Liebe geneigte Leser:innen, geht es Ihnen auch so? Immer öfter werden Vereinbarungen nicht eingehalten. Menschen kommen absichtlich zu spät, sagen Termine kurzfristig ab oder halten Abmachungen nicht ein. Ich bin dann meist nicht nur sprachlos – manchmal, bei wichtigen Dingen, sogar persönlich gekränkt. Mir scheint, vielen fehlt zunehmend eines: Respekt.
Was ist Respekt?
Aber lassen Sie uns, wie üblich, von Anfang an beginnen. Was ist Respekt überhaupt? Die ausführliche Definition lautet: "Respekt ist die Wertschätzung gegenüber anderen Personen, Institutionen, Besitz oder der Natur. Es ist eine Grundhaltung, die sich durch Höflichkeit, Anerkennung und Rücksichtnahme ausdrückt." Oder einfacher gesagt: Respekt bedeutet, sich seiner Grenzen und der anderer bewusst zu sein und diese zu achten. Respektlosigkeit hingegen ist das bewusste Ignorieren dieser Regeln des Miteinanders. Sie zeigt sich im Kleinen – bei Unpünktlichkeit, Wortbrüchen oder achtlosem Verhalten – und im Großen, wenn Verantwortung, Anstand oder Fairness verloren gehen.
Grundlage jeder funktionierenden Beziehung
Warum aber ist Respekt so wichtig, besonders im Geschäftsleben, in der Gesellschaft, im Privaten? Ganz einfach: Respekt ist die Grundlage jeder funktionierenden Beziehung. In der Wirtschaft führt ein respektvoller Umgang zu Motivation, Vertrauen, einer starken Unternehmenskultur und letztlich zu Innovation und Wachstum. Wo hingegen Respekt fehlt, entstehen Konflikte, Misstrauen und Misserfolg.
Innerhalb der Gesellschaft und in privaten Beziehungen ist es nicht anders. Respekt schafft Zusammenhalt, stärkt das Individuum und die Harmonie, was das Zusammenleben einfacher gestaltet. Respektlosigkeit hingegen kränkt die Menschen und macht sie wütend. Respekt gehört damit zu den Grundpfeilern unserer Zivilisation. Statistiken und Umfragen zeigen jedoch, dass die Respektlosigkeit am Vormarsch ist. Eine DAK-Erhebung aus dem Jahr 2024 zeigt, dass 85 Prozent der Befragten eine Zunahme von Beleidigungen und Respektlosigkeiten wahrnehmen – ein deutlicher Anstieg gegenüber 76 Prozent im Jahr davor. Gleichzeitig wächst die Zahl aggressiver Zwischenfälle, Intoleranz und Ausgrenzung, das gesellschaftliche Klima wird also rauer.
Frieden, Diskussionskultur und wirtschaftliche Stabilität
Aber warum ist das so? Auf persönlicher Ebene spielen Überforderung, Stress und ein sinkendes Selbstbewusstsein eine große Rolle. Wer selbst unsicher ist, sucht Bestätigung, und zwar oft auf Kosten anderer. Dazu kommt mangelnde Erziehung oder fehlende Grenzsetzung. Wenn Kindern nicht mehr vermittelt wird, wo Rücksicht beginnt und Egoismus endet, verlernt eine Gesellschaft das Miteinander. Und schließlich wirken soziale Medien wie ein Brandbeschleuniger, Stichwort Cybermobbing: Hinter der Anonymität des Bildschirms fällt jede Hemmung, jede Etikette. Beleidigungen und Beschimpfungen werden zum Ventil für Frust, weil keine Konsequenzen befürchtet werden müssen.
Doch Respekt ist kein überholtes Konzept, sondern sollte als gesellschaftliche Ressource betrachtet werden. Er sichert den sozialen Frieden, die Diskussionskultur und nicht zuletzt wirtschaftliche Stabilität. Denn dort, wo Respektlosigkeit dominiert, bricht Vertrauen weg, ohne das Märkte, Teams oder die Gemeinschaft aber nicht funktionieren können.
Schweigen fördert respektloses Verhalten
Die Aufgabe scheint also klar, und Expert:innen würden uns raten, Respekt wieder zu lernen, zu leben und ihn auch einzufordern. Das beginnt im Kleinen, etwa in der Erziehung, im Berufsleben, im täglichen Umgang. Es bedeutet, Grenzen zu setzen und respektloses Verhalten nicht einfach hinzunehmen. Wer verletzt oder beleidigt wird, sollte das ruhig, aber bestimmt ansprechen. Schweigen ist keine Lösung, es fördert nur weiteres respektloses Verhalten.
Ich weiß, das ist nicht immer leicht. Auch mir fällt es schwer, Dinge nicht persönlich zu nehmen. Aber ich habe für mich einen Weg gefunden: Wer keinen Respekt zeigt, verdient auch keinen. Man kann professionell mit solchen Menschen umgehen, aber man muss ihnen nicht vertrauen. Menschen, die dauerhaft respektlos agieren, scheitern über kurz oder lang ohnehin, weil ihnen die Basis für Zusammenarbeit fehlt.
Doch ist das der Umgang, den wir uns für unsere Gesellschaft wünschen? Wohl kaum.
Deshalb, liebe Leser:innen, lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, dass Respekt wieder einen Platz in unserem Alltag bekommt. Er zeigt sich nicht in großen Gesten, sondern es sind die kleinen Zeichen wie Pünktlichkeit, Höflichkeit, ein einfaches Bitte und Danke. Halten wir Vereinbarungen ein, sagen wir ehrlich, wenn etwas nicht klappt, und überlegen wir, was unser Handeln für andere bedeutet, ganz, wie es schon die wunderbare Aretha Franklin in ihrer Interpretation des Otis Reddis Songs RESPECT gefordert hat. Mit diesem Ohrwurm wünsche ich Ihnen allen eine respektvolle Woche.
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