Zu den bedeutendsten Kulturstätten der Bundeshauptstadt zählt das geschichtsträchtige Theater an der Wien. Errichtet im Jahr 1801 durch Emanuel Schikaneder, markiert es einen Ort, an dem Musikgeschichte geschrieben wurde – unter anderem mit der Premiere von Beethovens einziger Oper Fidelio. Seit 2006 als Opernhaus der Stadt profiliert, steht das Haus heute unter der Leitung des renommierten Intendanten Stefan Herheim. Um die historische Substanz und den besonderen Charme des Gebäudes zu bewahren, wurde es seit März 2022 einer umfassenden Modernisierung unterzogen, die im Oktober 2024 in einer feierlichen Wiedereröffnung gipfelte (LEADERSNET berichtete).
Über zwei Jahrhunderte Bühne für große Künstler:innen
In diesem Jahr feiert das Theater an der Wien sein 225. Jubiläum und stellte anlässlich des Bestehens erst kürzlich im Rahmen einer Pressekonferenz sein vielfältiges Programm für die Saison 2026/27 vor. Auch wenn das Haus in der kommenden Spielzeit mit Budgetkürzungen konfrontiert ist und die zweite Spielstätte des MusikTheaters, die Kammeroper am Fleischmarkt, bis auf Weiteres nicht bespielt werden kann, hält man an dem hohen künstlerischen Anspruch des Hauses fest und beabsichtigt auch weiterhin neue Maßstäbe zu setzen.
Einblicke in die Spielzeit 2026/27
Inhaltlich liegt der Fokus in der heurigen Saison auf Werken, die sich mit der Willkür von Macht und ihren Folgen für die Gesellschaft sowie das Individuum befassen – darunter Francesco Cavalli mit "La Calisto" aus dem Jahr 1651. Gemeinsam mit der Lautenistin und Dirigentin Christina Pluhar und ihrem
Ensemble L’Arpeggiata bringt Intendant und Regisseur Stefan Herheim diese frühe, auf Ovids Metamorphosen basierende Barockoper als kosmisches Zaubertheater auf die Bühne. Mit Vera-Lotte Boecker führt eine der vielfältigsten Sopranistinnen der Gegenwart ein herausragendes Vokalensemble mit u. a. Milan Siljanov, Giuseppina Bridelli, Marcel Beekman und Jake Arditti an. Die Premiere findet am 16. September 2026 statt.
Zwei Jahrhunderte nach seiner Entstehung erweist sich Wagners "Fliegender Holländer" noch immer als eindrucksvoller Vorläufer seiner späteren Monumentalwerke. In der Lesart von Philipp Stölzl wird die Oper im Oktober 2026 zum Brennglas für das Frauenbild des 19. Jahrhunderts, wobei Senta zur zentralen Schlüsselfigur avanciert. Neben den profilierten Solisten Jordan Shanahan und Wilhelm Schwinghammer markiert diese Produktion zudem das Wien-Debüt der kanadischen Sopranistin Ambur Braid.
Zudem wird ein literarischer Mythos zur Oper. Die Erzählung vom kleinen Prinzen und seiner Odyssee durch das Universum gehört zum kostbarsten Erbe der Weltliteratur. In einer Inszenierung von Louisa Muller kommt die Mailänder Auftragskomposition "Il piccolo principe" (Der kleine Prinz) nun auch nach Wien. In der Hauptrolle wird Emilie Renard zu sehen sein und Gábor Kali am Pult der Wiener Symphoniker. Die Premiere ist für Dezember 2026 angesetzt.
Mit Nikolai Rimski-Korsakows "Der goldene Hahn" bringt das MusikTheater an der Wien wiederum eine brisante Mischung aus Märchenoper und politischer Satire auf die Bühne. Die Inszenierung von Maxim Didenko, sein Debüt in Wien, beleuchtet die in Puschkins Vorlage angelegte Kritik an blinder Autorität. In den Hauptpartien sind Günther Groissböck und Liv Redpath zu erleben, während Valentin Uryupin am Pult des ORF-Radio-Symphonieorchesters Wien gastiert. Ein Werk, das 1909 in Moskau uraufgeführt wurde und durch seine zeitlose Untersuchung von Machtansprüchen besticht. Premiere feiert das Stück im Jänner 2027.
In der zweiten Saisonhälfte, im Februar 2027, würdigt das MusikTheater an der Wien seinen einstigen "Hauskomponisten" Ludwig van Beethoven zu dessen 200. Todestag. Mit einer Neuproduktion der "Leonore" kehrt das Werk zu seinen Ursprüngen zurück, indem die Inszenierung auf die historischen Wiener Fassungen rekurriert. Nach ihrem gemeinsamen Erfolg mit Janáčeks "Schlauem Füchslein" im Jahr 2022 führen Stefan Herheim und Giedrė Šlekytė ihren künstlerischen Dialog nun bei Beethoven fort. Das Ensemble wird angeführt von Julia Kleiter in der Rolle der Leonore sowie Attilio Glaser, Christoph Pohl und Patrick Zielke.
