Nutzung von Scheinen & Münzen sinkt
Viele Österreicher trotz Bargeldliebe offen für Digitalen Euro

| Tobias Seifried 
| 26.02.2026

Die Bargeldnutzung geht in Europa zurück. Nur Österreich und Deutschland stemmen sich gegen den Trend. Zugleich zeigt eine neue Studie großes Potenzial für die geplante digitale Währung.

Die Nutzung von Bargeld ist in Europa in den vergangenen drei Jahren kontinuierlich gesunken. Eine aktuelle Studie von BearingPoint (siehe Infobox) zeigt jedoch: Österreich und Deutschland bilden weiterhin eine Ausnahme und zählen zu den Hochburgen des Bargelds.

Bargeldnutzung im Europavergleich

Mit 73 Prozent in Deutschland und 71 Prozent in Österreich liegt die Häufigkeit der Bargeldnutzung deutlich über jener der übrigen untersuchten Länder. Besonders ausgeprägt ist sie der Umfrage zufolge in der Altersgruppe 55+: 80 Prozent der Befragten in Deutschland und 84 Prozent in Österreich geben an, häufig Bargeld zu verwenden. Bemerkenswert ist, dass auch die als digital affin geltenden 18- bis 24-Jährigen vergleichsweise oft bar bezahlen (Deutschland: 64 Prozent, Österreich: 57 Prozent).

Am geringsten ist die Bargeldnutzung in Nordeuropa. In Schweden (25 Prozent), Dänemark (32 Prozent) und Finnland (42 Prozent) verliert Bargeld zunehmend an Bedeutung.

Eine Abkehr vom Bargeld ist insbesondere im deutschsprachigen Raum nicht in Sicht. 64 Prozent der Befragten in Deutschland und 68 Prozent in Österreich können sich nicht vorstellen, in den kommenden zehn Jahren auf Bargeld zu verzichten. Selbst in digital stark geprägten Ländern wie Dänemark, Schweden und Finnland lehnen rund 40 Prozent einen vollständigen Verzicht ab.

Digitaler Euro: Bekannt, aber mit Ausbaupotenzial

Im Länderdurchschnitt würde etwa ein Drittel der Befragten den Digitalen Euro nutzen, während 42 Prozent noch unentschlossen sind. In Österreich liegt die potenzielle Nutzung demnach bei rund 40 Prozent, in den Niederlanden bei unter 27 Prozent. In Dänemark (21 Prozent) und Schweden (22 Prozent) würde digitales Zentralbankgeld vergleichsweise zurückhaltend genutzt, während die Zustimmung in der Schweiz mit 37 Prozent höher ausfällt.

Wie oft würden Sie den digitalen Euro nutzen?

Nutzungspotenzial Digitaler Euro© BearingPoint

Christian Bruck, Partner und Zahlungsexperte bei BearingPoint, erklärt: "In Europa sinkt die Bargeldnutzung, in den traditionellen Bargeldländern Deutschland und Österreich verbleibt sie interessanterweise aber auf einem hohen Niveau." Er zeigt sich insbesondere darüber erstaunt, dass auch in jüngeren Altersgruppen mehr als jede:r Zweite weiterhin häufig Bargeld nutze. Der Digitale Euro könne als "Verbindung zwischen digitalem Fortschritt und Sicherheitsdenken in der aktuellen geopolitischen Situation" einen Beitrag zur Resilienz und Souveränität des europäischen Zahlungsverkehrs leisten.

Als wichtigster Anwendungsfall für den Digitalen Euro gelte das Online-Shopping: 37 Prozent der Befragten würden ihn dafür einsetzen. In Irland liegt dieser Wert bei 44 Prozent, in Finnland bei 40 Prozent. An zweiter Stelle folgt der stationäre Einkauf mit 28 Prozent.

Kostenfreiheit entscheidend

Als zentrales Kriterium für die Nutzung des Digitalen Euro nennen 41 Prozent der Befragten die kostenfreie Verwendung. 35 Prozent halten eine durchgehende Akzeptanz rund um die Uhr für wesentlich. Eine besonders ausgeprägte Benutzerfreundlichkeit ist hingegen nur für knapp jede:n Fünfte:n ausschlaggebend.

Beim Vertrauen in die Verwahrung von Transaktionsdaten liegen die Hausbanken klar voran. 41 Prozent der Befragten in Ländern des Euroraums würden ihre Daten primär ihrer Bank anvertrauen – und damit häufiger als der jeweiligen Zentralbank. Technologiedienstleistern wie Apple oder Google würden lediglich vier Prozent ihre Transaktionsdaten überlassen.

Robert Bosch, Globaler Leiter Financial Services bei BearingPoint, resümiert, digitale Zentralbankwährungen wie der Digitale Euro seien in der täglichen Diskussion angekommen. Ein wesentliches Argument bestehe darin, "eine Alternative zu nicht-europäischen Zahlverfahren zu schaffen und so eine stärkere europäische Unabhängigkeit zu erreichen". In einer weiteren Ausbaustufe könne darüber hinaus Innovationspotenzial erschlossen werden, was einen Beitrag zur Leistungsfähigkeit der europäischen Wirtschaft leisten und Wachstumsimpulse setzen könne.

www.bearingpoint.com

Über die Studie

Für die Erhebung wurden zwischen 10. und 17. Dezember 2025 insgesamt 10.123 Personen ab 18 Jahren in neun Ländern befragt, darunter Österreich (1.000), Deutschland (2.026), die Schweiz (1.000), Dänemark (1.023), Finnland (1.009), Frankreich (1.052), Irland (1.001), die Niederlande (1.003) und Schweden (1.009).

Die Online-Umfrage wurde von BearingPoint konzipiert und gemeinsam mit YouGov durchgeführt. Die Ergebnisse sind gewichtet und repräsentativ.

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Über die Studie

Für die Erhebung wurden zwischen 10. und 17. Dezember 2025 insgesamt 10.123 Personen ab 18 Jahren in neun Ländern befragt, darunter Österreich (1.000), Deutschland (2.026), die Schweiz (1.000), Dänemark (1.023), Finnland (1.009), Frankreich (1.052), Irland (1.001), die Niederlande (1.003) und Schweden (1.009).

Die Online-Umfrage wurde von BearingPoint konzipiert und gemeinsam mit YouGov durchgeführt. Die Ergebnisse sind gewichtet und repräsentativ.

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