LEADERSNET: Sehr geehrter Herr Šeranić, am 24. Februar 2026 werden Sie in Wien an der internationalen Fachkonferenz für Gesundheitswesen "Booking Health" teilnehmen (LEADERSNET berichtete). Welche Inhalte und Einblicke werden dort mit den Teilnehmer:innen geteilt und an welche Zielgruppen richtet sich diese Plattform?
Alen Šeranić: Zunächst ist dies eine bedeutende Gelegenheit, die Republika Srpska an einem Ort zu präsentieren, der Entscheidungsträger:innen in Gesundheitssystemen, Manager:innen von Gesundheitseinrichtungen, Vertreter:innen privater und öffentlicher Kliniken, Expert:innen im Bereich Medizintourismus, Investor:innen sowie internationale Partner:innen versammelt, die an grenzüberschreitender Gesundheitszusammenarbeit interessiert sind.
Ziel ist es, die Kapazitäten des Gesundheitssystems der Republika Srpska vorzustellen – von moderner Diagnostik und interventionellen Verfahren bis hin zu Potenzialen für die Entwicklung des Medizintourismus. Darüber hinaus werden wir Erfahrungen im Bereich der Organisation des Gesundheitssystems, der Finanzierungsmodelle sowie der Reformprozesse teilen, die wir mit dem Ziel einer langfristigen Nachhaltigkeit und Modernisierung des Sektors umsetzen. Wir sind der Ansicht, dass der Austausch von Wissen und bewährten Praktiken mit internationalen Partner:innen von großer Bedeutung für die weitere Entwicklung unseres Systems ist.
LEADERSNET: Europa arbeitet zunehmend an einer stärkeren Zusammenarbeit im Bereich der Gesundheitsversorgung. In welche Richtung sollte sich diese Entwicklung Ihrer Meinung nach künftig bewegen?
Šeranić: Ich denke, dass die meisten Gesundheitssysteme heute mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert sind – vor allem mit Personalmangel und ungleichem Zugang zu Leistungen bei gleichzeitig alternder Bevölkerung. Nach früheren Schätzungen von WHO und UNICEF fehlen allein in der europäischen Region etwa 230.000 Ärzt:innen, und das Problem des Mangels sowie der Migration von Pflegekräften ist weltweit noch größer.
Daher bin ich überzeugt, dass sich jede künftige Entwicklung in Richtung Solidarität, Integration und inklusiver Modelle bewegen sollte, während gleichzeitig die Widerstandsfähigkeit der Gesundheitssysteme gestärkt wird. Gerade die Erfahrungen aus der Pandemie haben gezeigt, dass die grenzüberschreitende Zusammenarbeit weiter ausgebaut werden muss – nicht nur im Bereich der öffentlichen Gesundheit.
Ein Vorteil des europäischen Raums besteht darin, dass er einen schnelleren Austausch von Wissen, Innovationen und medizinischen Technologien ermöglichen kann, unter Wahrung der Besonderheiten jedes einzelnen Gesundheitssystems.
Unser Fokus in der Republika Srpska liegt auch auf der Entwicklung der Primärversorgung sowie auf Präventionsprogrammen. Als Gesundheitsfachkräfte wissen wir, dass Bildung und Information der Bürger:innen mitunter die stärksten Waffen gegen Krankheiten sind. Auch wenn die moderne Medizin außergewöhnliche Erfolge in der Behandlung erzielt, bleibt Prävention unser stärkster Verbündeter. Unser Ziel ist es, die Kapazitäten für Krankheitsprävention, Früherkennung sowie integrierte und individualisierte Gesundheitsversorgung zu stärken und sicherzustellen, dass Gesundheitseinrichtungen aller Ebenen als einheitliches Netzwerk funktionieren, das auf die Bedürfnisse jedes:r einzelnen Patient:in ausgerichtet ist.
LEADERSNET: Die Republika Srpska hat innerhalb von Bosnien und Herzegowina im Bereich des Gesundheitstourismus viel zu bieten. Da in Österreich eine große Zahl von Bürger:innen mit Herkunft aus der Republika Srpska lebt und es eine Zusammenarbeit zwischen den Krankenversicherungsfonds der Republika Srpska und Österreichs gibt, bestehen zahlreiche Möglichkeiten der Kooperation. Beispielsweise könnten Patient:innen durch eine intensivere Zusammenarbeit lange Wartelisten vermeiden. Welche spezifischen Leistungen werden in der Republik Srpska angeboten?
