LEADERSNET: Sehr geehrter Herr Singer, Sie haben bereits mit zwölf Jahren auf der Bühne begonnen. Wie hat sich Ihr Bild vom Schauspielberuf seither verändert?
Dominic Marcus Singer: Zuerst war es ja eine riesige Ehre, jede Sekunde auf der Bühne oder vor der Kamera, daran hat sich bisher nichts geändert. Was aber dann doch dazu kommt, ist so eine gewisse Verantwortung, ein Gefühl, das, wie ich selbst, erwachsener wird und damit muss man umgehen. Vielleicht geht da irgendwie die Naivität und der Spaß verloren, aber dafür bleibt es ehrlich und aus den Eingeweiden, und gleichzeitig empfinde ich, so muss ich meinen Beruf auch wahrnehmen, dass er auch Berufung bleibt.
LEADERSNET: Sie sind aktuell bei Kommissar Rex zu sehen, einer der erfolgreichsten TV-Marken weltweit. Wie fühlt es sich an, Teil einer Serie zu sein, die so tief in der Fernsehgeschichte verwurzelt ist?
Singer: Das hat mir tatsächlich viel Spaß gemacht, weil alles, was mit diesem Hund am Set passiert, von einer anderen Welt ist, da taucht man ein bisschen ab ins Märchen der Welt der 90er, und ich durfte recht frei toben, klar, der Bösewicht soll und kann.
LEADERSNET: Lange Zeit dominierte im deutschsprachigen Fernsehen oft das Bild des glatten Helden oder auch eindeutigen Bösewichts. Sie hingegen suchen oft das Unbequeme einer Figur. Wie viel von Ihrer eigenen Persönlichkeit müssen Sie anzapfen, um eine Rolle fernab der bekannten Eindimensionalität einzunehmen?
Singer: Einerseits will ich ja ein anderer sein, wenn ich spiele, aber trotzdem beginne ich mit mir. Das sage ich sicher nur ungern, wenn ich Frauenmörder und Psychopathen spiele, der "Fun Fact" dahinter aber ist, es sind immer nur ein paar Entscheidungen, ein paar kleine Abwege, und schon ist man dann dort. So schnell geht es mit der Seele. Das will man vielleicht nicht gerne hören, aber was soll ich machen, dafür ruft man mich ja an und ich versuche dann einer ehrlichen Menschlichkeit nahezukommen.
LEADERSNET: Die Hollywoodgröße Roland Emmerich hat auf dem OMR Festival in Hamburg verraten, dass er ein Filmprojekt plant, das vollständig mit Künstlicher Intelligenz erstellt werden soll. Sehen Sie den Einsatz von KI eher als Chance für visuelle Effekte oder als Bedrohung für das Schauspiel-Handwerk?
Singer: Ich muss hierzu ehrlich eine Frage stellen: Ist es nicht absurd, dass man diese sogenannte Künstliche Intelligenz gleich mal für alles nützen will, was eigentlich Spaß macht und uns beflügelt? Musik, Film, Bilder im Kopf und so weiter. Das kann ich nicht ganz begreifen. Soll die KI doch die Wäsche machen, aber uns nicht die Lust nehmen zum Basteln? Als Stütze und Austauschpartner nütze ich die KI aber auch, als Stütze aber halt, das finde ich legitim. Die Leute haben immer weniger Zeit, die KI werde ich nie nerven mit meinen Fragen, das ist ja etwas Gutes, und man kann der KI auch sagen, bitte antworte mir scharf und sei kritisch. Und wenn die Antwort mir nicht passt, sei gemeiner!
LEADERSNET: Denken Sie, dass wenn KIs Drehbücher schreiben, bei denen sie oft auf bewährte Muster zurückgreifen, dadurch die Gefahr besteht, dass wir genau jene eindimensionalen Rollenbilder, von denen wir wegwollen, durch die Hintertür wieder zurückbekommen?
Singer: Und wieder, wenn sich der Mensch unbedingt abschaffen will, wie soll ich es aufhalten. Drehbücher sind im deutschsprachigen Raum ja sowieso so ein Ding, die armen Autor:innen! Es wird tatsächlich oft davor entschieden, da und da drehen wir, und jetzt holen wir uns schnell wen, der was tippselt. Alles falsch! Die Schreibenden sind dann eigentlich oft nur Ärzt:innen, die ganz schnell operieren müssen. Schade, weil talentiert und intelligent sind sie. Dass der nächste Schritt wieder die KI sein soll, wundert mich dann aber wieder nicht, weil ja, pfui pfui, den Menschen gibt man schon zu wenig Zeit, und das dauert auch wieder zu lange.
LEADERSNET: Und zu guter Letzt: Was war das seltsamste Talent, das Sie jemals in Ihrem Lebenslauf geschmuggelt haben, in der Hoffnung, dass niemand verlangt, dass Sie es am Set tatsächlich vorführen?
Singer: Ich bin ja, wenn ich nicht am Set bin, entweder mit meiner Frau oder allein mit mir beschäftigt, mit meiner Arbeit, bin nicht nur Schauspieler, sondern arbeite an Texten, an einem Roman, meinem ersten Musikalbum, Kurzfilme und so weiter.
Ich glaube ein Talent, was man dann sicherlich braucht, ist so zu tun, als würde man sich die Namen merken am Set, wenn man dann plötzlich für ein paar Tage im Jahr wirklich vor der Kamera steht und da sind dann hundert Leute, und das können dann alle gut, so tun, als wäre es eine Familie und von jedem Cousin kenne ich den Namen. Hoffentlich ändert sich daran nichts. Das ist eine schöne Hoffnung und ein guter Weg, in dieser Welt zu funktionieren. Wenn sich alle gemeinsam bemühen. Das liebe ich.
LEADERSNET: Vielen Dank!
www.instagram.com/dominicmarcussinger
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