Neues Jahr, neuer Spielplan. So auch bei den Festspielen Reichenau, die seit 2021 unter der künstlerischen Leitung der Burgschauspielerin Maria Happel stehen. Die Festspiele zählen zu den führenden Sprechtheaterfestivals im deutschsprachigen Raum und finden seit 1988 jeden Sommer im Kurort Reichenau an der Rax im Süden von Niederösterreich statt. Einmal im Jahr öffnet das Theater seine Tore für sechs Eigenproduktionen, die von renommierten Regieteams und hochkarätigen Ensembles exklusiv für Reichenau entwickelt werden. Somit stehen rund 130 Vorstellungen pro Saison auf dem Spielplan.
100 Jahre Theater Reichenau
Das heurige Jahr ist für die Festspiele ein Besonderes, denn es steht ganz im Zeichen des Jubiläums "100 Jahre Theater Reichenau". Dem zum Anlass bat die Intendantin Happel ins Palais Niederösterreich und gab dort einen Ausblick auf das diesjährige Programm, das von 1. Juli bis 2. August den Blick auf "ein Jahrhundert Theatergeschichte in Reichenau" richten wird. Unterstützung bekam sie dabei unter anderem von der Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, die ebenfalls hervorhob, dass 2026 speziell sei. "Wir feiern 100 Jahre Theater Reichenau, und damit 100 Jahre Theatergeschichte in einer der eindrucksvollsten Regionen unseres Landes", so die Landeshauptfrau. Die Festspiele Reichenau seien "in einer einzigartigen Landschaft und mit einem starken historischen und kulturellen Erbe" eines der "wichtigsten Sprechtheaterfestivals in Österreich", zeigte sie sich überzeugt. Die künstlerische Exzellenz wirke "weit über die Bühne hinaus", hieß es mit Blick auf die 37.000 Besucher:innen und 91 Prozent Auslastung im Vorjahr. Lobende Worte fand Mikl-Leitner zudem für Maria Happel, die seit mittlerweile fünf Jahren die Festspiele leitet. Sie habe dieses "mit großer Professionalität, klarer künstlerischer Linie und starkem Bezug zur Region" weiterentwickelt, so die Landeshauptfrau.
Für heuer will man inhaltlich auf gleich zwei klare Schwerpunkte setzen: zum einen die Erinnerungskultur, um "Geschichte sichtbar zu machen", und "das historische Bewusstsein zu stärken" und zum anderen "Kinder und Familien", etwa durch verstärkte Zusammenarbeit mit Schulen. "Wer Kinder für Kultur begeistert, stärkt unsere Identität und sichert unser kulturelles Erbe für kommende Generationen", meinte Mikl-Leitner. Das sei auch "ein Beitrag zur besten Zukunft für unsere Kinder", hielt sie fest.
Geschichte in die Gegenwart holen
Für Happel bieten die in die Natur- und Kulturlandschaft der Region eingebetteten Spielorte sowie das Jubiläum selbst ideale Voraussetzungen für einen außergewöhnlichen Theatersommer. "Mit dem Programm 2026 sagen wir bewusst: Wir machen auf. Einmal im Jahr öffnet sich der Vorhang des Theaters Reichenau für außergewöhnliches, hochqualitatives Theater, das aus der Geschichte dieses Hauses und der Region heraus in die Gegenwart spricht", so die Intendantin. "Dieses Jubiläum ist für uns Einladung und Verpflichtung zugleich – das Theater als offenen Raum für große Stoffe, starke Ensembles und eine lebendige Auseinandersetzung mit dem Heute zu begreifen."
Der programmatische Schwerpunkt liegt auf österreichischen Autor:innen der Jahrhundertwende, weswegen das Programm einen Rückblick, der in besonderer Weise mit der Geschichte und den erzählten Geschichten der Region verbunden ist, gestattet. Die Produktionen entstehen in Zusammenarbeit mit einem Regieteam und einem Ensemble, dessen Mischung aus renommierten Publikumslieblingen und Nachwuchskräften zu einem Markenzeichen der Festspiele geworden sei, heißt es.
