Jobunsicherheit in Österreich
Angespannter Arbeitsmarkt erhöht Leistungsbereitschaft von Beschäftigten

| Tobias Seifried 
| 11.02.2026

Laut aktuellem Arbeitsmarkt-Kompass wird die Jobsuche in Österreich zunehmend schwieriger, weshalb bei Bewerber:innen und Wechsler:innen neue Prioritäten hinsichtlich der Arbeitgeberwahl in den Vordergrund rücken. Mitarbeiter:innen sind wiederum bereit für mehr Einsatz und Verantwortung.

Die Ergebnisse des aktuellen Arbeitsmarkt-Kompass' (siehe Infobox) zeichnen ein vielschichtiges Bild des österreichischen Arbeitsmarktes. Konkret zeigt die Längsschnittuntersuchung von Marketagent in Kooperation mit Leitbetriebe Austria, dass die wahrgenommene Leichtigkeit, einen neuen Job zu finden, weiter abnimmt, während zugleich die Bereitschaft der Beschäftigten, Leistung zu erbringen, steigt. Erstmals wurde der heimische Arbeitsmarkt zudem mit sieben weiteren europäischen Ländern verglichen.

Österreich im europäischen Vergleich im Mittelfeld

Im internationalen Benchmark mit Deutschland, der Schweiz, Frankreich, Italien, Spanien, Polen und Slowenien positioniert sich Österreich bei zentralen Kennzahlen im soliden Mittelfeld. Insgesamt empfinden 55,2 Prozent der Beschäftigten in Österreich die aktuelle Jobsuche als sehr oder eher leicht. Damit liegt der Wert unter jenem von Deutschland und Slowenien, jedoch über den Ergebnissen aus Frankreich, Spanien und Italien. Bei der Jobzufriedenheit bleibt unser Land mit 82,7 Prozent auf hohem Niveau.

Der Vergleich zeige, dass sich die Herausforderungen am Arbeitsmarkt europaweit ähnelten, wenn auch mit unterschiedlichen Ausprägungen, erklärt Thomas Schwabl, Gründer und Geschäftsführer von Marketagent. Österreich stehe im internationalen Kontext stabil da, gleichzeitig nehme jedoch auch hier die Verunsicherung zu. "Das ist kein isoliertes Phänomen, sondern Teil einer europäischen Entwicklung", so Schwabl.

Arbeitsmarktkompass

Sicherheit gewinnt bei der Jobsuche an Bedeutung

Bei der Jobsuche setzen Arbeitnehmer:innen in Österreich zunehmend auf Stabilität und Verlässlichkeit. Ein faires Gehalt bleibt das zentrale Kriterium, während ein gutes Arbeitsklima, Jobsicherheit und flexible Arbeitszeiten weiter an Bedeutung gewinnen. Zusatzleistungen, Benefits oder Aspekte wie Selbstverwirklichung treten hingegen stärker in den Hintergrund. Die Prioritäten verschieben sich demnach eindeutig in Richtung planbarer Rahmenbedingungen.

Wahrgenommene Job-Leichtigkeit auf neuem Tiefstand

Parallel dazu sinkt die Einschätzung, wie einfach ein Jobwechsel aktuell möglich ist. Im vierten Quartal 2025 bewerten nur noch 51,3 Prozent der unselbstständig Beschäftigten die Jobsuche als leicht – der niedrigste Wert seit Beginn der Erhebung. Auch die Gehaltserwartungen bei einem Jobwechsel bleiben gedämpft. Die Ergebnisse deuten auf eine wachsende Vorsicht und eine realistischere Einschätzung der Arbeitsmarktlage hin.

Steigende Leistungsbereitschaft unter klaren Bedingungen

Gleichzeitig zeigt sich der Langzeitstudie zufolge eine gegenläufige Entwicklung: Die Motivation, Leistung zu erbringen, nimmt zu. 62,9 Prozent der Beschäftigten identifizieren sich mittlerweile mit der Arbeitsphilosophie "Work hard, play hard". Viele seien bereit, mehr Einsatz und Verantwortung zu übernehmen, knüpften dies jedoch an faire und transparente Rahmenbedingungen.

Die Ergebnisse würden eine klare Entwicklung erkennen lassen, hält Monica Rintersbacher, Geschäftsführerin von Leitbetriebe Austria, fest. "Der österreichische Arbeitsmarkt verliert an Leichtigkeit", so Rintersbacher. Beschäftigte setzten stärker auf Leistung, Verlässlichkeit und realistische Perspektiven. Klare Rahmenbedingungen und eine faire Balance zwischen Einsatz und Sicherheit gewännen daher deutlich an Bedeutung.

Ausblick auf 2026

Mit gedämpfter Dynamik, aber klaren Signalen geht der Arbeitsmarkt den Expert:innen zufolge ins noch junge Jahr 2026. Während Leichtigkeit weiter an Gewicht verliere, rückten Stabilität und Leistungsorientierung in den Vordergrund. Für Unternehmen bedeute das wachsende Anforderungen an Verlässlichkeit und faire Leistungsabgeltung. Beschäftigte verfolgten zunehmend einen pragmatischen Zugang zur Karriere – mit weniger Illusionen, dafür mehr Orientierung und Einsatzbereitschaft.

www.marketagent.com

www.leitbetriebe.at

www.arbeitsmarktkompass.at

Studiensteckbrief

  • Auftraggeber: Eigenstudie in Kooperation mit Leitbetriebe Austria
  • Methode: Mobile Research Tool via Smartphone App
  • Erhebungszeitraum: 1.1.2025 – 31.12.2025
  • Sample-Größe Österreich: n = 666 Netto-Interviews (Q4/2025) bzw. n = 3.219 Netto-Interviews (2025 gesamt)
  • Kernzielgruppe: Unselbständig Berufstätige im Alter zwischen 18 und 69 Jahren
  • Quotensteuerung: Sample repräsentativ für die erwerbstätige Bevölkerung I gewichtet nach Daten des Mikrozensus 2023 

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Studiensteckbrief

  • Auftraggeber: Eigenstudie in Kooperation mit Leitbetriebe Austria
  • Methode: Mobile Research Tool via Smartphone App
  • Erhebungszeitraum: 1.1.2025 – 31.12.2025
  • Sample-Größe Österreich: n = 666 Netto-Interviews (Q4/2025) bzw. n = 3.219 Netto-Interviews (2025 gesamt)
  • Kernzielgruppe: Unselbständig Berufstätige im Alter zwischen 18 und 69 Jahren
  • Quotensteuerung: Sample repräsentativ für die erwerbstätige Bevölkerung I gewichtet nach Daten des Mikrozensus 2023 

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