Die Wiener Börse hat im ersten Quartal 2026 von einer stark erhöhten Handelsaktivität profitiert. In einem von geopolitischen Unsicherheiten geprägten Umfeld erreichten die Aktienumsätze dem Handelsplatz zufolge mit 26,07 Milliarden Euro den höchsten Wert seit 15 Jahren und lagen damit deutlich über den Vergleichswerten der Vorjahre (2025: 18,54 Milliarden Euro; 2024: 14,28 Milliarden Euro).
Allzeithoch beim ATX
Beim ATX inklusive Dividenden gab es sogar ein Allzeithoch: am 18. Februar erreichte der Leitindex 14.195,81 Punkte. Das war jedoch, bevor der Konflikt in der Golfregion die internationalen Märkte belastete. Danach ging es auch mit dem ATX ordentlich nach unten - am Donnerstag, dem 2. April notierte er am Vormittag (Stand: 10:20 Uhr) bei 13.214,24 Punkten.
Änderungen gab es auch bei der Indexzusammensetzung. So ersetzte die Palfinger AG am 23. März die CPI Europe AG im ATX. Die Marktkapitalisierung der in Wien notierten heimischen Unternehmen lag per Ende März bei rund 181 Milliarden Euro.
Christoph Boschan, CEO der Wiener Börse, betont die Rolle nationaler Handelsplätze in unsicheren Zeiten: "Besonders in bewegten Marktphasen zeigt sich die führende Rolle von Nationalbörsen bei Preisqualität und Liquidität." Anleger:innen sollten Ruhe bewahren und sich nicht von kurzfristigen Schwankungen verunsichern lassen, so Boschan. Wer langfristig investiere und breit streue, setze weiterhin auf eine ertragreiche Anlageform.
Top-Performer und meistgehandelte Titel
Zu den stärksten Kursgewinnern im prime market zählte im ersten Quartal die AT&S Austria Technologie & Systemtechnik AG mit einem Plus von 60,56 Prozent. Im Jahr davor hatte die OMV AG mit 33,00 Prozent zugelegt, 2024 die SBO AG mit 32,66 Prozent.
Bei den meistgehandelten Aktien lag im ersten Quartal 2026 die Erste Group Bank AG mit einem Handelsvolumen von 5,03 Milliarden Euro an der Spitze. Im Jahr 2025 führte die BAWAG Group AG mit 3,69 Milliarden Euro, 2024 die OMV mit 2,88 Milliarden Euro.
Auch einzelne Handelstage stachen hervor: Am 27. Februar 2026 wurde mit 1,65 Milliarden Euro der umsatzstärkste Tag des Quartals verzeichnet. Im Vergleich dazu lag der Spitzenwert 2025 am 20. März bei 1,88 Milliarden Euro, 2024 am 3. März bei 728,64 Millionen Euro.

Internationales Segment wurde ausgebaut
Parallel dazu wurde das internationale Segment "global market" weiter ausgebaut. Neu hinzu kamen unter anderem Aktien aus Slowenien sowie mehr als 30 Titel aus dem STOXX Europe 600. Weitere rund 50 Werte aus dem "Prime Standard" der Deutschen Börse sollen folgen. Insgesamt umfasst das Segment mittlerweile über 900 internationale Wertpapiere aus 28 Ländern.
Im Anleihesegment verzeichnete die Wiener Börse ihren Angaben zufolge ebenfalls eine deutliche Belebung. Mit über 9.800 Primärlistings wurde ein Plus von 64 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erzielt – ein Rekordwert. Mehr als 1.400 Emittenten aus 52 Ländern sind aktuell gelistet, das Gesamtvolumen liegt demnach bei über einer Billion Euro.
Zu den Emittenten im ersten Quartal zählten unter anderem BBVA, Santander, Goldman Sachs und BlackRock. Zudem wurde erstmals eine digital-native, blockchainbasierte Anleihe eines südkoreanischen Finanzinstituts in Wien gelistet. Ein weiteres Signal für den Finanzplatz setzte die Österreichische Bundesfinanzierungsagentur, die ankündigte, Bundesanleihen künftig exklusiv an der Wiener Börse zu notieren.
Österreicher:innen setzen verstärkt auf Wertpapiere
Auch das Interesse an Wertpapieren in Österreich steigt. Laut "Aktienbarometer 2026" besitzen mittlerweile 31 Prozent der Bevölkerung ab 16 Jahren Aktien, ETFs oder andere Wertpapiere – ein deutlicher Anstieg gegenüber 25 Prozent im Jahr 2023 (LEADERSNET berichtete). Durchgeführt wurde die Studie erneut von Peter Hajek im Auftrag von Aktienforum, Industriellenvereinigung und Wiener Börse. Als zentrale Motive nennen Anleger:innen Vermögensaufbau, Inflationsschutz und Altersvorsorge.
Boschan verweist in diesem Zusammenhang auf strukturellen Reformbedarf. Der steigende Wertpapierbesitz zeige, dass sich zunehmend eine Kapitalmarktkultur etabliere. Dieses Momentum könne politisch genutzt werden, "entscheidend ist, dass aus dem wachsenden Interesse auch substanzielle Kapitalvolumina entstehen", so der Börsenchef. Dafür brauche es eine stärkere Verknüpfung der Altersvorsorge mit dem Kapitalmarkt sowie zusätzliche Reformen über den EU-Listing Act hinaus.
www.wienerborse.at
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