Zwiegespaltene Bilanz 2025
ÖBB-Vorstand setzt trotz schwieriger Rahmenbedingungen auf Zuversicht

| Redaktion 
| 19.04.2026

Das Unternehmen konnte 2025 erneut mehr Fahrgäste befördern und seine Leistungen ausbauen. Gleichzeitig wirkten sich Rezession, hohe Kosten und schwache Nachfrage im Güterverkehr spürbar auf das Ergebnis aus.

Die ÖBB haben im Jahr 2025 insgesamt 559 Millionen Menschen im In- und Ausland mit Bahn und Bus befördert. Das entspricht einem Anstieg von 1,4 Prozent. Das sind die Ergebnisse, die das Unternehmen am Freitag bei einer Pressekonferenz präsentierte (Alle Zahlen finden Sie im Anhang). 

Ergebnis unter Druck durch wirtschaftliches Umfeld

Mit der Fertigstellung der Koralmbahn (LEADERSNET berichtete) wurde ein zentrales Infrastrukturprojekt abgeschlossen. Auf der neuen Strecke sind täglich etwa 7.000 Fahrgäste unterwegs, so die ÖBB. Parallel dazu blieb die CO₂-Einsparung durch die Mobilitätsleistungen konstant: Wie bereits im Jahr zuvor konnten mehr als 4,2 Millionen Tonnen CO₂ vermieden werden. 

"In Anbetracht der schwierigen Wirtschaftslage haben wir uns mit dem Ergebnis 2025 doch wacker geschlagen. Als erfreulich sehe ich den weiter anhaltenden Fahrgastzuwachs. Die neue Südstrecke beflügelt den Fernverkehr. Im Nahverkehr beschert uns unsere deutsche Tochter Arverio einen großen Zustrom an Fahrgästen", sagte ÖBB CEO Andreas Matthä bei der Pressekonferenz. 

Die Gesamterträge des Konzerns stiegen um acht Prozent auf 9.676,1 Millionen Euro. Gleichzeitig erhöhten sich die Gesamtaufwendungen ebenfalls um acht Prozent auf 8.943,5 Millionen Euro. Das operative Ergebnis (EBIT) verbesserte sich um vier Prozent auf 732,7 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Steuern (EBT) lag bei 68,1 Millionen Euro und damit um rund 45,5 Millionen Euro beziehungsweise 40 Prozent unter dem Vorjahreswert von 113,6 Millionen Euro. Ausschlaggebend dafür waren insbesondere die wirtschaftliche Abschwächung sowie eine einmalige Wertberichtigung im Güterverkehr. "Im Konzernergebnis spiegelt sich einerseits der erwähnte Fahrgastzuwachs wider, jedoch ist es auch von der Wirtschaftsflaute und von der einmaligen Wertberichtigung der Rail Cargo Group gekennzeichnet. Insgesamt stehen wir als ÖBB Konzern operativ stabil da und investieren weiterhin konsequent in die Zukunft", ergänzte ÖBB CFO Manuela Waldner.

Personenverkehr mit Rekordwerten

Der Teilkonzern Personenverkehr erreichte 2025 ein neues All-time High bei den Fahrgastzahlen mit 559 Millionen Reisenden (2024: 552 Millionen). Im Nahverkehr wurden 301 Millionen Fahrgäste befördert, was einem Plus von 2,0 Prozent entspricht. Der Fernverkehr verzeichnete 46,7 Millionen Reisende (+1,5 %), während im Busverkehr 211,5 Millionen Fahrgäste gezählt wurden (+0,2 %). Die Umsatzerlöse stiegen infolge der Angebotsausweitung und der gestiegenen Nachfrage um acht Prozent auf 4.093,5 Millionen Euro. Die Gesamterträge erhöhten sich um neun Prozent, während der Gesamtaufwand um fünf Prozent auf 4.024,3 Millionen Euro zunahm.

Das Ergebnis vor Steuern des Personenverkehrs lag bei 227,7 Millionen Euro (2024: 70,0 Millionen Euro). Ein Teil dieses Anstiegs ist auf eine einmalige Gutschrift von Infrastrukturbenutzungsentgelt zurückzuführen, aber auch ohne diesen Effekt ergab sich ein deutlich verbessertes Ergebnis von 102 Millionen Euro, so die ÖBB. Bei der Pünktlichkeit wurde ebenfalls eine Verbesserung erzielt: Laut dem Unternehmen waren 94,1 Prozent der Züge im Personenverkehr 2025 pünktlich (2024: 93,6 %). Im Detail lag die Pünktlichkeit im Fernverkehr bei 81,6 Prozent und im Nahverkehr bei 94,8 Prozent.

