EHL-Vorschau Immobilienmarkt 2026: Geschäftsflächen
Innenstadtlagen bleiben das Rückgrat des Einzelhandels

Während sich die Umsatzentwicklung moderat zeigt, gewinnen Qualität, Nutzungsmix und touristische Nachfrage zunehmend an Bedeutung. Besonders zentrale Lagen profitieren von neuen Konsumgewohnheiten und flexibleren Immobilienkonzepten.

Laut dem Handelsverband (HV) erzielte der österreichische Einzelhandel einen Jahresumsatz von 79,8 Milliarden Euro. Das entspricht einem nominellen Plus von 3,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr und einem inflationsbereinigten Wachstum von 0,6 Prozent. Das Weihnachtsgeschäft entwickelte sich besser als zunächst erwartet und brachte im Dezember einen Umsatz von rund 7,7 Milliarden Euro sowie einen zusätzlichen weihnachtsbedingten Mehrumsatz von 1,19 Milliarden Euro. Insgesamt bleibt die Dynamik jedoch verhalten (LEADERSNET berichtete). 

Strukturwandel verändert den stationären Handel

Der Markt für Einzelhandelsimmobilien ist von tiefgreifenden strukturellen Veränderungen geprägt. Das zeigt der am Montag vorgestellte Bericht "EHL-Vorschau Immobilienmarkt 2026: Geschäftsflächen". Der stationäre Handel verliert demnach dabei nicht an Relevanz, sondern befindet sich in einer Phase der Neuausrichtung. Zentrale Faktoren dieser Entwicklung sind laut den Expert:innen von EHL eine stärkere Qualitätsorientierung, flexible Konzepte und ein wachsender Fokus auf Erlebnisangebote. Konsument:innen würden einen steigenden Anteil ihres Budgets für Gastronomie, Dienstleistungen, Freizeit und Reisen verwenden. Klassische Non-Food-Segmente wie Mode und Schuhe verlieren hingegen seit Jahren Marktanteile.

"Der Einzelhandel befindet sich mitten in einem Strukturwandel, entwickelt sich jedoch klar in Richtung Qualität, Erlebnis und Nutzungsmix weiter. Vor allem innerstädtische Lagen mit hoher Frequenz und touristischer Nachfrage werden langfristig profitieren", sagt Michael Ehlmaier, geschäftsführender Gesellschafter der EHL Immobilien Gruppe.

Tourismus stärkt innerstädtische Lagen

Ein wesentlicher Impulsgeber für den Einzelhandel bleibt der Tourismus. Besonders der Städtetourismus sorgt für stabile Frequenzen und unterstützt die Umsätze in zentralen Lagen. Wien nimmt dabei eine besondere Rolle ein. Internationale Gäste, vor allem aus den USA und aus asiatischen Märkten, tragen maßgeblich zur Nachfrage bei und stärken insbesondere das Premium- und Luxussegment, so EHL. Auch Städte wie Salzburg profitieren von dieser Entwicklung.
In Wien gelingt es weiterhin, frei werdende Geschäftsflächen zügig neu zu vermieten, sofern Lage, Gebäudequalität und Nutzungskonzept den aktuellen Anforderungen entsprechen. Die Innenstadt behauptet damit ihre Position als international wettbewerbsfähiger Einzelhandelsstandort mit hoher Frequenz und kaufkräftigen Zielgruppen.

Polarisierung bei den Mieter:innen

Innerhalb der Mieterstruktur zeige sich eine zunehmende Polarisierung. Während Mode- und Schuhanbieter überdurchschnittlich viele Flächen abgegeben haben, expandieren andere Segmente. Diskonter bauen ihre Präsenz weiter aus und sind vermehrt auch in hochfrequentierten Einkaufsstraßen vertreten. Gleichzeitig setzt das Luxussegment seine Expansion in Toplagen fort. Anbieter im mittleren Segment stehen hingegen vor wachsenden Herausforderungen, sich klar zu positionieren.

"Die Nachfrage konzentriert sich zunehmend auf klar positionierte Konzepte. Flexible Flächen, neue Nutzungskombinationen und angepasste Mietmodelle eröffnen Eigentümer:innen attraktive Möglichkeiten, ihre Immobilien zukunftsfit aufzustellen", ergänzt Einzelhandelsexperte Mario Schwaiger von EHL-Gewerbeimmobilien.

Umnutzung und neue Vertragsmodelle gewinnen an Bedeutung

Ein weiteres prägendes Merkmal des aktuellen Marktumfelds ist die verstärkte Umnutzung klassischer Verkaufsflächen. Leerstände werden zunehmend durch Gastronomie, Dienstleistungen, Freizeitangebote sowie Gesundheits- und Beauty-Konzepte ersetzt. Auch Fitnessstudios und medizinisch-nahe Dienstleistungen nutzen vermehrt Flächen, die für den traditionellen Einzelhandel weniger geeignet sind.

Für Eigentümer:innen würden sich dadurch neue Chancen eröffnen, Immobilien gezielt aufzuwerten. Investitionen in Gebäudequalität, flexible Grundrisse und nachhaltige Ausstattung gewinnen an Bedeutung. Parallel dazu verändern sich auch die Anforderungen an Mietverträge. Kürzere Laufzeiten, umsatzabhängige Mieten, flexible Vertragsstrukturen und Ausstiegsklauseln nehmen zu, während Vermieter:innen verstärkt auf höhere Sicherheiten und sorgfältige Bonitätsprüfungen achten.

www.ehl.at

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