Fotos vom Eröffnungsfest
Europa Forum Wachau feierte hochkarätigen Auftakt

Bei der Eröffnung der 30-jährigen Jubiläumsausgabe debattierten Spitzenpolitik und Expert:innen über mehr Autonomie, ein regionales Vergaberecht und globale Regeltreue für die EU. Auch Sicherheit und KI standen im Fokus.

Am Montagabend ist im Schloss Grafenegg das 30. Europa Forum Wachau eröffnet worden. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und Bundespräsident Alexander Van der Bellen starteten gemeinsam die europapolitische Diskussionswoche, die im Zeichen des globalen Wandels und geopolitischer Krisen steht.

Spitzenpolitik fordert mehr Autonomie

Mikl-Leitner erklärte zu Beginn, dass das bisherige europäische Modell, welches auf billiger Energie aus Russland, günstigen Produkten aus China und Sicherheit aus Amerika basierte, 30 Jahre lang Stabilität und Wachstum gebracht habe. Für die Zukunft reiche dies jedoch nicht mehr aus. Es gelte daher, "Europa stärker, handlungsfähiger, eigenständiger, resilienter und selbstbewusster zu machen." Die Landeshauptfrau betonte, dass Europa die Sicherheit selbst in die Hand nehmen müsse. Dafür forderte sie ein "patriotisches Vergaberecht" bei Rüstungsaufträgen. Es dürfe nicht nur der billigste Preis zählen, sondern die regionale Wertschöpfung müsse im Vordergrund stehen. Wenn Europa Milliarden für Verteidigung ausgebe, müsse dieses Geld auch bei den Bürger:innen ankommen.

Van der Bellen verwies auf die positiven Effekte der europäischen Integration und betonte, dass das Forum dazu beigetragen habe, "Europa zu einem Ort zu machen, um den uns sehr viele Menschen auf der Welt beneiden." Österreich und Niederösterreich hätten stark vom Zusammenwachsen der Europäischen Union profitiert. Für die kommenden 30 Jahre brauche es ein Europa, das stark, widerstandsfähig, schneller und wendiger sei. Er unterstrich, dass man keine Welt wolle, in der die Willkür des Stärkeren gilt oder das internationale Völkerrecht ignoriert wird. Freiheit, Gleichberechtigung und die liberale Demokratie müssten ernst genommen werden. Abschließend appellierte der Bundespräsident: "Lassen Sie uns stolz sein auf Europa. Lassen Sie uns da sein für dieses Europa. Dann wird Europa auch für uns da sein, wenn wir es brauchen."

Deals sind keine Regeln

In einer Keynote zur geopolitischen Lage sprach Norbert Lammert, der ehemalige Präsident des Deutschen Bundestages, von einer historischen Zeitenwende. Er warnte vor der globalen Tendenz, internationale Regeln durch bilaterale Machtpolitik zu ersetzen. "Bitte verwechselt Deals und Regeln nicht. Deals sind nicht eine Variante von Regeln, sondern die Alternative zu Regeln", betonte er insbesondere gegenüber den jungen Zuhörer:innen. Europa müsse die regelbasierte internationale Ordnung aktiv verteidigen und eigenständig Verantwortung übernehmen. Weder Nationalstaaten noch die EU könnten sich dauerhaft auf andere Mächte verlassen. Europa müsse sich, wie bereits Konrad Adenauer feststellte, selbst um seine Angelegenheiten kümmern.

Ein Impulsstatement zur Zukunft der Künstlichen Intelligenz steuerte die Neurowissenschaftlerin Jie Mei von der Linzer International Transformation University bei. Zudem sprach der Präsident des Europa Forums Wachau, Michael Linhart.

Prämierung von Schulprojekten

Im Rahmen der Veranstaltung, an der mehr als 400 Jugendliche teilnahmen, wurden zudem Schulprojekte prämiert, welche die Werte der EU thematisierten. Regionale Wertgutscheine gingen an die Landesberufsschule Theresienfeld, die Handelsakademie der Stadtgemeinde Tulln und die HLW Biedermannsdorf. Die musikalische Gestaltung übernahm das European Union Youth Orchestra.

LEADERSNET war beim Auftakt des Jubiläumsforums. Fotos sehen Sie in unserer Galerie.

www.europaforum.at

Über das Forum

Das 1995 anlässlich des EU-Beitritts Österreichs gegründete Europa-Forum Wachau hat sich in den vergangenen drei Jahrzehnten als mitteleuropäisches Dialogzentrum etabliert. Seither verzeichnete die Plattform über 13.000 Gäste, darunter mehr als 30 Premierminister:innen sowie über 50 Außen- und Europaminister:innen.

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