Ulli Retter im Interview
"Unsere Gäste investieren nicht nur in Erholung, sondern in Lebensqualität"

Im LEADERSNET-Interview spricht Ulli Retter, Chefin vom Bio-Natur-Resort Retter, über 140 Jahre gelebte Verantwortung. Zudem erklärt sie, warum Nachhaltigkeit für sie kein Trend, sondern ein Unternehmensprinzip ist, weshalb Seminare heute produktive Denkorte mit Retreat-Charakter brauchen, und wie 100 Prozent Bio-Kulinarik, Regeneration und intelligente Digitalisierung zu einem ganzheitlichen Erfolgsmodell verschmelzen können.

LEADERSNET: Sehr geehrte Frau Retter, das Bio-Natur-Resort Retter ist österreichweit bekannt. Wofür steht die Marke?

Ulli Retter: Wir stehen für ehrliche Qualität mit Haltung. Das Bio-Natur-Resort Retter verbindet 100 Prozent Bio-Kulinarik, echte Gastfreundschaft, Naturverbundenheit und professionelle Seminarbedingungen auf höchstem Niveau. Unsere Marke steht für einen Ort, an dem Menschen auftanken, klarer denken und wieder in ihre Kraft kommen – im Urlaub genauso wie bei einer strategischen Klausur.

Und ganz entscheidend: Wir tun das nicht als Trend, sondern aus Überzeugung. Nachhaltigkeit ist bei uns kein Marketinginstrument, sondern gelebte Verantwortung – seit Generationen.

LEADERSNET: Ihre Familie feiert im Jahr 2026 ihr 140-jähriges Jubiläum an diesem Platz. Auf welche Meilensteine darf der Betrieb zurückblicken – worauf sind Sie besonders stolz?

Retter: 140 Jahre sind ein Geschenk – und eine Verpflichtung zugleich. Wir haben es geschafft, uns über Generationen weiterzuentwickeln, ohne unsere Werte zu verlieren. Ein Meilenstein war die konsequente Entscheidung für Bio und Nachhaltigkeit – lange bevor das Mainstream wurde. Ebenso der Aufbau unseres Hauses als führendes Seminarhotel Österreichs sowie die Realisierung des ersten "Bio | Organic | Spa", das heute als Vorzeigeprojekt gilt. Am meisten erfüllt mich jedoch, dass wir trotz Wachstum ein echter Familienbetrieb geblieben sind – mit Handschlagqualität, Herz und persönlicher Nähe zu unseren Gästen.

LEADERSNET: Als Seminarhotel hat sich Ihr Resort am nationalen MICE Markt die Pole-Position erkämpft. Was zeichnet eure Seminare aus?

Retter: Wir vermieten keine Räume – wir schaffen produktive Denkorte. Unsere Klausuren, Incentives und Seminare verbinden Professionalität, Ruhe und Inspiration. Der Seminarbereich ist technisch State of the Art,
flexibel nutzbar und gleichzeitig eingebettet in die Natur. Dazu kommen hochwertige Rahmenprogramme – von Top-Speakern bis zu kreativen Teamevents wie Seifenkistenbauen, Disc-Golf-Turnieren, 
Brotbacken oder Kräuterdestillieren im BioGut.

Und ein zentraler Erfolgsfaktor: unser 100 Prozent Bio-Genuss. Hochwertige Ernährung beeinflusst nachweislich Konzentration, Energie und Stimmung. Wir denken Tagungen ganzheitlich – von der klimafreundlichen Anreise mit E-Mobilität (50 E-Ladestationen stehen zur Verfügung) über bewusst gestaltete Energiepausen bis zur Regeneration im Spa.

LEADERSNET: Mit dem Ausbau des In- und Outdoor-Wellness-Bereichs haben Sie eine Oase im steirischen Pöllauer Tal erschaffen. Was wird den Gästen alles geboten?

Retter: Auf rund 3.200 Quadratmetern bieten wir zwei eigenständige Wellnesswelten: "Bewusst.Sein" für Familien und "Wald.Sein" (adults only). Highlights sind der 25-Meter-Waldpool, ein Naturschwimmteich – ideal auch zum Eisbaden –, mehrere Saunen, großzügige Ruhebereiche, Soledampfbad, Infrarotangebote sowie zahlreiche Rückzugsorte mit Blick ins Grüne. Direkt vom Resort führen Lauf- und Wanderwege durch das Pöllauer Tal.

Es geht nicht um größer oder lauter, sondern um echte Regeneration. Unsere Wellnesswelt ist so gestaltet, dass sie zur Landschaft passt – und Menschen wieder mit sich selbst verbindet und kräftigt. Dazu gehören seit letztem Jahr auch unsere Longevity-Retreats und unseren Sportcoaches, Mediationslehrern und Biohacking-Experten, wie Christian Red oder Josef Köberl.

LEADERSNET: Das Bio-Natur-Resort Retter befindet sich nur unweit der Wallfahrtskirche Pöllauberg. Ist dieser Spirit auch in Ihrem Betrieb zu fühlen?

