LEADERSNET: Sehr geehrter Herr Kraus, die Digital X geht in Wien in die zweite Runde. Was hat Sie nach der erfolgreichen Österreich-Premiere im Vorjahr dazu bewogen, das Format weiter auszubauen?
Werner Kraus: Nach der erfolgreichen Österreich-Premiere der Digital X im vergangenen Jahr war für uns klar, dass wir das Format weiter ausbauen wollen. Die Digitalisierung hat – insbesondere durch den rasanten Fortschritt im Bereich Künstliche Intelligenz – eine völlig neue Dimension erreicht und einen zusätzlichen Beschleuniger bekommen. Darum ist es wichtiger denn je, alle relevanten Akteur:innen zusammenzubringen: Unternehmen, Technologiepartner, Expert:innen sowie Entscheidungsträger:innen. Unser Ziel ist es, aufzuzeigen, was technologisch möglich ist – und vor allem, was operativ umsetzbar und wirtschaftlich sinnvoll ist. Mit der Digital X bieten wir eine Plattform für Inspiration, konkreten Erfahrungsaustausch und praxisnahe Einblicke in erfolgreiche Digitalisierungsprojekte.
LEADERSNET: Im Vorjahr fand die Messe in der Stadthalle statt, heuer geht sie in der Marx Halle über die Bühne. War das von Anfang an so geplant, oder hängt das mit dem Eurovision Song Contest zusammen?
Kraus: Nach dem Erfolg von letztem Jahr wollten wir heuer wachsen: inhaltlich und damit auch räumlich. Wir haben uns daher für die Marx Halle entschieden, die durch die große Fläche gestalterischen Spielraum bietet. So haben wir mehr Raum für die Umsetzung des Eventkonzepts, das uns neue Möglichkeiten in der Gestaltung der Ausstellungsflächen und der Bühnenformate eröffnet. Andererseits kommt uns die unmittelbare Nachbarschaft zum T-Center entgegen. Sie schafft eine inhaltliche Verbindung zu unserem Standort und unterstreicht den Innovations- und Technologiefokus der Veranstaltung.
LEADERSNET: Die Veranstaltung steht heuer unter dem Motto "Digital Heartbeat". Welche Botschaft wollen Sie damit insbesondere an österreichische Unternehmen senden?
Kraus: Das Motto "Digital Heartbeat" steht für die zentrale Rolle der Digitalisierung als Herzschlag moderner Unternehmen und unserer gesamten Wirtschaft. Wir wollen damit ein klares Signal an österreichische Unternehmen senden: Wir sind nicht nur Passagiere der digitalen Transformation, sondern die Kapitäne dieser Veränderung.
Gerade in Europa und in Österreich verfügen wir über enormes Know-how, Innovationskraft und unternehmerischen Mut. Oft ist uns gar nicht bewusst, wie viel wir bereits leisten – und wie viel wir noch gestalten können. "Digital Heartbeat" soll daher Selbstvertrauen stärken und dazu ermutigen, Digitalisierung aktiv voranzutreiben, Chancen zu ergreifen und neue Technologien nicht nur zu nutzen, sondern strategisch für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit einzusetzen.
LEADERSNET: Künstliche Intelligenz zieht sich wie ein roter Faden durch Panels, Keynotes und Masterclasses. Wo sehen Sie aktuell den größten Hebel für Unternehmen – und wo beobachten Sie noch Zurückhaltung?
Kraus: Künstliche Intelligenz ist derzeit einer der stärksten Treiber der digitalen Transformation. Kurzfristig sehen wir den größten Hebel klar bei Robotic Process Automation und Predictive AI. In diesen Bereichen gibt es bereits zahlreiche konkrete Anwendungsfälle, bei denen der Mehrwert schnell sichtbar wird – von der Automatisierung standardisierter Abläufe bis hin zu datenbasierten Prognosen in Vertrieb, Produktion oder Service. Mittel- und langfristig liegt das Potenzial vor allem bei Generative AI und Agentic AI. Hier erleben wir aktuell viele spannende Proof of Concepts und Pilotprojekte. Gleichzeitig beobachten wir noch Zurückhaltung, wenn es um den unmittelbaren Proof of Value geht.
