Interview mit Robert Stolz
"Nachhaltigkeit darf keine Marketingmaßnahme sein – sie muss Haltung zeigen"

Im LEADERSNET-Interview spricht Robert Stolz, Geschäftsführer von Culligan Austria, u. a. über emissionsfreie Wasserlogistik, digitale Wartungssysteme sowie den wahren Nutzen von Refill-Flaschen, und erklärt, warum er das Pfandsystem für eine Alibi-Lösung hält und wie das Unternehmen ökologisch erfolgreich Wirtschaft und Verantwortung verbinden will.

LEADERSNET: Sehr geehrter Herr Stolz, Culligan wächst seit Jahren erfolgreich – gleichzeitig investieren Sie konsequent in Nachhaltigkeit. Wie lässt sich ökonomischer Erfolg mit ökologischer Verantwortung in Ihrem Unternehmen verbinden?

Robert Stolz: Wir sehen darin keinen Widerspruch, sondern eine logische Verbindung. Denn unsere leitungsgebundenen Wasserspender ermöglichen es unseren Kund:innen, auf abgefülltes Wasser zu verzichten. Wasser aus einem leitungsgebundenen Wasserspender ist die nachhaltigste Art, zu trinken. Das Leitungswasser wird direkt vor Ort durch unsere Produkte gefiltert und in der gewünschten Temperatur und mit oder ohne Kohlensäure verfügbar gemacht. Unser Anspruch ist es, nachhaltige Lösungen nicht nur anzubieten, sondern sie selbst auch konsequent zu leben. Das ist für uns authentisch und langfristig der richtige Weg.

LEADERSNET: Ihre CSR-Strategie ruht auf mehreren Säulen – von Emissionsreduktion über Zero Waste bis zu sozialen Projekten. Welche davon liegt Ihnen persönlich besonders am Herzen – und warum?

Stolz: Ganz klar: die E-Mobilität. Weil wir als Dienstleister täglich bei unseren Kund:innen vor Ort sind, ist Logistik ein großer Hebel – und daher setzen wir bewusst auf grüne Logistik. Wir betreiben aktuell 69 vollelektrische Fahrzeuge – nicht nur im Vertrieb, sondern auch in der Technik und der Logistik. Auch unser 40-Tonnen-Schwerlaster für die Alpenwasserlieferung von der Produktion in die Niederlassungen ist elektrisch unterwegs – das ist europaweit einzigartig in unserer Branche. Die gesamte Kette – von der Quelle bis zur letzten Meile – funktioniert bei uns emissionsfrei. Das ist für mich echte Pionierarbeit.

LEADERSNET: Ein wichtiger Schritt war die Einführung von E-Mobilität und der Ausbau der Photovoltaik-Anlage. Welche konkreten Effekte haben diese Maßnahmen bisher auf Ihren CO₂-Fußabdruck?

Stolz: CO₂-Einsparungen sind oft abstrakt. Deshalb kommunizieren wir intern lieber in Litern eingespartem Diesel – das ist greifbar. Unser Ziel für 2025 ist es, 60.000 Liter Diesel einzusparen. Und wir sind auf Kurs: 60.551 Liter haben wir im Jahr 2025 bereits eingespart. Möglich wird das durch eine intelligente Routenplanung, neue Ladeinfrastruktur und die Umstellung unserer Prozesse.

LEADERSNET: Culligan setzt stark auf das Thema "Zero Waste". Was bedeutet das im Kontext Ihrer Produkte – und wie gelingt es, Nachhaltigkeit auch in der Lieferkette und im täglichen Geschäft zu leben?

Stolz: Unsere Kund:innen erleben "Zero Waste" beim Trinken – aber wir setzen es auch intern um. Wir haben täglich über 1.000 Anlieferungen und führen 60.000 Hygieneservices pro Jahr durch. Dabei verzichten wir auf Einwegmaterialien, nutzen Mehrwegtücher und setzen auf digitale Tools, wie Routenplanung, und dank IoT wird gemeldet, wann Servicebedarf besteht. Unsere Mietgeräte werden zudem "refurbished", so verlängern wir Lebenszyklen und reduzieren Abfall.

LEADERSNET: Besonders spannend sind Ihre Kooperationen mit Schulen, die Sie mit Wasserspendern ausstatten. Was steckt hinter diesem Engagement – und welche Wirkung möchten Sie damit langfristig erzielen?

Stolz: Die junge Generation lebt das Refill-Prinzip bereits. Kinder und Jugendliche nehmen ihre Trinkflasche ganz selbstverständlich im Alltag mit. Dieses Verhalten wollen wir von Anfang an stärken – mit Wasserspendern, die gekühltes und prickelndes Wasser liefern. Unser Ziel ist, Bewusstsein zu schaffen, bevor sich schlechte Gewohnheiten entwickeln.

LEADERSNET: Nachhaltigkeit erfordert Investitionen. Wie überzeugen Sie intern und extern davon, dass ökologische Maßnahmen keine Kostenfaktoren, sondern Zukunftsinvestitionen sind?

Stolz: Nachhaltigkeit ist bei uns in der Firmenkultur verankert. Wir haben die E-Flotte schon vor Jahren gestartet und das war kein einfacher Weg. Aber wir haben es vorgelebt, nicht verordnet. Heute erzählen Mitarbeitende ihren Kindern zu Hause stolz, dass sie elektrisch unterwegs sind. Diese Identifikation entsteht nicht über PowerPoint-Folien, sondern über echte Erfahrungen. Und wenn es einfach wäre, würden es alle machen.

LEADERSNET: Sie haben sich öffentlich kritisch zum neuen Einwegpfandsystem geäußert und sprechen von einer "Alibi-Lösung". Warum sehen Sie das Pfand nicht als echten Beitrag zum Umweltschutz – und wie würde aus Ihrer Sicht eine wirklich nachhaltige Alternative aussehen?

Stolz: Es ist gut, dass etwas passiert, aber das Pfand löst das Grundproblem nicht. Es organisiert Einweg besser, aber verhindert Einweg nicht. Österreich füllt jährlich rund 700 Millionen Liter Wasser in Einweg-PET-Flaschen ab, und das ist enorm. In Ländern wie Belgien gibt es ein Umdenken, dort wird deutlich weniger abgefüllt. Unsere Lösung heißt: keine PET-Flasche produzieren. Refill statt Recycling. Damit das funktioniert, braucht es auch politische Rahmenbedingungen: Einweg muss spürbar weniger attraktiv werden – und Refill-Angebote müssen einfacher – auch im öffentlichen Raum – verfügbar sein. Jede Flasche, die wir vermeiden, ist besser als jede Flasche, die wir nur besser recyceln.

LEADERSNET: Wenn Sie in die Zukunft blicken: Wo steht Culligan in fünf Jahren – sowohl als nachhaltiges Unternehmen als auch als Marktführer im Bereich Wasserlösungen?

Stolz: In fünf Jahren wollen wir unsere Transition zu 100 Prozent E-Mobilität abgeschlossen haben. Null Emissionen von der Produktion bis zur Auslieferung. Heute haben wir rund 32.000 aktive Wasserspender in Österreich. Wenn aus jedem Gerät im Schnitt zehn Personen täglich trinken, versorgen wir bereits über 320.000 Menschen pro Tag. Unser Ziel ist es, einen signifikanten Anteil an Flaschenwasser in Österreich zu ersetzen – und damit einen messbaren Beitrag für Gesundheit und Nachhaltigkeit zu leisten.

Das gesamte Interview können Sie sich in unserem LEADERSNET-Podcast anhören.

www.culligan.at

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