Und mit Georg Friedrich Händels "Rinaldo" feiert die Regisseurin Nadja Loschky im April 2027 ihr Debüt am Haus. Die Regisseurin blickt hinter die überwältigende Schönheit der Musik auf das bittere Antlitz eines Krieges, der nur Verlierer hinterlässt. Mit Francesco Corti übernimmt einer der profiliertesten Interpreten der Gegenwart die Leitung. Das Solisten-Ensemble besticht durch Namen wie Carlo Vistoli, Yuriy Mynenko und Mélissa Petit, ergänzt durch Kateryna Kasper, Alejandro Baliñas Vieites, Rémy Brès-Feuillet und Dominique Visse.
Erweiterung des Angebots
Zudem baut das MusikTheater an der Wien sein Angebot weiter aus. Das Spektrum der insgesamt elf zur Aufführung gelangenden Meisterwerke reicht von Jean-Baptiste Lully über Georg Friedrich Händel bis zu Gioachino Rossini. Daran beteiligt sind unter anderem Größen wie Ottavio Dantone, Francesco Corti, Raffaele Pe, Christina Pluhar, David Stern und Aapo Häkkinen, die zu den gefragtesten Dirigent:innen dieser Szene gehören und gemeinsam mit Sänger:innen wie Avery Amereau, Francesca Aspromonte, Cyril Auvity, Erika Baikoff, Anastasia Bartoli, Max Emanuel Cencic, Anett Fritsch, Delphine Galou, Arnaud Gluck, Alasdair Kent, Marianne Beate Kielland, Julia Lezhneva, Maayan Licht, Dave Monaco, Luigi Morassi, Dennis Orellana, Sophie Rennert und Sonja Runje ans jeweilige Werk gehen.
Darüber hinaus fungiert die Kulturstätte heuer als Gastgeber der International Opera Awards, deren Verleihung am 21. November 2026 stattfindet.
Fokus Kulturvermittlung
Während das Nachwuchsprojekt Campus aufgrund der fehlenden Bespielung der Kammeroper vorerst pausieren muss, weitet das MusikTheater an der Wien – dank privater Förderung – sein Angebot für junges Publikum an anderer Stelle aus. Die große Familienoper wird künftig durch zwei szenische Neuproduktionen im intimen Rahmen der Spielstätte "Hölle" ergänzt. Das Stück "Klangstreich. Eine Note tanzt aus der Reihe" (ab 4 Jahren) erkundet ab Oktober 2026 die Faszination der menschlichen Stimme. Im April 2027 folgt mit "Gold!" (ab 6 Jahren) eine Wiener Erstaufführung eines der erfolgreichsten Werke der jüngeren Kinderoperngeschichte. Zudem geht die Führung "Bravissimo!" bereits in ihre dritte Spielzeit und ermöglicht es Kindern weiterhin, die Welt der Oper zu entdecken.
Zusätzlich erweitert das Haus mit der Initiative "TaWumm!" sein Angebot um interaktive Formate. Das Spektrum reicht von altersübergreifenden Workshops über regelmäßige Open-House-Events wie "Sing-alongs" bis zu spezialisierten Angeboten wie den neuen Yogakonzerten auf der Hauptbühne. Diese finden an drei Terminen der Saison statt und werden durch ein kulinarisches Angebot der Gastronomie DoN ergänzt. Ziel ist es, das Theater als offenen Ort der Begegnung für Menschen jeden Alters zu etablieren.
Raum für intime Konzerte
Und schließlich lädt auch die Spielstätte "Hölle" erneut zu Konzerten und Kleinkunstformaten in das Souterrain des Theaters an der Wien. Das Programm umfasst Highlights wie den Tango-Abend "Corazón Abierto" mit Luciana Mancini, das Puppen-Musiktheater "Große und kleine Fuge" sowie einen Wiener Lieder-Abend mit Maximilian Mayr und Daniel Gutmann. Mit dem Ensemble Proxima D widmet sich eine Produktion den späten Wiener Jahren Vivaldis. Ergänzt wird der Spielplan durch das Talk-Format "Da Capo", bei dem Peter Heilker in dieser Saison Marika Lichter (November 2026) und Erwin Ortner (Februar 2027) zum persönlichen Gespräch empfängt.
Darüber hinaus wurde im Rahmen der Pressekonferenz bekannt gegeben, dass die langjährige Zusammenarbeit mit dem Arnold Schoenberger Chor, den Wiener Symphonikern und dem ORF-Radio-Symphonieorchester fortgesetzt wird. Zu den weiteren internationalen Kooperationspartner gehören die Staatsoper Unter den Linden Berlin und La Monnaie/ De Mund Brüssel.
Einen Eindruck von der Pressekonferenz können Sie mittels Galerie gewinnen.
www.theater-wien.at
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