Die Österreichische Hotelvereinigung (ÖHV) lud am 25. März 2026 unter dem Titel "Bauen und finanzieren" in die Lechwelten zur Auftaktveranstaltung ihrer dreiteiligen Forums-Reihe. Das Event stand im Zeichen der Professionalisierung im Hotelbau. Insgesamt folgten 120 Teilnehmer:innen aus Top-Betrieben aus ganz Österreich der Einladung.
Nein zu weiteren Belastungen
Begrüßt wurden die Teilnehmer:innen vom Vorarlberger ÖHV-Landesvorsitzenden Oswald Jäger sowie dem Bürgermeister von Lech, Gerhard Lucian. Im Anschluss ergriff Walter Veit, Präsident der Österreichischen Hotelvereinigung, das Wort, der betonte, dass massive Kostensteigerungen langfristigere Planung erzwingen. "Alle paar Jahre umbauen ist zu teuer", so Veit. Ein Grund dafür sei die hohe Steuerlast im Land. "Daneben sieht das Burj Khalifa mickrig aus. Aber anders als moderne Hochhäuser haben unsere Staatsfinanzen weder ein stabiles Fundament noch Echtzeit-Überwachungssysteme: Immer noch ein Steuer-Stockwerk mehr einziehen, geht nicht." Ein Steuer-Turmbau à la Andreas Babler müsse der Branche erspart bleiben, meinte Veit. "Wir brauchen keine neue Belastung, sondern eine Steuer-Architektur, die die nächsten Jahrzehnte übersteht!"
Der ÖHV-Präsident führte weiter an, dass es keinen Raum für wirtschaftliche und bauplanerische Fehler gebe – Arnold Harrasser von Michaeler & Partner stimmte ein: "Nicht Größe oder Optik entscheiden über Erfolg, sondern ein sauberes Konzept. Hotels müssen konsequent als Ertragsimmobilie gedacht werden. Das heißt, früh klären, welche Flächen tatsächlich Wert schaffen. Das heißt erst planen, dann ausschreiben. Mit einem professionell aufgestellten Team, klaren Zuständigkeiten und möglichst hoher Präzision vor Baubeginn."
Auswirkungen schlechter Planung
Einrichter Josef Göbel mahnte: "Projekte scheitern nicht spektakulär, sondern schleichend." Es sei die schlechte Planung, die jeden Tag gegen den Betrieb arbeite. "Planen Sie also Abläufe, nicht Räume! Entwickeln Sie die erst, wenn klar ist, wie Frühstück, Housekeeping, Warenlogistik im täglichen Betrieb funktionieren. Mitarbeiter:innen kennen die Realität, wissen, wo Zeit verloren geht, wo Prozesse stocken, was falsch geplant wurde", so Göbel.
Die ÖHV-Landesvorsitzende in Tirol, Barbara Winkler, unterstrich zudem, dass sich Bauentscheidungen nicht in Plänen beweisen würden, sondern im täglichen Betrieb. Zielgruppenorientierung, passende Materialien, ein klarer Blick auf Gästebedürfnisse und wirtschaftliche Risiken sind "keine Detailfragen, sondern Voraussetzung für Investitionen, die funktionieren".
Wichtigkeit der Vorbereitung und Bankrunde
Matthias Matzer, OeHT-Geschäftsführer, lieferte einen Überblick über die Förderlandschaft und betonte, dass bei größeren Projekten nicht nur die Förderfähigkeit an sich entscheidend sei, sondern auch die Qualität der Vorbereitung. So seien knapp kalkulierte Vorlaufzeiten, unvollständige Unterlagen oder das Übersehen von Förder-Auflagen vermeidbar. "Vorbereitung ist der Schlüssel", so Matzer.
Daniel Horak, Conda-Co-CEO, empfahl im Zuge des Forums Crowdinvesting, "wo Eigenmittel knapp sind und Banken restriktiv. Das Modell bindet Gäste als Investoren und stärkt die Liquidität im Betrieb", zeigte er sich überzeugt.
Im Rahmen einer von Thomas Reisenzahn (Geschäftsführer Prodinger Tourismusberatung) moderierten Fachrunde unter Beteiligung der OeHT, CONDA sowie der Sparkasse Bludenz wurde darüber hinaus die Bedeutung der Finanzierungsstruktur erörtert. Einigkeit herrschte darüber, dass insbesondere bei großen Volumina in Top-Lagen die Liquidität nur durch eine gezielte Kombination aus Eigenmitteln, Bankdarlehen und Förderungen gesichert werden kann. Diversifikation gilt dabei als unerlässliche Strategie.
Nächster Forumstermin
Das nächste ÖHV-Forum findet am 24. Juni 2026 im Hotel Gut Brandlhof in Saalfelden zum Thema Longevity statt. Die dritte Runde geht dann am 8. Oktober 2026 in Wien zum Thema Arbeitsmarkt vonstatten.
Einen Eindruck vom Event können Sie sich mittels Galerie machen.
www.oehv.at
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