Nach Rücktritt des Generaldirektors
ORF-Stiftungsrat fordert in Causa Weißmann "umfassende Aufklärung"

| Janet Teplik 
| 11.03.2026

Während der Ex-Generaldirektor die Vorwürfe sexueller Belästigung entschieden zurückweist, setzen die Vorsitzenden des Öffentlich-Rechtlichen laut eines Pressegesprächs auf volle Transparenz. 

Der Rücktritt von Roland Weißmann als ORF-Generaldirektor (LEADERSNET berichtete hier und hier) zieht weiter Kreise. Wie in einem Pressegespräch bekanntgegeben wurde, fordern die Stiftungsratsvorsitzenden Heinz Lederer und sein Stellvertreter Gregor Schütze eine umfassende Aufklärung der Vorwürfe – inklusive einer internen Compliance-Prüfung der zurückgewiesenen Anschuldigungen. Zudem soll zur Neuausrichtung der Führungskultur eine Taskforce eingerichtet werden, während Radiodirektorin Ingrid Thunher interimistisch die Geschäftsführung übernimmt. 

Lückenlose Aufklärungsarbeit

Im Rahmen des Pressegesprächs merkte Lederer zudem kritisch an, dass die etablierten Instanzen wie die Whistleblower-Hotline oder die Gleichstellungskommission im aktuellen Fall nicht in Anspruch genommen wurden. Stattdessen habe die Betroffene den Weg über den Rechtsbeistand direkt an das Aufsichtsgremium gewählt. Nun soll geklärt werden, warum Frauen Angst haben, den Weg über die Hotline oder die dafür zuständige Kommission zu bestreiten. 

Lederer und Schütze forcieren hierbei eine lückenlose Aufarbeitung und ziehen laut Medienberichten die Beiziehung externer Expertise in Erwägung, um maximale Transparenz zu gewährleisten. Den Vorwurf, Weißmann unter Druck gesetzt zu haben, seine Stelle als Generaldirektor niederzulegen, weist die Gremienspitze entschieden zurück. Man habe nach Bekanntwerden der Vorwürfe unter ständiger juristischer Begleitung 'rasch' gehandelt, heißt es. Weißmann hingegen ließ, wie der ORF berichtete, über seinen Anwalt mitteilen, dass Lederer "Unwahrheiten" verbreite. 

ORF-Spitze garantiert Stabilität

Trotz der aktuellen Turbulenzen am Königlberg sieht Stiftungsratvorsitzender Lederer die operative Schlagkraft des Öffentlich-Rechtlichen nicht gefährdet. Das Medienhaus bleibe "voll funktionsfähig" – insbesondere mit Blick auf den im Mai stattfindenden Eurovision Song Contest (LEADERSNET berichtete u.a. hier). Zudem habe man sich bewusst für Thurnher als interimistische Leitung entschieden, da diese, so Lederer, die "öffentlich-rechtliche DNA" verkörpere und für kompromisslose Unabhängigkeit stehe. Offen bleibt jedoch die rechtliche Struktur ihrer Doppelfunktion – Jurist:innen würden sich der Frage annehmen.  

Fahrplan für die ORF-Zukunft

Bekannt wurde auch, dass die Ausschreibung für den Generaldirektorenposten bis Ende 2026 "unverzüglich" erfolgen soll, wobei eine finale Bestellung laut Lederer durchaus im Juni realistisch scheint. Parallel dazu soll Anfang Mai die reguläre Funktionsperiode ab 2027 ausgeschrieben werden. Dazu werde es im April eine Sondersitzung des Stiftungsrats geben. Doch nicht nur die Personalie an der Spitze steht auf der Agenda, auch befasst sich das oberste Gremium mit der neuen Geschäftsordnung. Hintergrund sei dabei der jüngste Unmut über das Auftreten von Peter Westenthaler, der von der FPÖ in den Stiftungsrat entsandt wurde. Darüber hinaus hat Schütze angekündigt, dass ein neuer "Future Day" stattfinden wird. Im Fokus stünden die Debatten über den öffentlich-rechtlichen Kernauftrag. Doch während der Rat intern an der Zukunftsvision feilt, wächst der medienpolitische Druck von außen. Denn Hans Peter Doskozil, Landeshauptmann des Burgenlands, meldete sich mit einer klaren Forderung nach einer Entpolitisierung des ORF zu Wort. Insbesondere bei der Bestellung des Generaldirektors fordert der Politiker neue Regelungen. 

Große Aufgaben

Die aktuelle Debatte zeigt damit, dass auf die interimistische Führung eine Herkulesaufgabe zwischen lückenloser Aufklärung und operativer Stabilität wartet. Damit steht der ORF vor einer Phase der Entscheidungen, bei der nicht nur um eine Personalie geht, sondern auch um das Fundament des öffentlich-rechtlichen Vertrauens.

www.orf.at

Kommentar veröffentlichen

* Pflichtfelder.

leadersnet.TV