Kampf um Arbeitnehmerrechte
Stripperinnen planen Streik am Formel-1-Wochenende in Montreal

| Larissa Bilovits 
| 19.05.2026

Gerade zur umsatzstärksten Zeit des Jahres wollen Tänzerinnen in der kanadischen Metropole ihre Arbeit niederlegen. Damit fordern sie grundlegende Arbeitnehmerrechte und wollen die Clubs laut eigenen Angaben dort treffen, wo es besonders weh tut.

Der Formel-1-Grand-Prix in Montreal zählt zu den wichtigsten touristischen und wirtschaftlichen Großereignissen der kanadischen Metropole. Im Vorjahr kamen laut Berichten mehr als 350.000 Besucher:innen zum Rennwochenende, der wirtschaftliche Effekt wurde auf rund 162 Millionen kanadische Dollar geschätzt. Entsprechend stark profitieren während dieser Tage nicht nur Hotels, Gastronomie und Veranstaltungsbetriebe, sondern auch das Nachtleben der Stadt. Genau diesen Zeitpunkt wollen Stripperinnen in Montreal nun offenbar nutzen, um mit einem Streik auf ihre Arbeitsbedingungen aufmerksam zu machen.

Arbeitsniederlegung am umsatzstärksten Wochenende

Wie das Komitee autonomer Sexarbeit online mitteilte, soll der Streik am Samstag (23. Mai) des kommenden Formel-1-Wochenendes stattfinden. Die Wahl des Zeitpunkts sei dabei bewusst getroffen worden. "Wir glauben, dass der Grand Prix der beste Zeitpunkt für einen Streik ist", heißt es in dem veröffentlichten Statement. Während des Grand-Prix-Wochenendes hätten die Stripclubs besonders viel zu tun, entsprechend sei es für viele Betriebe die lukrativste Phase des Jahres. "Das ist unsere Chance, diese Einnahmen zu gefährden und ihnen dort zu schaden, wo es am meisten wehtut", so das Komitee autonomer Sexarbeit.

Mit der Aktion wollen die Tänzerinnen laut dem Komitee vor allem jene Rechte einfordern, die in anderen Beschäftigungsverhältnissen selbstverständlich seien. Genannt werden hierbei unter anderem Krankengeld, Elternzeit, bezahlter Urlaub bei Arbeitsunfällen, ein existenzsichernder Lohn sowie weitere grundlegende Arbeitnehmerrechte. Auch die Abschaffung sogenannter "bar fees" – also Gebühren, die Tänzerinnen an Clubs zahlen müssen, um dort überhaupt auftreten zu dürfen – zählt zu den Forderungen.

Tänzerinnen berichten von finanziellen Risiken

Ein zentrales Problem sei laut den Betroffenen, dass viele Stripperinnen nicht als fix angestellte Mitarbeiterinnen gelten. Dadurch hätten sie keinen Zugang zu arbeitsrechtlichen Schutzmechanismen, obwohl ihre Tätigkeit stark von den Vorgaben der Clubs abhängig sei, erklärt eine Betroffene gegenüber der örtlichen Zeitung Montreal Gazette.

Viele Tänzerinnen würden dementsprechend auch kein fixes Gehalt erhalten, sondern seien vor allem auf Trinkgeld angewiesen. Unter anderem eben auch aufgrund der "bar fees", die laut der Betroffenen gerade am Grand-Prix-Wochenende überaus hoch ausfallen könnten. Das erhöhe für die Frauen das finanzielle Risiko, obwohl die Clubs in dieser Zeit besonders hohe Einnahmen erzielen würden. "Es passiert jeder von uns jedes Jahr: Man kommt nach Hause und stellt fest, dass man rote Zahlen schreibt", wird die Tänzerin weiters zitiert.

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