Hiobsbotschaft für Österreichstandorte
Dem Sparkurs bei Lenzing fallen 600 Jobs zum Opfer

| Tobias Seifried 
| 29.09.2025

Im Vorfeld wurde noch mit dem Abbau von 500 Arbeitsplätzen spekuliert. Doch der Faserhersteller forciert den Sparstift im Rahmen einer neuen Konzernstrategie noch stärker. Gleichzeitig wird eine Investition von 100 Millionen Euro angekündigt.

Die Lenzing AG will im Zuge ihrer neuen Konzernstrategie rund 600 Arbeitsplätze an ihren heimischen Standorten (Lenzing und Heiligenkreuz) abbauen  das sind noch einmal um rund 100 Stellen mehr als im Vorfeld vermutet (LEADERSNET berichtete). Betroffen sind vor allem die Verwaltung am Hauptsitz, wo bis Ende 2025 etwa 300 Stellen gestrichen werden sollen, teilte der oberösterreichische Faserhersteller am Montag mit. Weitere 300 Arbeitsplätze sollen bis 2027 wegfallen. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen in Österreich derzeit etwas mehr als 3.500 Menschen.

Die Einschnitte sind Teil eines umfassenden Sparprogramms. Lenzing begründet die Entscheidung mit steigenden Energie- und Rohstoffkosten, internationalem Wettbewerbsdruck und einem schwachen Marktumfeld. Mit dem Stellenabbau und weiteren Effizienzmaßnahmen sollen ab 2027 Einsparungen von mehr als 45 Millionen Euro pro Jahr erreicht werden. Ein Sozialplan mit dem Betriebsrat sei demnach bereits vereinbart worden.

100 Millionen Euro Investition

Neben dem Jobabbau prüft der Konzern den Verkauf seines Werks in Indonesien. Dort kommt es zu nicht zahlungswirksamen Abschreibungen in dreistelliger Millionenhöhe, die das Jahresergebnis belasten. Gleichzeitig kündigt Lenzing Investitionen von mehr als 100 Millionen Euro in die Standorte Lenzing und Heiligenkreuz an. Diese sollen vor allem den Ausbau von höherpreisigen Premiumfasern wie Tencel und Ecovero unterstützen.

Trotz guter Ergebnisse im ersten Halbjahr 2025 warnt das Unternehmen vor einer weiterhin unsicheren Lage. Handelskonflikte, Konkurrenz aus Asien und ein schwaches Konsumklima belasteten die Branche. Lenzing wolle daher auf eine stärkere internationale Ausrichtung und die Konzentration auf margenstärkere Produkte setzen.

Herber Rückschlag für Industriestandort

Der Vorstandsvorsitzende Rohit Aggarwal erklärte, 2025 sei für Lenzing ein Jahr der konsequenten Umsetzung. Man habe gezeigt, dass sich die Profitabilität auch in einem schwierigen Umfeld steigern lasse. Nun gehe es darum, Agilität, Widerstandsfähigkeit und die Kostenposition des Unternehmens weiter auszubauen, um die Marktstellung im Bereich nachhaltiger Cellulosefasern zu sichern.

Für die Region und den gesamten heimischen Industriestandort ist der massive Jobabbau ein weiterer herber Rückschlag.

www.lenzing.com

Kommentar veröffentlichen

* Pflichtfelder.

leadersnet.TV