6,92 %), Vorarlberg (–4,00 %) und Kärnten (–0,92 %). Österreichweit nahmen die eröffneten Firmeninsolvenzen dennoch um 0,72 Prozent zu. Dabei sei laut AKV zu berücksichtigen, dass der Vergleich mit bereits sehr hohen Vorjahreswerten erfolgte.

Unterschiedliche Entwicklungen in Wien und Oberösterreich

Besondere Entwicklungen zeigten sich in Wien und Oberösterreich. Wien verzeichnete im ersten Halbjahr 2025 insgesamt 799 eröffnete Firmeninsolvenzen. Dies entsprach 36,79 Prozent aller österreichweit eröffneten Verfahren in diesem Zeitraum. Diese hohe Quote sei insbesondere auf den wirtschaftlichen Zusammenbruch zahlreicher Unternehmen aus der Immobilienentwicklung zurückzuführen.

Im zweiten Halbjahr 2025 ging die Zahl der Eröffnungen in Wien auf 670 Verfahren zurück, was einem Anteil von 33,22 Prozent der bundesweiten Insolvenzen entsprach. Eine gegenteilige Entwicklung zeigte sich in Oberösterreich. Dort wurden im ersten Halbjahr 234 Verfahren eröffnet, im zweiten Halbjahr kam es jedoch zu einem deutlichen Anstieg auf 298 Eröffnungen. Dieser Zuwachs sei vor allem auf Insolvenzen von Industriebetrieben zurückzuführen und habe dazu geführt, dass Oberösterreich 2025 die höchste Steigerungsrate aller Bundesländer aufwies.

Rückgang bei gefährdeten Arbeitsplätzen

Im Jahr 2025 blieben Großinsolvenzen in der Größenordnung der KTM-Gruppe aus, die im Jahr 2024 rund 3.600 Arbeitsplätze gefährdet hatte. Auch die Insolvenz der Leiner & kika Möbelhandels GmbH mit 1.350 betroffenen Dienstnehmer:innen zählte im Vorjahr zu den größten Verfahren der letzten Jahrzehnte. Vor diesem Hintergrund ging die Zahl der von Firmeninsolvenzen betroffenen Dienstnehmer:innen im Jahr 2025 deutlich zurück. Insgesamt waren 16.252 Beschäftigte betroffen, was gegenüber 23.405 im Jahr 2024 einem Rückgang von rund 30,56 Prozent entspricht.

Top 5 Insolvenzen Österreich nach Dienstnehmer:innen © AKV

Insolvenzen mit den meisten betroffenen Dienstnehmer:innen

Die meisten Arbeitsplätze waren 2025 von der Insolvenz der Palmers Textil Aktiengesellschaft betroffen, bei der 515 Dienstnehmer:innen registriert wurden. Es folgten die Stiglechner Tankstellen GmbH mit 507 Beschäftigten, die Quester Baustoffhandel GmbH mit 314, die ESIM Chemicals GmbH mit 289 sowie die Hermes Schleifmittel Ges.m.b.H. mit 188 betroffenen Dienstnehmer:innen.

In den Verfahren der Palmers Textil Aktiengesellschaft sowie der Hermes Schleifmittel Ges.m.b.H. seien laut AKV bereits Sanierungspläne mit den Gläubiger:innen abgeschlossen worden. Bei der Stiglechner Tankstellen GmbH und der Quester Baustoffhandel GmbH sollte erst in den folgenden Wochen über Sanierungspläne abgestimmt werden. Im Konkursverfahren der ESIM Chemicals GmbH werde eine übertragende Sanierung angestrebt.

Gesamtpassiva weiterhin auf hohem Niveau

Die Gesamtpassiva der eröffneten Firmeninsolvenzen beliefen sich im Jahr 2025 auf rund 11,03 Milliarden Euro. Zwar blieben Insolvenzen mit Forderungen in Milliardenhöhe aus, dennoch liegt dieser Wert weiterhin deutlich über dem Niveau der Jahre vor 2023.

Zum Vergleich, im Jahr 2023 beliefen sich die Gesamtpassiva auf rund 16,74 Milliarden Euro, im Jahr 2024, bedingt durch mehrere Großinsolvenzen, sogar auf rund 22,32 Milliarden Euro. Gegenüber 2024 haben sich die Gesamtpassiva 2025 somit um mehr als die Hälfte reduziert (–50,59 %).

Größte Insolvenzen nach Passiva

Neun der zehn nach Passiva größten Unternehmen waren im Bereich der Immobilienentwicklung tätig. Acht dieser Unternehmen sind der Signa-Gruppe zuzuordnen. Die höchsten Passiva wiesen unter anderem die Signa Prime Capital Invest GmbH mit 870 Millionen Euro, die Herkules Holding GmbH mit 777,2 Millionen Euro sowie die Signa sieben 2017 Prime Beteiligungs GmbH & Co KG mit rund 590,8 Millionen Euro auf (Siehe Grafik).

Der AKV weist darauf hin, dass sich die tatsächliche Höhe der Verbindlichkeiten bei diesen Großinsolvenzen erst im Laufe der Verfahren endgültig beziffern lassen werde.

Branchen mit den meisten Insolvenzen

Am häufigsten waren Firmeninsolvenzen 2025 weiterhin im Handel zu verzeichnen, wo 1.030 Verfahren eröffnet wurden. Es folgten das Baugewerbe mit 932 Insolvenzen sowie die Gastronomie mit 709 Fällen. Auch bei den betroffenen Dienstnehmer:innen lag der Handel mit 2.903 Beschäftigten an erster Stelle, vor der Gastronomie (2.615) und dem Bau (2.545). Die höchsten Passiva entfielen erneut auf die Branche "Grundstücks- und Wohnungswesen" mit 3,98 Milliarden Euro, gefolgt von den "Finanz- und Versicherungsdienstleistungen" mit 3,12 Milliarden Euro.

Vorsichtiger Ausblick auf 2026

Für das Jahr 2026 rechnet der AKV mit nur langsam sinkenden Insolvenzzahlen. Zwar deuteten Wirtschaftsprognosen auf eine langsame Erholung hin, diese werde sich jedoch mit einer Verzögerung von sechs bis neun Monaten im Insolvenzgeschehen niederschlagen. Erwartet werde daher, dass sich die Gesamtzahl der Firmeninsolvenzen, einschließlich der Abweisungen, auf knapp unter 7.000 Verfahren reduzieren könnte.

www.akv.at

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