Herausforderungen bestehen vor allem im Daten- und Prozessmanagement: Ohne saubere Datenbasis, klare Governance-Strukturen und durchdachte Integration in bestehende Abläufe bleibt der große Durchbruch aus. Der entscheidende Schritt wird daher sein, diese Technologien strategisch zu verankern und operativ sauber umzusetzen – dann entsteht daraus echter, nachhaltiger Mehrwert.
LEADERSNET: KI kann Expert:innen zufolge ihr volles Potenzial nur bei verantwortungsvoller Nutzung entfalten. Was bedeutet "verantwortungsvoll" konkret im unternehmerischen Kontext?
Kraus: "Verantwortungsvoll" bedeutet im unternehmerischen Kontext vor allem zweierlei: einen klaren, bewussten Umgang mit Daten – und eine ebenso bewusste Gestaltung der Transformation.
Zum einen geht es um Datensouveränität und Datenschutz. Unternehmen tragen eine große Verantwortung im Umgang mit Kunden- und unternehmensinternen Daten. Dazu gehören transparente Prozesse, hohe Sicherheitsstandards, klare Governance-Strukturen und die konsequente Einhaltung regulatorischer Vorgaben. Nur wenn Daten geschützt, korrekt genutzt und nachvollziehbar verarbeitet werden, entsteht das notwendige Vertrauen – intern wie extern.
Zum anderen bedeutet verantwortungsvolle KI auch Verantwortung gegenüber den eigenen Mitarbeiter:innen. KI verändert Prozesse, Rollenbilder und Anforderungen. Diese Transformation muss aktiv gestaltet werden: durch frühzeitige Einbindung, gezielte Weiterbildung und eine offene Kommunikation. Es geht darum, Ängste abzubauen, Kompetenzen aufzubauen und KI als Unterstützung und nicht als Bedrohung zu positionieren.
Erst wenn beide Dimensionen zusammenspielen – Datensouveränität und eine menschenzentrierte Transformation – kann KI ihr volles Potenzial nachhaltig und verantwortungsvoll entfalten.
LEADERSNET: Mit hochkarätigen Speaker:innen aus Wirtschaft, Politik und Sport schlagen Sie bewusst eine Brücke zwischen unterschiedlichen Disziplinen. Welche Rolle spielt dieser interdisziplinäre Austausch für den Innovationsstandort Österreich – und auf welche Persönlichkeiten freuen Sie sich besonders?
Kraus: So wie in jedem erfolgreichen Team Diversität ein entscheidender Erfolgsfaktor ist, gilt das auch für die Digitalisierung. Innovation entsteht selten im eigenen Silodenken – sie entsteht dort, wo unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen. Genau deshalb fördern wir ganz bewusst den interdisziplinären Austausch zwischen Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Sport.
Für den Innovationsstandort Österreich ist das von großer Bedeutung: Wenn verschiedene Disziplinen voneinander lernen, entstehen neue Denkansätze, Kooperationen und Lösungsmodelle. Digitalisierung ist kein rein technologisches Thema, sondern betrifft Strategie, Kultur, Führung und gesellschaftliche Rahmenbedingungen gleichermaßen. Dieser breite Dialog stärkt unsere Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig. Alle Speaker:innen und Gäste bringen eigene Perspektiven, Erfahrungen und Impulse mit – und genau diese Vielfalt macht den besonderen Wert der Veranstaltung aus.
LEADERSNET: Digitalisierung ist längst ein Wettbewerbsfaktor für ganze Volkswirtschaften. Wo steht Österreich derzeit im internationalen Vergleich – und welche Schritte sind notwendig, um nicht nur mitzuhalten, sondern voranzugehen?
