Bahnbetreiber aus Wien startet
ÖBB und Westbahn bekommen einen neuen Konkurrenten

| Redaktion 
| 18.05.2026

Der österreichische Bahnmarkt bekommt weiteren Wettbewerb. Ein neuer Anbieter kündigt seinen Einstieg an. Das Wiener Unternehmen rund um Ex-ÖBB-Lokführer Patrick Kröll plant direkte Schnellzugverbindungen zwischen Wien und Bad Aussee.

Österreich zählt europaweit weiterhin zu den Ländern mit besonders hoher Bahn-Nutzung. Neben umfangreichen Ausbauprojekten der ÖBB und mittlerweile rund 320.000 Klimaticket-Besitzer:innen sorgen auch private Anbieter zunehmend für Bewegung am Markt. Während die ÖBB trotz schwieriger Rahmenbedingungen weiter auf Investitionen und den Ausbau des Streckennetzes setzen (LEADERSNET berichtete), wächst damit auch der Wettbewerb auf der Schiene weiter. Nach Westbahn und RegioJet kündigt nun mit Silverstar Railways ein weiteres Unternehmen seinen Einstieg in den Personenverkehr an.

Ex-ÖBB-Lokführer verfolgt Kindheitstraum

Hinter Silverstar Railways steht der frühere ÖBB-Lokführer Patrick Kröll. Das Unternehmen wurde 2024 gegründet und beschäftigt aktuell zehn Mitarbeiter:innen. Acht davon sind Lokführer, die derzeit vor allem im Güterverkehr eingesetzt werden. Zudem verfügt das Unternehmen bereits über zwei geleaste Siemens-Lokomotiven, die aktuell unter anderem für Gütertransporte und touristische Charterfahrten genutzt werden.

Der nächste Schritt ist nun die Zertifizierung als eigenständiges Eisenbahnunternehmen. Laut Medienberichten arbeitet Silverstar derzeit an der erforderlichen Sicherheitsbescheinigung der Europäischen Eisenbahnagentur.

Direkte Schnellzüge nach Bad Aussee geplant

Wie im Ö1-Morgenjournal bekannt wurde, soll die erste planmäßige Strecke von Silverstar Railways künftig Wien und Bad Aussee verbinden. Vorgesehen sind direkte Schnellzugverbindungen ohne Umstieg. Bislang ist für die Strecke ein Intercity der ÖBB sowie ein Umstieg in Attnang-Puchheim notwendig. Vor allem für Tourist:innen und Tagesausflügler:innen könnte die neue Direktverbindung daher attraktiver werden.

Weitere Verbindungen Richtung Süden denkbar

Neben der Strecke ins Salzkammergut prüft das Unternehmen laut Patrick Kröll derzeit sechs bis sieben weitere Optionen. Besonders interessant seien internationale Verbindungen Richtung Süden. Kröll erklärte im Ö1-Morgenjournal, dass Verbindungen zwischen Österreich und Italien ebenso geprüft würden wie mögliche Korridore nach Slowenien oder Kroatien.

Experten erwarten stärkeren Wettbewerb

Der Eisenbahn-Experte Josef Doppelbauer sieht im Einstieg zusätzlicher Anbieter Vorteile für Fahrgäste. Mehr Betreiber würden für ein größeres Angebot und mehr Verbindungen sorgen. Gleichzeitig könnten die Ticketpreise sinken. Als Beispiel verweist Doppelbauer auf Tschechien, wo die Preise durch den Wettbewerb um bis zu 50 Prozent zurückgegangen seien.

Herausforderungen für Infrastruktur und Ticketsysteme

Gleichzeitig verweist Doppelbauer auch auf mögliche Herausforderungen. Mehr kürzere Züge würden das Bahnnetz stärker belasten als wenige lange Garnituren. Deshalb müsse der Ausbau der Infrastruktur weiter vorangetrieben werden, um Engpässe auf der Schiene zu vermeiden.

Zudem könnte die steigende Zahl an Anbietern auch für Fahrgäste komplizierter werden. Derzeit verfügt jeder Betreiber über eigene Ticketsysteme, wodurch laut Doppelbauer ein "Tarif-Dschungel" entstehen könnte.

www.silverstar-railways.at

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