„Der Einsatz von Videokonferenzen könnte jährlich 22 Millionen Tonnen CO2 einsparen"

Katzer, Geschäftsführer T-Systems, im Interview über Datability, Öko-Meetings und warum IT schnell, leicht verständlich und immer einsetzbar sein muss.   

Mit einer weltumspannenden Infrastruktur aus Rechenzentren und Netzen betreibt T-Systems die Informations- und Kommunikationstechnik (engl. kurz ICT) für multinationale Konzerne und öffentliche Institutionen. Auf dieser Basis bietet die Großkundensparte der Deutschen Telekom integrierte Lösungen für die vernetzte Zukunft von Wirtschaft und Gesellschaft.Im Geschäftsjahr 2013 erzielte die Großkundensparte einen Umsatz von rund 9,5 Milliarden Euro. leadersnet.at hat Martin Katzer, Geschäftsführer T-Systems in Österreich, zum Gespräch getroffen und über Green ICT, was es mit "Zero Distance" auf sich hat und  warum der Weg zum allgegenwärtigen Internet der Dinge, das uns privat und im Unternehmen überall begleitet, noch weit ist geplaudert.

leadersnet.at: T-Systems ist bestrebt, den unter wechselnden Marktverhältnissen agierenden Unternehmen die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Welche Tools aus ihrem Angebot sind für die Effizienz der Marktteilnehmer besonders wirksam?

Katzer: Das Zauberwort heißt Digitalisierung: Denn digital aufgestellte Unternehmen erzielen laut dem Massachusetts Institute of Technology mehr Umsatz, sind profitabler und haben einen höheren Unternehmenswert. Nur wer sich durchgängig digitalisiert und seine IT transformiert, wird sich im Markt langfristig behaupten oder verschwindet.

Um im harten Wettbewerb zu bestehen, müssen Unternehmen mehr Nähe zu Menschen herstellen. Mit ihren Marken Kunden individueller und direkter ansprechen. Vorhandene Informationen für bessere und schnellere Entscheidungen nutzen. Und diese neue Nähe muss radikal sein – wir nennen das Zero Distance. Denn der Anspruch der Kunden hat sich deutlich verändert. IT-Vordenker Land beschreibt die neuen Kundenbedürfnisse mit den Worten „ich, immer, überall und sofort“. Und das möglichst transparent.

leadersnet.at: Verändert sich auch der Anspruch der Mitarbeiter?

Katzer: Ja, sogar radikal: Weltweit nutzt heute fast die Hälfte der MitarbeiterInnen Online-Zusammenarbeit, Social Networks, Instant Messaging oder Tools aus dem Netz. Sie kaufen diese Tools entweder an der IT vorbei oder laden diese kostenlos runter. Sie erwarten die Einfachheit ihrer Consumer-Anwendungen selbstverständlich auch am Arbeitsplatz – unabhängig von ihrem Alter oder ihrer Funktion. Diese Mitarbeiter-Generation ist ein wesentlicher Grund, weshalb es für CIOs mehr denn je darum gehen wird, eine IT zur Verfügung zu stellen, die schnell, leicht verständlich und immer einsetzbar ist.

leadersnet.at: Wie können sich Unternehmen demzufolge ausrichten?

Katzer: Die Frage die sich Unternehmen auf diesem Weg stellen müssen, lautet: Wie steht es um die dafür nötige Cloud-Fähigkeit meiner Unternehmens-IT? Welche Architekturen sichern die Agilität, die es braucht, um Mitarbeiter mobile Anwendungen bereitzustellen und ihre weltweite Zusammenarbeit zu unterstützen? Und wie schnell lassen sich gewachsene Infrastrukturen neuen, veränderten Geschäftsmodellen anpassen? Diese Beantwortung dieser Fragen muss einer oft völlig neuen strategischen Ausrichtung des Unternehmens folgen, damit CIOs die Transformation ihrer IT in die Welt von Cloud, Big Data, Mobilität und Collaboration gelingt. T-Systems unterstützt sie dabei.

leadersnet.at: Auch das Verhältnis zum Kunden hat sich in den vergangenen Jahren durch die Möglichkeiten die Social Media und das Internet bieten völlig verändert. Wie kann man darauf reagieren?