Kraus: Digitalisierung ist heute ein klarer Wettbewerbsfaktor für Volkswirtschaften – und ihre Bewertung hängt stark davon ab, welche Indikatoren man heranzieht. Misst man etwa Infrastruktur, E-Government oder die AI Adoption Rate, ergibt sich jeweils ein differenziertes Bild.
Österreich steht in manchen Bereichen sehr gut da: Im internationalen Vergleich verfügen wir über eine hervorragende Mobilfunkinfrastruktur. Gleichzeitig haben wir bei der Glasfaserinfrastruktur noch Aufholbedarf. Mit der ID Austria besitzen wir ein ausgezeichnetes digitales Identitätssystem, das europaweit Maßstäbe setzt. Dennoch sind viele bürokratische Prozesse nach wie vor komplex und teilweise überreguliert, was die Innovationsgeschwindigkeit hemmt.
Wenn wir nicht nur mithalten, sondern vorangehen wollen, braucht es vor allem drei Dinge: stärkere Vernetzung, konsequenten Wissensaustausch und den Mut zur Umsetzung. Entscheidend ist, voneinander zu lernen und Schritt für Schritt konkrete, wirksame Projekte zu realisieren. Innovation entsteht nicht durch Strategiepapiere allein, sondern durch konsequente Umsetzung – hier liegt der Hebel für den Standort Österreich.
LEADERSNET: Die Digital X versteht sich als praxisnahe Plattform mit konkreten Use Cases. Wie wichtig ist es aus Ihrer Sicht, dass Digitalisierung nicht nur diskutiert, sondern erlebbar gemacht wird?
Kraus: Es ist sehr, sehr wichtig – das ist aus meiner Sicht sogar der Schlüssel. Digitalisierung und insbesondere Themen wie KI, Cloud oder Cybersecurity sind hochkomplex und stark miteinander vernetzt. Wenn man ausschließlich auf theoretischer Ebene darüber spricht, bleiben viele Potenziale abstrakt. Erst durch konkrete Use Cases wird greifbar, was tatsächlich möglich ist – technologisch, operativ und wirtschaftlich. Praxisbeispiele helfen dabei, Zusammenhänge besser zu verstehen, Hemmschwellen abzubauen und eigene Anknüpfungspunkte im Unternehmen zu erkennen. Digitalisierung muss erlebbar sein, weil sie sonst schnell als Schlagwort wahrgenommen wird. Wenn man jedoch sieht, wie Lösungen konkret implementiert wurden, welche Herausforderungen es gab und welchen messbaren Mehrwert sie geschaffen haben, entstehen Inspiration und Umsetzungswille.
LEADERSNET: Welche strategische Rolle spielt die Digital X für Magenta Telekom selbst – ist sie eher Innovationsschaufenster, Kundenplattform oder Impulsgeber für neue Geschäftsmodelle?
Kraus: Für uns steht klar im Vordergrund: Die Digital X ist in erster Linie ein Impulsgeber und bietet eine Plattform zur Vernetzung. Sie bringt all jene zusammen, die aktiv an der Digitalisierung arbeiten – Unternehmen, Partner:innen, Start-ups, Expert:innen sowie Entscheidungsträger:innen aus unterschiedlichen Bereichen. Natürlich ist sie auch ein Ort, an dem Innovation sichtbar wird und konkrete Lösungen präsentiert werden. Aber ihr strategischer Kern geht darüber hinaus: Wir wollen ein Ökosystem stärken, das gemeinsam daran arbeitet, Österreich und Europa zukunftsfit zu machen. Damit ist die Digital X ein Katalysator für Austausch, Kooperation und neue Ideen – mit dem klaren Ziel, Digitalisierung gemeinsam voranzutreiben.
Eindrücke von der Digital X im Vorjahr sehen Sie in unserer Galerie.
www.digital-x.com
www.magenta.at
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