Šeranić: Auf Grundlage der Zusammenarbeit zwischen dem Krankenversicherungsfonds der Republika Srpska und den österreichischen Fonds können Patient:innen aus Österreich Gesundheitsleistungen zu günstigen Bedingungen in Anspruch nehmen – die Europäische Krankenversicherungskarte für österreichische Versicherte gilt auch in der Republika Srpska.
Ausländische Patient:innen nutzen bereits qualitativ hochwertige Leistungen in der Zahn- und ästhetischen Medizin, die den Fortschritt dieser Fachbereiche und weltweite Trends sehr gut widerspiegeln. Angeboten werden zudem hochwertige und sichere Leistungen in den Bereichen Chirurgie, Ophthalmologie, Orthopädie sowie physikalische Rehabilitation.
Künftig könnten wir – sofern Interesse besteht – auch über sogenannte touristische Hämodialyse nachdenken, da wir in der Republika Srpska über entwickelte Hämodialysezentren verfügen. Angesichts der beschleunigten Alterung der Bevölkerung wächst zudem der Bedarf an Pflegeheimen mit qualitativ hochwertiger medizinischer Betreuung.
Besonders hervorheben möchte ich unsere Kur- und Erholungskapazitäten, die nicht nur Behandlungs- und Rehabilitationsleistungen anbieten, sondern sich einem modernen Ansatz – Wellness und Wellbeing – zugewandt haben. Zu den ersten Einrichtungen in der Republik Srpska, die dieses Konzept übernommen haben, zählt das ZTC "Banja Vrućica". Als Regierung der Republik Srpska haben wir eine ähnliche Entwicklung auch im renommierten Institut "Dr. Miroslav Zotović" unterstützt, zu dem das Kurbad Slatina sowie seit Kurzem auch das moderne Objekt "Terme Banja Luka" gehören. Darüber hinaus wurden erhebliche Investitionen in die Kapazitäten des Spezialkrankenhauses für Physikalische Medizin und Rehabilitation "Mlječanica" getätigt, eines der Motoren des Gesundheitstourismus in unserem Land.
LEADERSNET: Das österreichische Gesundheitssystem zählt zu den besten der Welt. Wie könnte es Ihrer Meinung nach durch eine Zusammenarbeit mit der Republik Srpska zusätzlich profitieren und weiter verbessert werden?
Šeranić: Ich denke, wir sollten danach streben, die Republika Srpska als verlässlichen Partner im regionalen und europäischen Gesundheitsnetzwerk zu positionieren – offen für Zusammenarbeit, Investitionen und Wissensaustausch.
Solche Konferenzen bieten die Gelegenheit, die Potenziale der Republika Srpska im europäischen Kontext zu präsentieren – als neue Destination des Gesundheitstourismus, aber auch zur Stärkung der Zusammenarbeit mit Österreich, sowohl auf institutioneller Ebene als auch durch direkte Kontakte zwischen Gesundheitseinrichtungen, Fachverbänden und Investor:innen.
Österreich verfügt bekanntlich über ein entwickeltes und hoch standardisiertes Gesundheitssystem. Wir sind überzeugt, dass es Raum für eine intensivere Zusammenarbeit, gemeinsame Projekte und den Austausch von Fachkräften im Gesundheitswesen gibt. Die Republika Srpska besitzt Potenziale im Gesundheitstourismus, insbesondere durch die Nutzung von Thermomineralquellen und medizinischen Kapazitäten, die auch als Investitionschancen betrachtet werden sollten.
LEADERSNET: Befindet sich das Gesundheitssystem der Republika Srpska auf einem ähnlichen Qualitätsniveau wie das österreichische System? Wo liegen die Unterschiede und wo seine Stärken?
