LEADERSNET: Sehr geehrter Herr Ungersböck, die Austrian Leading Companies (ALC) Auszeichnung, die Ihr Unternehmen im Vorjahr bekommen hat, ist eine besondere Anerkennung. Welche Bedeutung hat dieser Award speziell für die Positionierung der Sick GmbH als führender Anbieter von Sensorik, Automatisierungslösungen und Industrie-4.0-Technologien in Österreich?
Christoph Ungersböck: Wir sehen die Auszeichnung nicht als Branchenvergleich. Hier ging es um die Industrie in Österreich. Und die braucht dringend positive Impulse. Da auf der Bühne zu stehen und österreichweit als eine der Top 3 Leading Companies in der Kategorie "Großbetriebe" zu punkten, ist uns eine große Ehre. Möglich gemacht hat das gesamte Sick Team Österreich – jede und jeder Einzelne hat dazu beigetragen. Dafür möchte ich mich herzlich bedanken!
LEADERSNET: Welche konkreten Projekte oder Innovationen aus den Bereichen intelligente Sensorik, Safety-Lösungen oder Logistikautomatisierung haben Ihrer Ansicht nach am stärksten zur Platzierung unter Österreichs führenden Unternehmen beigetragen?
Ungersböck: Auf den Mix kommt es an. Jeder Branche hat ihrer Themen und Herausforderungen. Wir hören zu und lernen – daraus werden Innovationen. Unsere Forschung und Entwicklung passiert nahe am Kunden und das quer durch alle Industriebereiche. So bleiben wir am Puls und stellen sicher, die richtigen Lösungen parat zu haben, wenn sie gebraucht werden – heute für morgen.
LEADERSNET: Die Sensorik entwickelt sich rasant weiter – Stichworte KI-basierte Auswertung, Edge-Computing, 3D-Vision oder Cloud-Anbindung. Welche dieser technologischen Trends beeinflussen die Entwicklung der Sick-Produkte derzeit nachhaltig?
Ungersböck: Eines bedingt das andere. Die KI in der Cloud braucht Informationen aus der operativen Ebene. Umgekehrt werden die Sensoren im Feld immer intelligenter – Stichwort Edge-Computing. Kommunikation verbindet alles, denn Durchgängigkeit ist das Erfolgsrezept. Nur dann verschmelzen verschiedenste Technologien zur optimalen Gesamtlösung.
LEADERSNET: Kundenspezifische Lösungen – z. B. maßgeschneiderte Applikationen für Fördertechnik, Robotik oder Messtechnik – sind ein zentraler Teil Ihres Portfolios. Wie gelingt es Ihnen, komplexe Kundenanforderungen über Sensor-Intelligenz, Software-Add-ons und Systemintegration optimal abzubilden?
Ungersböck: Hardware wird immer universeller – das gilt auch für die Sensorik. Gleichzeitig muss sie aber kompakt, leicht und flexibel einsetzbar sein. Software rückt daher immer mehr in den Fokus. Ausgesuchte Features werden der Hardware oft erst projektspezifisch über die Software zugewiesen. Modularität und ein lösungsorientierter "Baukasten" sind da unabdingbar – das gilt ganz besonders für die Software. So lassen sich heute wirtschaftlich sinnvoll Lösungen realisieren, die vor ein paar Jahren noch unvorstellbar gewesen wären. Das ist die Stärke von Digitalisierung.
LEADERSNET: Sick bietet eine große Bandbreite an Safety-Lösungen – vom Laserscanner bis hin zu kompletten Absicherungssystemen. Wie stellen Sie sicher, dass Ihre sicherheitsrelevanten Produkte und Software-Tools auch künftig internationalen Benchmark-Standards entsprechen?
Ungersböck: Wir treiben Innovationen. Dazu gehört es, sich zu vernetzen, gemeinsam zu forschen, Benchmarks und Standards zu setzen. Unsere Experten sind international in den entsprechenden Gremien vertreten. Dieses Engagement ist wichtig, denn Maschinensicherheit ist nicht nur ein rechtliches Thema, sondern vor allem auch ein technologisches. Und da haben wir viel beizutragen.
LEADERSNET: Mit Technologien wie RFID, LiDAR oder 2D/3D-Vision deckt Ihr Unternehmen viele Industrien ab. Worin liegen die besonderen Stärken und was unterscheidet Sick vom globalen Wettbewerb?
Ungersböck: Als weltweiter Lösungspartner für Sensorik befinden wir uns selbstverständlich in einem globalen Wettbewerb. Dabei geht es vor allem um das Teamwork mit den Kunden. Die richtige Sensorlösung ist heute oft erfolgsentscheidend, das große Ganze – Stichwort Digitalisierung. Dafür muss man querdenken, braucht ein unglaublich breites Produktportfolio und einen branchenspezifischen Erfahrungsschatz. So finden wir gemeinsam Lösungen, an die kundeseitig oft nach gar nicht gedacht wurde. So verschafft man sich zusammen einen Vorsprung. Wir hören immer wieder, wie wichtig diese Partnerschaft für unsere Kunden ist.
LEADERSNET: Industrie 4.0 und intelligente Datenverwertung werden zunehmend entscheidend. Welche Rolle spielen Cloud-basierte Services, in der langfristigen Innovationsstrategie Ihres Unternehmens?
Ungersböck: Ob lokal oder in der Cloud – professionelle Datenverarbeitung ist bei den meisten Anwendungen entscheidend. Sie liefert echten Mehrwert, reduziert die Komplexität und verschafft dadurch Ein- bzw. Durchblick. "Predictive Maintenance", Höchstleistungen in puncto Taktraten und ausgelagerte "Analytics-Lösungen" sind anschauliche Beispiele dafür. Dabei ist nichts in Stein gemeißelt. Während Maschinen früher idealerweise viele Jahre unverändert ihren Dienst verrichteten, geht es heute um Flexibilität und kontinuierliche Optimierung. Cloudbasierte Lösungen sind da ein klarer Pluspunkt, denn sie können einfach upgedatet werden und verschlanken die Infrastruktur vor Ort.
LEADERSNET: Welche übergeordneten Ziele verfolgt Sick in Österreich – beispielsweise im Ausbau der Kompetenzzentren, bei der Entwicklung nachhaltiger Sensortechnologien oder im stärkeren Fokus auf Digitalisierung – und wie beabsichtigen Sie auf dieser Basis Ihre Marktposition weiter auszubauen?
Ungersböck: Wir setzen auf internationale Vernetzung und Kompetenzbereiche mit einem klaren Fokus. In Österreich sind das etwa die Qualitätskontrolle mit Vison-Systemen oder Safety, also Maschinensicherheit. Themen, bei denen Sick Kolleginnen und Kollegen aus ganz Europa gerne auf unsere Expertise zurückkommen. Umgekehrt verlassen wir uns auf ihr Expertenwissen in anderen Bereichen. Gemeinsam sind wir erfolgreich – national und international.
www.sick.com
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