Katzer: Entschieden Unternehmen früher selbst, welche Informationen sie herausgeben wollten, erzeugt das Internet heute eine radikale Transparenz. Kunden suchen online nach Informationen, vergleichen, kaufen ein und tauschen sich auf diversen Plattformen aus. Dieser Grad der Transparenz und Verfügbarkeit von Produkten ist beispiellos. Die Verbindung zwischen Kunden und Unternehmen wird immer schneller und direkter. Suchen Unternehmen in diesem Umfeld die Nähe zum Kunden, reicht eine evolutionäre Entwicklung der IT aber nicht aus. Um im geforderten Tempo auf Markttrends reagieren zu können, müssen sich die Informations- und Kommunikationstechnologien zu Schlüsseltechnologien und Enabler wandeln. Dazu zählen fast alle Analystenhäuser die disruptiven Technologien, die auch T-Systems anbietet: Cloud Computing, Big Data, Mobility, Collaboration sowie das übergreifende Thema Sicherheit.

leadersnet.at: Lösungen im Bereich der IT und Telekommunikation haben maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung der modernen Gesellschaft. Sind hier die Aktivitäten durch Leitbilder bestimmt?

Katzer: In der Tat erzeugen viele dieser technologischen Veränderungen einen neuen Bedarf an begleitenden Aktivitäten. Die neuen Leitbilder sind sicherlich im Bereich von Sicherheit und Flexibilität zu sehen. All die auf der Hand liegenden Vorteile von Cloud, Mobility & innovativen Collaborations Lösungen bedürfen ein durchgängiges und somit lückenloses Konzept für ICT Sicherheit. Die Bedrohungsszenarien durch Cybercrime sind mittlerweile auch in der breiten Öffentlichkeit präsent. Nur ein beherrschbares Sicherheits-Risiko ist die Basis für den langfristigen erfolgreichen Einsatz von technologischen Innovationen. Somit steht bei jedem Einsatz von „cloud“-basierten Services und mobilen Lösungsszenarien unserer Kunden das Thema Datensicherheit an oberster Stellen. Auch die organisatorischen Rahmenbedingungen müssen in Richtung der „New world of work“ angepasst werden. Neue Technologien bedürfen einer soliden Implementierung in vorhandene Organisationsstrukturen. Dies ist unumgänglich, um auch die Akzeptanz der Mitarbeiter zu bekommen und die erwarteten Effizienzpotenziale zu heben.

leadersnet.at: Mit der exorbitanten Ausweitung des IT Sektors gerät dieser nun selbst als großer Energiekonsument in den Fokus. Wie kann man gegensteuern? Ist Green IT ein tauglicher Ansatz?

Katzer: Green ICT wirkt. In Deutschland nehmen laut A.T. Kearney die durch Unternehmens-ICT verursachten CO2-Emissionen ohne Gegenmaßnahmen bis 2020 um 60 Prozent zu.  Wie groß das Potenzial von Green ICT ist, zeigt eine Studie von Aberdeen Research: Um 20 Prozent konnten die besten unter den 100 untersuchten Firmen durch grüne Informationstechnik ihre Energiekosten senken. Gleichzeitig verringerten sich die Aufwendungen für Logistik und Transport um acht Prozent, die Werbekosten um fünf Prozent.

Auch Umweltschutzorganisationen entdecken die Welt der Informationstechnik. Greenpeace etwa untersucht in Rankings die Nachhaltigkeit der Produkte aller großen IT-Hersteller. Der WWF überprüft ebenfalls – gemeinsam mit den Marktforschern von Gartner –, wie umweltfreundlich die Angebote von ICT-Dienstleistern sind.

leadersnet.at: Stichwort "Öko-Meetings"?

Katzer: Der Einsatz von Videokonferenzen könnte allein in Europa jährlich 22 Millionen Tonnen CO2 einsparen – dazu müssten nur rund 20 Prozent aller Geschäftsreisen durch Treffen am Rechner ersetzt werden.
Zu den Vorreitern bei den Null-Emissions-Meetings zählt der Bonner Mobilfunkanbieter T-Mobile. Mehrere zehntausend Besprechungen fanden bereits am Rechner statt – unterstützt durch die von T-Systems und Vidsoft entwickelte Lösung Desktop Video Conferences (DTVC). So hat T-Mobile seinen CO2-Ausstoß allein zwischen 2004 und 2007 um mehr als 7000 Tonnen gesenkt. Dies entspricht etwa dem Volumen von 3500 Olympiaschwimmbecken. Einsparungen bei Reisekosten sorgten dafür, dass sich die Investition binnen vier Monaten amortisiert hat.

leadersnet.at: Hat auch Social Business im breitgefächerten Angebot eine wichtige Position?

