Fotos und Video vom Rohstoffsymposium 2026
Rohstoffbranche pocht auf regionale Versorgung und kurze Transportwege

Beim Rohstoffsymposium 2026 diskutierten Vertreter:innen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Umweltorganisationen über nachhaltiges Bauen und sichere Rohstoffversorgung. LEADERSNET.tv fragte Verantwortliche und Teilnehmer:innen, wie sich der steigende Rohstoffbedarf mit Recycling und Nachhaltigkeit vereinbaren lässt.

Mehr als 140 Gäste aus Politik, Wissenschaft, Industrie und Umweltorganisationen kamen beim Rohstoffsymposium 2026 des Forums mineralische Rohstoffe in Wien zusammen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich Recycling, nachhaltiges Bauen und die langfristige Versorgung mit mineralischen Rohstoffen künftig vereinbaren lassen. Der Grundtenor der Veranstaltung war eindeutig: Wiederverwertung allein wird den Bedarf der Bauwirtschaft nicht decken können.

Branche verweist auf Versorgungssicherheit

Bereits zu Beginn der Veranstaltung machten Forum-Rohstoffe-Geschäftsführerin Petra Gradischnig und Vorstandsvorsitzender Johann Eder deutlich, dass nachhaltiges Wirtschaften und Primärrohstoffgewinnung aus Sicht der Branche nicht als Gegensätze verstanden werden dürften. Vielmehr brauche es beides, um Versorgungssicherheit und regionale Wertschöpfung langfristig zu gewährleisten.

"Kreislaufwirtschaft beschäftigt die Unternehmen der Bau- und Rohstoffindustrie bereits seit Jahrzehnten. Neben der Primärrohstoffgewinnung spielt Recycling eine zentrale Rolle. Es gibt heute kaum noch ein Unternehmen, das kein Recycling betreibt. Primärrohstoffgewinnung und Kreislaufwirtschaft dürfen dabei nicht getrennt gedacht werden. Sie stehen nicht im Widerspruch zueinander, sondern müssen Hand in Hand gehen", sagte Petra Gradischnig gegenüber LEADERSNET.tv.

Recyclingquoten steigen deutlich

Im Zuge des Symposiums wurden aktuelle Zahlen zur Wiederverwertung mineralischer Bauabfälle präsentiert. Demnach werden in Österreich bereits mehr als 80 Prozent der mineralischen Bauabfälle recycelt. Gleichzeitig liege der jährliche Bedarf an mineralischen Rohstoffen bei rund 100 Millionen Tonnen. Aus Recyclingprozessen könnten derzeit jedoch lediglich etwa zehn Millionen Tonnen bereitgestellt werden.

Aus Sicht der Branche zeige diese Entwicklung zwar deutliche Fortschritte bei der Wiederverwertung, gleichzeitig aber auch die Grenzen des Systems auf. "Die Kreislaufwirtschaft ist ein zentrales Thema unserer Branche. Wir sind zwar in erster Linie Primärrohstoffversorger, dennoch gibt es kaum einen Rohstoffbetrieb, der sich nicht intensiv mit Recycling beschäftigt. Unsere mineralischen Rohstoffe bieten dafür ideale Voraussetzungen, weil sie zu 100 Prozent recycelt werden können. Das ist ein großer Vorteil, den wir heute auch aufzeigen wollen", so Johann Eder zu LEADERSNET.tv.

Diskutiert wurde dabei insbesondere die Versorgung mit Sand, Kies und Naturstein. Vertreter:innen der Branche verwiesen darauf, dass heimische Rohstoffgewinnung Transportwege verkürze und die regionale Wertschöpfung stärke.

Politik, Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten mit

Auch aus der Politik gab es Unterstützung für die Veranstaltung. Finanzminister Markus Marterbauer und Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer richteten sich per Videobotschaft an die Teilnehmer:innen des Symposiums. Marterbauer sprach sich dabei für eine "ausgewogene und zukunftsorientierte Rohstoffpolitik" aus, die Versorgungssicherheit und ökologische Verantwortung gleichermaßen berücksichtigen müsse. Hattmannsdorfer betonte wiederum die strategische Bedeutung heimischer Rohstoffe für Energiewende, Digitalisierung und Industrie und sprach sich für schnellere Genehmigungsverfahren aus.

An den Diskussionen beteiligten sich zudem Vertreter:innen aus Wissenschaft, Industrie und Umweltorganisationen. Christian Holzer vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz verwies auf die Bedeutung verlässlicher politischer Rahmenbedingungen für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft. Jakob Lederer von der TU Wien sprach über die praktischen Grenzen des Recyclings und machte deutlich, dass hochwertige Wiederverwertung eine saubere Trennung der Materialien bereits auf den Baustellen voraussetze.

Zu den weiteren Gesprächspartnern des Symposiums zählten Johannes Pressl vom Österreichischen Gemeindebund, Alexandra Strickner von Global 2000 sowie Tristan Tallafuss vom Österreichischen Baustoff-Recycling Verband. Ebenfalls beteiligt waren Manuel Frondel vom RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, Philip Ramprecht von Wopfinger Transportbeton und Lukas Fleisch von Rhomberg Bau.

Im Rahmen der Veranstaltung wurden außerdem erste Ergebnisse einer RWI-Studie zum künftigen Bedarf an Sand, Kies und Naturstein in Österreich vorgestellt.

Kreislaufwirtschaft als Ergänzung

Die Diskussion machte deutlich, dass Recycling in der Bau- und Rohstoffbranche künftig weiter an Bedeutung gewinnen wird. Gleichzeitig herrschte Einigkeit darüber, dass die Wiederverwertung die Gewinnung primärer Rohstoffe nicht vollständig ersetzen könne. Vielmehr brauche es ein Zusammenspiel aus Recycling, regionaler Versorgung und heimischer Rohstoffproduktion.

Interviewpartner:innen

LEADERSNET.tv holte neben Johann Eder (Vorstandsvorsitzender, Forum mineralische Rohstoffe) und Petra Gradischnig (Geschäftsführerin, Forum mineralische Rohstoffe), auch noch Manuel Frondel (RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung), Christian Holzer (Sektionschef, Umweltministerium), Philip Ramprecht (Geschäftsführer, Wopfinger Transportbeton Ges.m.b.H.), Alexandra Strickner (Politische Geschäftsführerin, Global 2000), Tristan Tallafuss (Geschäftsführer, Österreichischer Baustoff-Recycling Verband) und Lukas Fleisch (Geschäftsfeldleiter, Rhomberg Bau Gruppe) vor die Kamera. 

Einen Eindruck vom Rohstoffsymposium können Sie sich hier machen. 

www.forumrohstoffe.at

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