Güterverkehr belastet durch Rezession und Sondereffekte

Die industrielle Rezession in Europa wirkte sich deutlich auf den Schienengüterverkehr aus. Die Transportleistung der Rail Cargo Group ging um vier Prozent auf 26,2 Milliarden Nettotonnenkilometer zurück. Trotz eines Umsatzanstiegs von sechs Prozent auf 2.090 Millionen Euro verschlechterte sich das Ergebnis vor Steuern auf -135,5 Millionen Euro (2024: -24,5 Millionen Euro).

Das Ergebnis wurde durch mehrere Faktoren belastet, erklärt der ÖBB-Vorstand: eine einmalige Wertberichtigung, Einbußen im Agrarbereich sowie geänderte Warenströme infolge von Missernten, eine schwache Marktentwicklung und handels- sowie zollpolitische Verwerfungen im Zusammenhang mit der US-Zollpolitik. Allein der Agrarsektor belastete das Ergebnis mit rund 36 Millionen Euro. Zusätzlich wurden Firmenwerte bei Beteiligungen in Ungarn und im Agrarbereich in Höhe von 81,1 Millionen Euro abgeschrieben. Auch ohne diese Effekte blieb das Ergebnis mit -54 Millionen Euro negativ. Weitere Einflussfaktoren waren längere Transportwege aufgrund von Baustellen, insbesondere in Deutschland, sowie hohe Energiepreise. Als Reaktion wurden Maßnahmen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit eingeleitet. Dazu zählen die Einstellung nicht wettbewerbsfähiger Angebote, die gezielte Erhöhung der Auslastung sowie organisatorische Anpassungen.

Infrastruktur mit steigender Leistung

Der Teilkonzern Infrastruktur konnte seine Betriebsleistung um drei Prozent auf 177 Millionen Zugkilometer steigern. Die Umsatzerlöse beliefen sich auf 1.269,6 Millionen Euro, während die Gesamterträge um fünf Prozent auf 4.415,4 Millionen Euro zunahmen. Das Ergebnis vor Steuern lag bei 15,1 Millionen Euro und damit um 20 Prozent über dem Vorjahr.

Investitionen blieben auf hohem Niveau

Im Zuge der Budgetkonsolidierung wurde das Investitionsvolumen im Rahmenplan 2025 bis 2030 um rund 300 Millionen Euro pro Jahr reduziert. Dennoch investierten die ÖBB im Jahr 2025 insgesamt über fünf Milliarden Euro, davon 3,2 Milliarden Euro im Rahmenplan. Die Mittel flossen unter anderem in die Fertigstellung der Koralmbahn sowie in Großprojekte wie den Brenner Basistunnel, den Semmering Basistunnel und die Modernisierung der Wiener Schnellbahn-Stammstrecke.

Auch im Energiebereich wurde investiert, so die ÖBB: Mehr als 25 neue Photovoltaikanlagen gingen in Betrieb und steigerten die jährliche Stromproduktion auf rund 65 GWh, was einem Plus von etwa 26 GWh entspricht. Zusätzlich wurden Digitalisierungsprojekte, Elektrifizierungen und Bahnhofsmodernisierungen umgesetzt. Im Personenverkehr wurden 49 neue Züge angeschafft, weitere 130 sollen in den Jahren 2026 und 2027 folgen.

Wachstum beim Personal und Ausbildung

Der Personalstand erhöhte sich 2025 um 765 Personen auf 48.249 Beschäftigte. Insgesamt wurden mehr als 140.000 Bewerbungen registriert, aus denen 5.439 Neuaufnahmen resultierten. Für 2026 planen die ÖBB die Einstellung von über 4.000 weiteren Mitarbeiter:innen.

Bilanz und Wettbewerbsprogramm

Die Bilanzsumme des Konzerns erhöhte sich infolge der Investitionen um sechs Prozent auf rund 46,9 Milliarden Euro. Der Anteil des Sachanlagevermögens blieb mit 90 Prozent stabil. Die Eigenkapitalquote sank leicht auf 7,1 Prozent (2024: 7,7 %). Der Anstieg der Bilanzsumme ist vor allem auf höhere Finanzverbindlichkeiten zurückzuführen. Vor dem Hintergrund des verschärften Wettbewerbs wurde 2025 das Programm "Compete" gestartet. Ziel sei laut dem Unternehmen die Reduktion der beeinflussbaren Plankosten um zehn Prozent. Insgesamt sollen jährlich rund 300 Millionen Euro eingespart werden, unter anderem durch Effizienzsteigerungen, geringere Verwaltungskosten und Prozessoptimierungen.

Ausblick auf 2026

Für das Jahr 2026 erwarten die ÖBB und der ÖBB-Vorstand steigende Fahrgastzahlen sowie eine Verbesserung der finanziellen Ergebnisse. Investitionen in Infrastruktur und Fahrzeugflotte sollen weiteres Wachstum im Personenverkehr ermöglichen, während im Güterverkehr eine Trendwende angestrebt wird.

www.oebb.at

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