Die Werbe- und Medienbranche befindet sich seit Jahren im Umbruch. Globale Plattformen, digitale Technologien und neue Formen der Erfolgsmessung verändern nicht nur, wo Kampagnen ausgespielt werden, sondern auch, wie Unternehmen den Wert von Media beurteilen. Was diese Entwicklungen für Mediaagenturen bedeuten, erläuterte Andreas Vretscha, CEO von WPP Media Switzerland & Austria, kürzlich im LEADERSNET.tv-Interview. Die Mediaagenturgruppe ist Teil des international tätigen WPP-Konzerns und bündelt unter ihrem Dach unter anderem Agenturmarken wie Mindshare, EssenceMediacom und Wavemaker. Im Gespräch mit Moderatorin Jacqueline Knollmayr stand Vretscha zu Themen wie Marktveränderungen, Künstliche Intelligenz und der Zukunft der Branche Rede und Antwort.
Media wird stärker zum Investment
Die Mediaagenturbranche sei laut Vretscha seit jeher von Veränderung geprägt. Gerade das mache für ihn den Reiz des Geschäfts aus. "Ich finde, dass es ein großes Privileg ist, in dieser Branche zu arbeiten, weil sich ständig etwas verändert", so der WPP-Media-Chef im Gespräch. Veränderungen seien dabei kein neues Phänomen, sondern Teil des Geschäftsmodells: "Es gibt jedes Jahr neue Herausforderungen und neue Entwicklungen. Das ist das Faszinierende an diesem Business."
Eine der derzeit zentralen Diskussionen sieht Vretscha im Spannungsfeld zwischen lokalen Medienmärkten und globalen Plattformen. Globale Player hätten durch ihre internationale Skalierbarkeit andere Möglichkeiten und Effizienzhebel, während lokale Medien im jeweiligen Markt weiterhin eine wichtige Rolle in der Wertschöpfungskette spielen würden. Für WPP Media rücke dabei vor allem die Wirkung von Media stärker in den Vordergrund. "Ich denke, dass Media tatsächlich immer mehr als Investment von Marken in ihren Business-Erfolg gesehen wird", sagt Vretscha.
KI soll Prozesse beschleunigen und Kreativität stärken
Eng verbunden mit dieser stärkeren Ausrichtung auf Wirkung und Geschäftserfolg ist für Vretscha der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI). Er sieht darin weniger eine Bedrohung als vielmehr eine Chance. "Ich bin ein großer Fan von KI. Das ist eine Technologie, die viele neue Möglichkeiten eröffnet", betont er. Wichtig sei jedoch, mit Vernunft und Optimismus an das Thema heranzugehen, und zwar unabhängig von der jeweiligen Branche, denn: "Ich glaube, aktuell gibt es keine Branche, die nicht in irgendeiner Form von KI disruptiert wird", so der CEO.
Bei WPP Media soll KI unter anderem über die Plattform "WPP Open" zum Einsatz kommen. Diese ermögliche es laut Vretscha, unterschiedliche Schritte im Kommunikationsprozess stärker miteinander zu verbinden – von Strategie und Kreation über Mediaplanung und Aktivierung bis hin zur Messung. Damit könne man "wirklich in einem Ökosystem arbeiten", wodurch Analysen, kreative Prozesse und Kundengespräche schneller und präziser ablaufen könnten: "Man kommt einfach schneller auf den Punkt", so Vretscha.
Dass KI die Kreativität in der Branche verdrängen könnte, sieht Vretscha nicht. Im Gegenteil: Aus seiner Sicht kann die Technologie kreative Arbeit sogar unterstützen. "Die KI nimmt uns die Kreativität nicht weg. Wahrscheinlich macht sie die Kreativität sogar stärker", meint er. Auch Arbeitsplätze sieht er dadurch nicht grundsätzlich gefährdet. Vielmehr würden monotone Tätigkeiten zunehmend automatisiert, wodurch Mitarbeitende mehr Zeit für jene Aspekte ihrer Arbeit hätten, die stärker auf Beratung, Strategie und Kreativität ausgerichtet sind und Spaß machen. "Ich sehe da keine Gefahr für Arbeitsplätze", ist Vretscha überzeugt.
Zukunft der Branche wird messbarer
Mit Blick auf die kommenden Jahre erwartet Vretscha, dass sich die Bewertung von Media weiter in Richtung konkreter Wirkung verschieben wird. Reichweite und eingesetztes Budget allein würden künftig weniger im Mittelpunkt stehen als der tatsächliche Beitrag zum Geschäftserfolg. "Es wird in Zukunft vollkommen irrelevant sein, wie viel Geld ich irgendwo einsetze und wie viel Reichweite ich habe. Entscheidend wird vielmehr sein: Was hat das meinen Kund:innen gebracht?"
Was Andreas Vretscha über den Einsatz von KI in der Mediaarbeit, den Austausch mit internationalen Märkten, neue Anforderungen an Mitarbeitende und die künftige Messbarkeit von Media sonst noch sagt, sehen Sie im LEADERSNET.tv-Interview und hören Sie im Podcast.
www.wppmedia.com
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