Retter: Ja – ganz ohne Esoterik. Ja – und zwar ganz ohne esoterisch zu sein. Kirchen stehen immer auf alten Kultplätzen und unsere Region hat eine besondere Kraft. Viele Gäste sagen, dass sie hier schneller zur Ruhe kommen und klarer werden. Ich glaube, das liegt an der Landschaft, an der Stille und an dieser besonderen Atmosphäre rund um den Pöllauberg. Und natürlich auch daran, dass wir als Betrieb unsere seit 1993 zertifizierten Obstbau mit Streuobstwegen mit Lernstationen zur Naturvielfalt entlang der schon bald 200 Jahre alten Streuobstbäume geöffnet haben.

Unsere Gäste werden von uns auch in die Produktion unseres täglich frisch gebackenen Brots, Speiseeis, Marmeladen, Kräutertees bei Führungen und Verkostungen einbezogen und erfahren, wie wichtig es uns ist, die Bauern der Region mit ihren Lebensmitteln wertzuschätzen, bei ihnen einzukaufen und damit den Erhalt unserer wunderschönen Kulturlandschaft zu sichern. Dass wir hier mit größtem Respekt gegenüber Menschen und den Ressourcen und der Natur handeln, wird hier klar spürbar und motiviert unsere Gäste auch zu Hause bewusster zu leben und einzukaufen.

LEADERSNET: Der Name Retter steht für einen engagierten Familienbetrieb. Welche Zielgruppen fühlen sich in Ihrem Haus besonders wohl?

Retter: Unsere Gäste verbindet ein gemeinsamer Nenner: Sie suchen Qualität mit Sinn. Business- und Seminarteilnehmer:innen, die fokussiert arbeiten und gleichzeitig regenerieren möchten. Urlaubsgäste, die Natur, Wellness und hochwertige Bio-Kulinarik schätzen. Menschen, die bewusst reisen und mehr wollen als Konsum. Unsere Gäste investieren nicht nur in Erholung – sondern in Lebensqualität.

LEADERSNET: Tagungstourismus wurde bei Ihnen gerade im Lichte von Digitalisierung und künstlicher Intelligenz neu definiert. Wie unterscheidet sich der Betrieb von Mitbewerbern?

Retter: Wir sehen Digitalisierung und KI als Chance – für effizientere Prozesse, neue hybride Formate und innovative Moderationstools. Der Unterschied: Technologie steht bei uns nie im Vordergrund. Sie unterstützt das Wesentliche – den Menschen. Die Zukunft des Tagungstourismus liegt nicht in noch mehr Technik, sondern in der intelligenten Verbindung von Technologie und echter Begegnung. Diese Kombination ist selten – und genau das macht unseren Wettbewerbsvorteil aus.

LEADERSNET: Sowohl bei der Kulinarik als auch beim Thema Nachhaltigkeit seid ihr Trendsetter. Was wird geboten – wohin geht da die Reise?

Retter: Wir bieten rund um die Uhr 100 Prozent Bio-Kulinarik – als klares Genussversprechen. Regional, saisonal, kreativ, modern. Auch vegetarische und vegane Gäste finden bei uns eine außergewöhnliche Vielfalt. Nachhaltigkeit verstehen wir als Gesamtsystem: Energieeinsparung, Ressourcenschonung, regionale Wertschöpfung und wertschätzende Mitarbeiterführung gehören untrennbar zusammen. Nachhaltigkeit ist kein Projekt – sie ist ein Unternehmensprinzip.

Die Reise geht in Richtung noch mehr Regionalität, mehr Kreislaufwirtschaft und mehr Bewusstseinsbildung.

LEADERSNET: Wohin wird sich – Ihres Erachtens – Seminartourismus entwickeln?

Retter: Seminare werde stärker in Richtung Sinn, Gesundheit und echte Begegnung gehen. Viele Unternehmen merken: Es reicht nicht mehr, Menschen in einen Raum zu setzen und ein PowerPoint-Programm abzuspulen. Es geht um Teamkultur, mentale Gesundheit, Kreativität und echte gemeinsame Erlebnisse. Seminare werden mehr "Retreat-Charakter" bekommen – mit Bewegung, Natur, Regeneration und bewusst gestalteten Rahmenprogrammen. Und gleichzeitig wird die Technik weiter aufrüsten: hybride Meetings, KI-Tools, digitale Moderation. Die Zukunft gehört jenen Häusern, die Innovation und Menschlichkeit konsequent verbinden.

LEADERSNET: Zum Abschluss noch eine philosophische Frage: Dürfen wir uns auf die Zukunft freuen oder müssen wir diese mit großem Respekt erwarten?

Retter: Beides. Wir dürfen uns freuen, über technologische, medizinische und gesellschaftliche Möglichkeiten. Gleichzeitig müssen wir Verantwortung übernehmen, weil unsere heutigen Entscheidungen enorme Auswirkungen haben. Für jede kurzfristig günstige, aber unüberlegte Entscheidung werden wir langfristig bezahlen. Transparenz – etwa durch klare Lebensmittelkennzeichnung – ist für mich ein wichtiger Schritt zu fairem Wirtschaften. Unsere Aufgabe ist es, Hoffnung mit Verantwortung zu verbinden.

LEADERSNET: Vielen Dank.

www.retter.at

Kommentar veröffentlichen

* Pflichtfelder.

leadersnet.TV