Ausblick auf das Programm
Den Auftakt bildet Johann Strauß' "Die Fledermaus", mit der das Theater Reichenau am 1. August 1928 eröffnet wurde. Die Regie der Neuinszenierung verantworten dabei Nils Strunk und Lukas Schrenk, die unter anderem "Die Zauberflöte - The Opera but not the Opera" (LEADERSNET berichtete), "Killing Carmen" (LEADERSNET berichtete) und "Gullivers Reisen" (LEADERSNET berichtete) auf die Bühne brachten. Beide heben das Stück, das getragen wird von einem gesangsstarken Ensemble, an dem unter anderem mit Harriet Jones, Anton Zetterholm, Jakob Semotan, Julia Edtmeier und Sebastian Wendelin mitwirken, in die wilden 20er-Jahre.
Als zweite Premiere folgt Arthur Schnitzlers "Reigen", das von Alexandra Henkel und Dietmar König inszeniert wird und gesellschaftliche Fragen thematisiert. Zu sehen sind unter anderem Therese Affolter, Daniel Jesch, Stefan Jürgens, Lukas Watzl und Stefanie Dvorak.
Im Südbahnhotel Semmering steht dafür Leo Tolstois "Krieg und Frieden" auf dem Spielplan – in der Regie von Philipp Hauß und in einer Dramatisierung von Nicolaus Hagg. Getragen wird das Stück unter anderem von Martin Schwab, Johanna Arrouas, Tim Werths und Johanna Mahaffy.
Ebenfalls Teil des Programms 2026 ist Joseph Roths "Die Legende vom heiligen Trinker". Die Erzählung über Gnade, Neubeginn, Zufall und menschliche Würde wird von Alexandra Liedtke im Großen Saal im Theater Reichenau inszeniert. Auf der Bühne stehen dabei Joseph Lorenz, David Oberkogler, Gioia Osthoff und Oliver Urbanski.
Und zu guter Letzt folgt als letzte Premiere der ersten Spielwoche Stefan Zweigs "Vierundzwanzig Stunden aus dem Leben einer Frau", in einer Dramatisierung von Thomas Kahry und in der Regie von Gordon Greenberg. Bei diesem Kammerspiel über Leidenschaft, Obsession und die Macht des Moments zu sehen sind Nils Arztmann, Alex Kapl, Sona MacDonald und Julia Stemberger.
Weitere Produktionen
Obendrein wurde für das junge Theaterpublikum und die Arenabühne des Neuen Spielraums, der erstmals als Spielstätte für junges Publikum im Theater Reichenau dient, von Johanna Arrouas "Der kleine Prinz" von Antoine de Saint-Exupéry entwickelt. Und die szenische Lesung "Die letzten Tage", vorgetragen von Martin Prinz, erinnert an die dramatischen Wochen des Kriegsendes in der Region.
Als weitere Höhepunkte zählen Michael Niavarani mit einer Nestroy-Lesung sowie eine Thomas Bernhard-Lesung mit Nicholas Ofczarek, Tamara Metelka und Nikolai Tunkowitsch.
Offizieller Start in die Saison
Den offiziellen Start in die neue Festspiele-Saison markiert das Eröffnungsfest am 4. Juli im Kurpark Reichenau. Stückeinführungen sowie Nach(t)gespräche sollen während der gesamten Saison vertiefende Einblicke in die Produktionen bieten.
Einen starken Schwerpunkt lege man dabei erneut auf die regionale Verankerung und Kulturvermittlung. Und auch die Zusammenarbeit mit Schulen der Region wurde weiter ausgebaut. Sie umfasst vorbereitende Workshops, Probenbesuche sowie begleitende Vermittlungsangebote.
Einen Eindruck von der Programmpräsentation können Sie sich zudem mittels Galerie verschaffen.
www.festspiele-reichenau.at
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