LEADERSNET: Sehr geehrter Herr Saliger, XXXLutz gilt heute als größter Bedienungsgastronom Österreichs. 170 Restaurants in neun Ländern, rund zehn Millionen Gäste pro Jahr allein hierzulande – wann wurde Ihnen persönlich klar, dass das Schnitzel im Möbelhaus mehr ist als nur ein Zusatzangebot?
Thomas Saliger: Vor 30 Jahren wurden die Restaurants als reines Unterhaltungsprogramm zum Möbelshoppen gegründet. Damals noch mit sehr einfachen Speisen.
Im Zuge unserer Weiterentwicklung zum XXXLMöbelhaus wurde auch das Restaurant neu definiert und dort eine vollständige Speisekarte, wie in einem gutbürgerlichen Wirtshaus, eingeführt. Sukzessive entwickelte es sich dadurch zu einer eigenständigen Einheit.
LEADERSNET: Das klingt nach einer organischen Entwicklung, die wohl kaum jemand so geplant hatte. Der Volksmund sagt: "Liebe geht durch den Magen." Bei XXXLutz scheint sie auch durch den Möbelgang zu führen. Ist die Gastronomie aus Ihrer Sicht ein Kundenmagnet, ein Imagefaktor – oder längst ein eigenständiges Geschäftsmodell?
Saliger: Heute gelten alle drei dieser Kriterien: Die günstigen Preise verschaffen XXXLutz ein günstiges Image. Wir nutzen das XXXLRestaurant gezielt durch günstige Preise, um Kunden ins Möbelhaus anzuziehen. Daher ist das XXXLRestaurant ein Kundenmagnet. Durch die umfassende Speisekarte sowie monatlich abwechselnde saisonale Speisen hat sich das XXXLRestaurant zu einem eigenen Geschäftsmodell entwickelt.
LEADERSNET: Vom Berner Würstel bis zum Rumpsteak, von der Frühstückssemmel bis zum Stammtisch: Ein Drittel Ihrer Gäste kommt ausschließlich zum Frühstück. Was sagt das über veränderte Alltagsroutinen – und über Möbelhäuser als soziale Treffpunkte?
Hier spielt sicherlich eine Rolle, dass Österreich eine sehr große Möbelhausdichte hat, sodass unsere Kund:innen die XXXLutz Restaurants rasch und einfach erreichen können, ausreichend Parkplätze vorhanden sind und die Kund:innen sich bei günstigen Preisen gemütlich zusammensetzen können.
LEADERSNET: Vom oberösterreichischen Familienbetrieb zur weltweiten Nummer zwei: Wie viel „Familie“ steckt bei 170 Restaurants in neun Ländern noch im operativen Alltag – trotz ambitionierter Expansionsziele?
Saliger: XXXLutz ist bis heute ein Familienbetrieb mit wenig Führungshierarchie, daher sind die Inhaberfamilie de facto in jede Entscheidung miteinbezogen.
LEADERSNET: Das Wiener Schnitzel bleibt Ihr Verkaufsschlager. Seit 30 Jahren setzen Sie auf preisgünstige Hausmannskost, während Food-Trends kommen und gehen. Warum ist Ihre klassische Strategie gerade in Zeiten von Instagram-Food so erfolgreich?
Saliger: Die Antwort ist einfach. Es wurde bis jetzt nichts Besseres als ein "Wiener Schnitzel" erfunden. Auch wir probieren andere Speisen aus, aber die Kund:innen lieben ihr "Schnitzel".
LEADERSNET: In der Wiener Mariahilfer Straße servieren mittlerweile drei Roboter namens "Lutzis". Sind sie ein Symbol für Innovation – oder eher pragmatische Helfer in Zeiten von Personalmangel?
Gastronomiechef Andreas Haderer betont, dass Roboter keine Mitarbeiter:innen ersetzen. Wir haben diese Roboter als "Gag" eingeführt. Mittlerweile helfen sie dem Servicepersonal beim Abräumen der Gerichte. Damit können sich unsere Servicemitarbeiter noch besser um unsere Kund:innen kümmern.
LEADERSNET: Ein Einstieg, der offenbar Potenzial hat. Was denken Sie, wohin entwickelt sich XXXLutz gastronomisch in den nächsten Jahren? Mehr Roboter, mehr Nachhaltigkeit, mehr Convenience – oder einfach mehr von dem bewährten Schnitzel mit Erdäpfelsalat?
Saliger: Das wichtigste ist uns auf alle Fälle immer das Produkt und die Herkunft des Produktes. Lebensmittel sind unser höchstes Gut, daher legen wir Wert auf Qualität, Herkunft und Nachhaltigkeit. Dies wird unser größter Schwerpunkt bleiben.
www.xxxlutz.at
www.xxxlutz.at/restaurant
Kommentar veröffentlichen