In einem stark außenhandelsorientierten Land wie Österreich gewinnen internationale Karrierewege zunehmend an Bedeutung. Ob von einem Standort im Inland aus oder durch physische Präsenz vor Ort – die Anforderungen an Führungskräfte in globalen Organisationen sind vielfältig.
Im Rahmen eines Expertengesprächs des Internationalen Forums für Wirtschaftskommunikation (IFWK), zu dem Gründer Rudolf J. Melzer in die Wiener Henkel-Zentrale lud, wurden die essenziellen Kompetenzen für grenzüberschreitende Karrieren analysiert.
Kulturelle Offenheit und die Akzeptanz von Unvollkommenheit
Als wesentliche Voraussetzungen für eine internationale Laufbahn gelten demnach Offenheit und Neugier. Laut Roman Oberauer, Executive Partner Manager bei Huawei Austria, seien zudem Konfliktfähigkeit sowie die Bereitschaft zu Kompromissen unerlässlich. Er betont in diesem Zusammenhang die Bedeutung einer gewissen Demut: Unentbehrlich sei "auch Mut zur Lücke, denn man weiß nicht immer alles".
Ergänzend führte Marlene Hoelsken, Head of R&D bei Henkel Consumer Brands, an, dass die Identifikation der Mitarbeiter:innen mit dem Unternehmen über Standorte hinweg aktiv gefördert werden müsse. Dies habe durch Teamleiter:innen sehr bewusst zu geschehen, etwa mittels persönlicher Gespräche oder digitaler Formate, um auch über große Distanzen ein Zugehörigkeitsgefühl zu etablieren.
Privates Umfeld und die Rolle des Humors
Die Flexibilität, die eine solche Position einfordert, betrifft nicht nur die berufliche Ebene. Anita Gradwohl von der F/List Group weist darauf hin, dass auch das private Umfeld diese Dynamik mittragen müsse. So richteten sich Familienfeiern oft nach Dienstreisen. Christoph Strnadl, technischer Leiter der Initiative Gaia-X, ergänzt die Liste der Erfolgsfaktoren um die Komponente Humor. Dieser beinhalte im Idealfall eine Fehlertoleranz sich selbst gegenüber, mithin "die Bereitschaft über sich selbst zu lachen". Humor könne Spannungen abbauen und den Teamgeist stärken, erfordere jedoch aufgrund kultureller Unterschiede ein hohes Maß an Fingerspitzengefühl.
Netzwerkpflege und die Standortfrage
Eine internationale Tätigkeit allein garantiere noch kein berufliches Fortkommen. Julia Högendörfer (Sport 2000) unterstrich, dass vor allem ein gepflegtes berufliches Netzwerk als Sprungbrett diene. Die Herausforderung liege darin, diese Kontakte über Ländergrenzen hinweg stabil zu halten. Laut Marlene Hoelsken stelle die Partizipation an internationalen Projekten eine effektive Methode dar, um innerhalb eines Konzerns die notwendige Sichtbarkeit zu wahren.
Bezüglich der Rolle ihres Heimatlandes konstatierten die Teilnehmer:innen unter der Moderation von Michael Köttritsch (Die Presse), dass die Herkunft aus Österreich international überwiegend als Vorteil wahrgenommen werde. Das Land assoziiere man mit Struktur und Organisation. Die Funktion Österreichs als Zielland für internationales Top-Personal wurde hingegen differenzierter beurteilt. Insbesondere außerhalb Wiens gestalte sich die Akquise entsprechender Fachkräfte oft schwierig.
Vermeidung von Wertekolonialismus
Abschließend herrschte Konsens darüber, dass der Erfolg einer internationalen Karriere auf einer Kombination aus unternehmerischer Expertise und menschlicher Reife basiert. Wesentlich sei, dass Mitarbeiter:innen in allen Regionen Wertschätzung erführen. Ein reflektierter Umgang mit verschiedenen Kulturen sei notwendig, um die Gefahr eines "Wertekolonialismus" zu vermeiden.
An der Fachdiskussion in der Wiener Henkel-Zentrale nahmen zudem Martha Salaquarda (Verbund Energy 4 Business), die Wirtschaftsanwältin Stefanie Lugger, Michaela Ernst (Sheconomy), Stefan Siegl (Imavida), Michael Sgiarovello (Henkel CEE), Unternehmensberater Robert Bodenstein sowie Reinhard Grubhofer (Big Bus) teil.
www.ifwk.net
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