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AMA-Forum 2026: Vom Preisspiel zum Wertspiel beim Essen

Mit der Leitfrage "Was ist uns unser Essen wert?" eröffnete die AMA-Marketing bei ihrem traditionellen Neujahrsempfang das agrarpolitische Jahr. Die Geschäftsführerin fordert einen Perspektivwechsel in der öffentlichen Debatte: weg vom Preis und hin zur Qualität.

Bereits zum vierten Mal diente die Eventlocation Ariana in der Wiener Seestadt als Schauplatz des Neujahrsempfangs der AMA-Marketing, des sogenannten AMA-Forums. Rund 500 Besucher:innen fanden heuer den Weg nach Aspern und sorgten damit für einen neuen Rekord. Hunderte weitere Interessierte verfolgten die Veranstaltung online.

Mutenthaler-Sipek: Qualität beginnt vor dem Regal

Für AMA-Marketing-Geschäftsführerin Christina Mutenthaler-Sipek stand das Forum bewusst unter dem Motto "Mehr als satt – Was ist uns unser Essen wert?". Lebensmittel seien heute jederzeit verfügbar, würden aber zunehmend auf ihren Preis reduziert. Diese Entwicklung schade der gesamten Wertschöpfungskette, von der Landwirtschaft über die Verarbeitung bis hin zum Handel. Wertschätzung beginne nicht am Regal, sondern bei Produktionsbedingungen, Verantwortung für Tierwohl und Umwelt sowie bei regionalen Strukturen. Mutenthaler-Sipek betonte, dass das AMA-Gütesiegel gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten Orientierung bieten müsse. Für das laufende Jahr kündigte sie an, den Fokus stärker auf die tatsächliche Kaufentscheidung zu legen. Letztlich entscheide der Griff ins Regal darüber, ob Qualität auch wirtschaftlich honoriert werde.

Landwirtschaft pocht auf wirtschaftliche Fairness

Auch von Seiten der Landwirtschaft wurde beim AMA-Forum der Ruf nach mehr Wertschätzung deutlich. Lorenz Mayr, Aufsichtsratsvorsitzender der AMA-Marketing und Vizepräsident der Landwirtschaftskammer Österreich, unterstrich die wachsenden wirtschaftlichen Herausforderungen für bäuerliche Betriebe. Hohe Standards in Produktion und Tierwohl sowie steigende Kosten müssten sich entlang der Wertschöpfungskette widerspiegeln, wenn Landwirtschaft langfristig bestehen soll.

Für einen persönlichen Akzent sorgte Josef Moosbrugger, Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich. Er machte nicht nur inhaltlich auf die Bedeutung fairer Rahmenbedingungen aufmerksam, sondern auch ganz praktisch auf den persönlichen Einsatz vieler Funktionär:innen. Seine Anreise aus Vorarlberg hatte für ihn bereits um 2.30 Uhr früh begonnen, ein Detail, das im Saal für Schmunzeln sorgte und zugleich unterstrich, wie ernsthaft die Branche die Debatte um Wertschätzung nimmt. Herkunft und Qualität dürften nicht nur rhetorisch hochgehalten, sondern müssten auch wirtschaftlich abgesichert werden.

Klaus-Dieter Koch: Wertschöpfung braucht Bedeutung

Der deutsche Markenstratege Klaus-Dieter Koch stellte in seiner Keynote die Mechanik des sogenannten Preisspiels dem Wertspiel gegenüber. Wer sich dauerhaft über den niedrigsten Preis definiere, begebe sich in eine Abwärtsspirale, aus der es kaum ein Entkommen gebe. Österreich habe aufgrund seiner Produktionsstrukturen keine realistische Chance auf Kostenführerschaft, sehr wohl aber auf Qualitäts- und Wertführerschaft. Kaufentscheidungen würden im Supermarkt selten rational getroffen. Zeitdruck, Routinen und emotionale Faktoren bestimmten das Verhalten der Konsument:innen. Der objektive Nutzen eines Produkts sei wichtig, reiche aber nicht aus. Entscheidend sei der subjektiv wahrgenommene Wert. "Der Kontext macht den Preis", argumentierte Koch und warnte vor Effizienzprogrammen ohne klare Wertbotschaft, die letztlich zu "optimierter Bedeutungslosigkeit" führten.

Gemeinsame Verantwortung entlang der Kette

In der anschließenden Podiumsdiskussion wurde deutlich, dass Wertschätzung nicht allein Aufgabe der Konsument:innen ist, sondern Ergebnis gemeinsamer Verantwortung entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Unter der Moderation von Sabine Kronberger diskutierten Klaus-Dieter Koch gemeinsam mit Josef Braunshofer, Präsident des Markenartikelverbands und Geschäftsführer von Berglandmilch, Michael Kunz, CEO von Lidl Österreich, Ellen Staudenmaier, Managing Director von McDonald's Österreich, sowie Karin Metz, Biobäuerin aus dem Mostviertel.

Diskutiert wurde unter anderem die starke Aktionsorientierung des österreichischen Lebensmittelhandels und deren Auswirkungen auf Produzenten und Marken. Während Handel und Gastronomie auf leistbare Preise und Planbarkeit verwiesen, machten Vertreter:innen aus Landwirtschaft und Markenindustrie deutlich, dass dauerhaft hoher Preisdruck die Investitionsfähigkeit und Innovationskraft gefährde. Einigkeit bestand darüber, dass Herkunft und Qualität für viele Konsument:innen relevant sind, jedoch klarer und konsistenter kommuniziert werden müssen. Das AMA-Gütesiegel wurde mehrfach als zentraler Vertrauensanker genannt, der Orientierung bietet und Wertschöpfung sichtbar macht. Gleichzeitig wurde betont, dass diese Position kontinuierlich verteidigt werden muss. Wertschätzung entstehe nicht durch Appelle, sondern durch verlässliche Partnerschaften, transparente Kommunikation und ein gemeinsames Bekenntnis zu Qualität auch in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten.

KEYaccount/LEADERSNET war mit einem Fotografen vor Ort mit dabei. Alle Fotos finden Sie hier.

www.amainfo.at

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