Šeranić: Natürlich können wir nicht von denselben Kapazitäten sprechen, da das österreichische System in Bezug auf Zugänglichkeit, Technologie und Behandlungsergebnisse zu den besten in Europa zählt. Es ist zudem hoch digitalisiert, während sich dieser Ansatz im Gesundheitswesen der Republika Srpska noch weiterentwickelt – wobei wir sagen können, dass die Digitalisierung schneller voranschreitet als in einigen anderen Ländern unserer Region. Auch die Gesundheitsausgaben unterscheiden sich erheblich – sowohl pro Kopf als auch in absoluten Zahlen.
Dennoch können wir durchaus von einer Stärkung der Kapazitäten und einer Weiterentwicklung des Gesundheitssystems der Republika Srpska sprechen, insbesondere bei spezialisierten Leistungen, die für österreichische Bürger:innen interessant sind. Unsere Stärke liegt in der hohen Qualität und Sicherheit der Leistungen sowie in gut ausgestatteten Gesundheitseinrichtungen mit modernen medizinischen Geräten, die qualitativ europäischen und weltweiten Standards nicht nachstehen, da sie von renommierten internationalen Herstellern stammen.
Für hochwertige Leistungen sind selbstverständlich auch gut ausgebildete und professionelle Fachkräfte erforderlich, in deren Weiterbildung erheblich investiert wird. Die Republik Srpska ist stolz darauf, trotz ihrer geringen Größe in der Ausbildung des Personals mit führenden internationalen medizinischen Expert:innen und Zentren zusammenzuarbeiten.
Ein besonderer Vorteil besteht zudem darin, dass all diese Leistungen für ausländische Patient:innen finanziell deutlich erschwinglicher sind als in ihren Heimatländern.
Besonders hervorheben möchte ich, dass die Krankenhäuser der Republika Srpska nach einer jüngsten Bewertung der Weltbank im Hinblick auf Effizienz im Krankenhaussektor die besten Indikatoren unter allen Ländern des Westbalkans aufwiesen.
LEADERSNET: In welchem Maße beeinflussen auch die Behandlungsbedingungen die Qualität des Gesundheitsangebots? Glauben Sie, dass sie mit den europäischen Standards Schritt halten können?
Šeranić: Ohne falsche Bescheidenheit denke ich, dass wir im größten Teil des Krankenhaussektors diese Standards erreicht haben – und das ist vielleicht der Teil meiner Amtszeit, auf den ich am meisten stolz bin.
In den vergangenen Jahren haben wir rund 230 Millionen Euro in den Bau, die Modernisierung und die Ausstattung unserer Krankenhäuser investiert. Die jüngste große Investition, die wir Anfang dieses Jahres abgeschlossen haben, ist der Bau und die Ausstattung eines neuen, repräsentativen Krankenhauses in Trebinje. Es handelt sich um ein Krankenhaus einer neuen Generation, das die Art und Weise der Gesundheitsversorgung in der gesamten Region Herzegowina verändern wird.
Mit diesem Objekt wollen wir unter anderem auch einen Schritt in Richtung kommerzieller Dienstleistungen für ausländische Staatsbürger:innen setzen – neben der regulären Gesundheitsversorgung unserer Bevölkerung. Dank des günstigen Klimas und der geografischen Lage in Meeresnähe kann Trebinje Patient:innen aus dem Ausland anziehen – selbstverständlich bei hoher Servicequalität.
Zuvor haben wir auch ein neues Krankenhaus in Doboj errichtet, das die sekundäre Gesundheitsversorgung in dieser Region grundlegend transformiert hat, sowie Krankenhäuser in Istočno Sarajevo und Bijeljina. Mit jedem neuen Gebäude und jeder neuen Ausstattung steigt auch das Niveau und die Qualität der Leistungen für die Patient:innen.
Das Ziel des Ministeriums für Gesundheit und soziale Fürsorge ist es, die Gesundheitsleistungen zu standardisieren und sicherzustellen, dass Bürger:innen der Republika Srpska in allen Teilen des Landes die gleiche Qualität der Gesundheitsversorgung erhalten. Ein Beispiel: Wir begannen mit einem Angiographie-Saal in Banja Luka, heute verfügen wir über ein Netzwerk solcher Säle in der gesamten Republika Srpska.
LEADERSNET: Vielen Dank!
www.vladars.rs
www.bookinghealthinsrpska.com
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