Fotos der Podiumsdiskussion
Warum Österreich beim Klimaschutz ein neues Narrativ braucht

| Larissa Bilovits 
| 30.03.2026

Auf Einladung von eXplore! diskutierten jüngst Expert:innen aus Wissenschaft, Klimaforschung und Unternehmertum im Club 20 darüber, warum trotz ambitionierter Klimaziele hierzulande zu wenig passiert. 

Kaum ein Thema ist in der heutigen Zeit gesellschaftlich und politisch so dringlich wie der Klimawandel, dennoch kommt die konkrete Umsetzung wirksamer Maßnahmen oft nur schleppend voran. Warum Österreich beim Klimaschutz trotz klarer Zielsetzungen oftmals hinter den eigenen Ambitionen zurückbleibt, war Thema der jüngsten Club 20-Veranstaltung im Hotel InterContinental, bei der Expert:innen aus Wissenschaft, Klimaforschung und Unternehmertum auf Einladung der Förderinitiative eXplore! über Ursachen, Verantwortung und Lösungsansätze diskutierten.

Ambitioniert, aber erfolglos

Gleich zum Auftakt der Diskussion sprach Jesús Crespo Cuaresma, Professor für Volkswirtschaftslehre an der WU Wien, eine deutliche Diagnose aus. Er verwies auf aktuelle Auswertungen zur Entwicklung der Treibhausgasemissionen und brachte die Situation pointiert auf den Punkt: "Auf dem Papier ist die Klimapolitik in Österreich sehr ambitioniert. De facto ist sie aber erfolglos." Damit war auch der rote Faden des Abends vorgegeben: die auffällige Diskrepanz zwischen politischen Zielsetzungen und ihrer tatsächlichen Wirkung. Denn nur ein vergleichsweise geringer Teil der bislang erreichten Emissionsminderungen lässt sich unmittelbar auf politische Maßnahmen zurückführen.

Einen Erklärungsansatz für dieses Spannungsfeld lieferte Umweltpsychologin Hermine Mitter, Professorin am Institut für Umweltsystemwissenschaften an der Universität Graz. Aus ihrer Sicht scheitere Klimaschutz nicht in erster Linie an mangelnder Zustimmung, sondern häufig an tief sitzenden Verhaltensmustern. "Es gibt eine Lücke zwischen dem, was man sich vornimmt, und dem, was man tatsächlich tut", so Mitter. Hinzu komme, dass die Folgen des Klimawandels vielfach als räumlich oder zeitlich entfernt wahrgenommen würden und sich viele Menschen in ihrem Handeln stark am Verhalten ihres Umfelds orientieren.

Strukturelle Lösungen schaffen

Auch die Verantwortung für wirksamen Klimaschutz stand im Fokus der Diskussion. Tina Deutsch, Vorständin am Kontext Institut für Klimafragen, sprach sich dafür aus, die Debatte weniger über individuelles Fehlverhalten zu führen, sondern stärker über die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die nachhaltiges Handeln ermöglichen oder erschweren. "Wir schützen kein Klima, wir schützen uns. Es geht um Menschenschutz und nicht um etwas Abstraktes", betonte sie. Damit rückte sie die Notwendigkeit in den Mittelpunkt, Strukturen zu schaffen, die klimafreundliche Entscheidungen im Alltag überhaupt erst erleichtern.

Wie sich dieser Zugang konkret umsetzen lässt, verdeutlichte Unternehmer Michael Kowatschew, Mitgründer von Heizma, mit seinem unternehmerischen Blick auf die Energiewende. Sein Beispiel machte deutlich, dass sich ökologische und ökonomische Interessen nicht ausschließen müssen. "Ich will dafür sorgen, dass die klimafreundlichste Lösung auch die finanziell sinnvollste ist", erklärte er. Gerade unter wirtschaftlich herausfordernden Bedingungen zeige sich, dass nachhaltige Angebote vor allem dann breite Akzeptanz finden, wenn sie nicht nur ökologisch, sondern auch finanziell attraktiv sind.

Warum Klimaschutz ein neues Narrativ braucht

Letztendlich waren sich die Diskutant:innen unisono einig, dass nicht eine mangelnde Zustimmung den Klimaschutz in Österreich bremse, sondern vor allem strukturelle, psychologische und kommunikative Barrieren. Um die Kluft zwischen ambitionierten Zielen und tatsächlicher Umsetzung zu überwinden, brauche es daher verlässliche Rahmenbedingungen, langfristige Planungssicherheit und ein verändertes Narrativ – eines, das Klimaschutz nicht in erster Linie als Verzicht, sondern als gesellschaftliche und wirtschaftliche Chance vermittelt.

Eindrücke vom Event finden Sie in unserer Galerie.

www.explore.university

www.club20.net

Kommentar veröffentlichen

* Pflichtfelder.

leadersnet.TV