Nächste Hiobsbotschaft
Job-Kahlschlag bei KTM zeigt die Probleme nach dem formalen Neubeginn

| Tobias Seifried 
| 14.01.2026

Trotz gelungener Sanierung und sportlicher Erfolge setzt der Motorradhersteller den Sparkurs fort. 500 Arbeitsplätze sollen im Zuge des Effizienzprogramms wegfallen – ein weiterer tiefer Einschnitt für Belegschaft und den Standort.

Nach dem massiven Stellenabbau beim Autozulieferer ZKW (LEADERSNET berichtete) ist der nächste Einschnitt in der heimischen Industrie fix: Die KTM AG wird im Zuge ihres laufenden Effizienz- und Restrukturierungsprogramms rund 500 Mitarbeiter:innen abbauen. Betroffen sind vor allem Angestelltenbereiche und das mittlere Management. Die Maßnahme folgt auf die Insolvenz des Unternehmens Ende 2024 und markiert einen weiteren tiefgreifenden Schritt in der Neuaufstellung des Motorradherstellers.

Laut Unternehmensangaben sei der Stellenabbau "unumgänglich", um Fixkosten zu senken, Strukturen zu straffen und die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu stärken. Per 31. Dezember 2025 beschäftigte KTM noch 3.794 Mitarbeiter:innen – der angekündigte Abbau entspricht damit mehr als 13 Prozent der Belegschaft. Die gesetzlich vorgesehenen Frühwarnmeldungen gemäß Arbeitsmarktförderungsgesetz wurden beim AMS eingebracht.

Fokus auf Kernmarken, weniger Managementebenen

KTM begründet den Schritt mit einer umfassenden strategischen Neuausrichtung. Ziel sei eine stärkere Fokussierung auf das Kerngeschäft Motorräder sowie auf die drei Marken KTM, GASGAS und Husqvarna. Gleichzeitig soll die Komplexität im Unternehmen deutlich reduziert werden – unter anderem durch eine Verschlankung der Organisation.

CEO Gottfried Neumeister, der im Herbst 2025 noch versprochen hat, dass in Österreich kein weiterer Stellenabbau angedacht ist, sprach von einer "schwierigen, aber notwendigen Entscheidung". Der Stellenabbau diene dazu, Kosten zu senken, Strukturen zu verschlanken und das Unternehmen langfristig stabil aufzustellen. Man reduziere Komplexität „in allen Bereichen“, etwa bei der Modellpalette, in der IT und insbesondere in der Organisation der Abteilungen – auch durch das Herausnehmen einer Führungsebene, so Neumeister.

Konsequente Schrumpfkur nach der Insolvenz

Der aktuelle Personalabbau reiht sich in eine Serie tiefgreifender Einschnitte ein. Bereits 2025 hatte sich KTM vom Fahrradgeschäft getrennt und FELT Bicycles verkauft. Es folgten das Ende des Vertriebs von CFMOTO sowie der Verkauf von MV Agusta und der Sportwagentochter X-Bow. Mit einem künftig "verkleinerten Kernteam" und deutlich niedrigeren Strukturkosten wolle das Unternehmen wieder zu einem der führenden Motorradhersteller der Welt werden.

Vorangetrieben wird die Restrukturierung vom Mehrheitsgesellschafter Bajaj Auto International Holdings B.V., der laut Unternehmen ein klares Signal für den Fortbestand von KTM als internationaler Marke setze. Gleichzeitig verweist KTM auf sportliche Erfolge mit 29 gewonnenen Meisterschaften im Jahr 2025 sowie auf eine starke Nachfrage im zweiten Halbjahr, die zu einem rascheren Lagerabbau geführt habe als erwartet.

Bittere Realität hinter positiven Signalen

So sehr KTM sportliche Erfolge und eine verbesserte Nachfrage betont – der Abbau von 500 Stellen zeigt, wie tiefgreifend die Krise auch nach dem formalen Neubeginn wirkt. Die Restrukturierung mag betriebswirtschaftlich nachvollziehbar sein, für die Betroffenen bedeutet sie jedoch erneut Jobverlust und Unsicherheit. Für den Industriestandort Österreich ist der Schritt ein weiteres Alarmsignal, dass selbst ikonische Marken unter massivem Anpassungsdruck stehen.

www.ktm.com

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