Katzer: Seit 1996 informiert die Telekom im Rahmen der Corporate-Responsibility (CR)-Berichterstattung die interessierte Öffentlichkeit über ihre Ziele, entsprechende Aktivitäten und erreichte Fortschritte in ökonomischen, ökologischen und gesellschaftlichen Bereichen. Den Titel „Wir leben Verantwortung.“ verwenden wir zum fünften Mal in Folge, da er Ausdruck für ein dauerhaftes Bekenntnis zu CR bei der Telekom ist.

leadersnet.at: Riesige Datenmengen werden oft schon als Hindernisse für rasche Entscheidungen gesehen? Kann "datability" hier mehr Klarheit bringen?

Katzer: Das Kunstwort „datability“ meint zum einen die Fähigkeit, riesige Datenmengen aus unterschiedlichen Quellen und in hoher Geschwindigkeit nutzen zu können. Zum anderen zielen die Wortschöpfer aber auch auf Verantwortung (responsibility) und Nachhaltigkeit (sustainibility) im Umgang mit unerschöpflich sprudelnden Datenquellen.

Intelligente Kühlschränke, smarte Energielieferanten und -verbraucher, Roboter in Produktionsstraßen – schon heute sind weltweit 4,8 Milliarden Maschinen und Geräte miteinander vernetzt. In sechs Jahren werden es nach einer Prognose der US-Marktforscher Gartner schon 30 Milliarden Geräte sein. Die sich gegenseitig Informationen schicken, mit Werkstücken kommunizieren und dabei ständig Daten produzieren, auf die sie wiederum selbständig reagieren und die geschützt werden müssen. „Industrie 4.0, das Zusammenwachsen von realer und virtueller Welt zu Cyber-Physischen Systemen (CPS) wird zu einem Facebook der Maschinen“, nannte das ein Gesprächspartner neulich. Schon sagen Internet-Verhaltensforscher voraus, im privaten Umfeld jedes Einzelnen von uns werde die Angst vor Big Data sehr bald auf ein gesundes Maß der Skepsis reduziert. Und zugleich zur Gewohnheit führen, dass jeder Verbraucher die Selbstbestimmung seiner Daten nicht völlig gedankenlos aus der Hand gibt. Im Ergebnis werde die verbleibende Möglichkeit der „Überwachung nur noch als Koinzidenz“ hingenommen.

leadersnet.at: Macht die Vernetzung Systeme über das Internet angreifbar?

Katzer: Wenn die Vernetzung der Produktion ebenso freiwillig Know-how, Expertise und Prozessdaten von Unternehmen bereitstellt, wie es soziale Medien mit unseren persönlichen Daten tun, brauchen sich Unternehmen über Patente, Knowledge-Protection und Wissensvorsprünge keine Gedanken mehr zu machen. Richtig ist: Die stärkere Vernetzung macht die Systeme über das Internet angreifbar. Zwar wird der Trend zur vernetzten Fabrik und Fertigung unter dem Begriff „Smart Industries“ weltweit vorangetrieben.  Der Weg zum allgegenwärtigen Internet der Dinge, das uns privat und im Unternehmen überall begleitet, ist noch weit. Aber im Bereich Sicherheit sind  wir in Deutschland aber auch in Europa mit unseren Rechenzentren, den Netz- und Security-Technologien seiner IT-Provider und einem beispiellos strengen Datenschutzgesetz bereits heute ein starker Partner.

www.t-systems.at

Martin Katzer

Ing. Martin Katzer ist seit über 20 Jahren in der IT- und Telekommunikationsbranche tätig. Er begann seine Berufslaufbahn 1987 bei Siemens AG Österreich, 2001 wechselte er als Geschäftsführer zu master-talk Austria Telekom Service GmbH. Weitere Stationen waren die Siemens Business Services GmbH & Co sowie Raiffeisen Informatik Consulting. 2007 übernahm er bei T-Systems in Österreich die Rolle des Bereichsleiters für Public & Transportation. Seit 1. März 2012 ist Martin Katzer Vorsitzender der Geschäftsführung und Managing Director bei T-Systems in Österreich.

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