Karl-Theodor zu Guttenberg im Interview
"Scheitern sollte belohnt werden, nicht mit Häme beantwortet"

| Redaktion 
| 29.09.2025

Im LEADERSNET-Interview spricht der deutsche Ex-Minister, Autor und Unternehmensberater Karl-Theodor zu Guttenberg über die Stärkung Europas in einer globalisierten Welt. Er betont die Bedeutung kleinerer Kooperationsgruppen, einer Investitionskultur, die Risiken zulässt, und einer positiven Scheiterkultur, um Innovation und wirtschaftlichen Erfolg nachhaltig zu fördern.

Im Rahmen des European Forum Alpbach 2025, über das LEADERSNET umfassend berichtete, sprach Opinion Leaders Network CEO Paul Leitenmüller mit mehreren hochrangigen Entscheider:innen. Die jeweiligen Video-Interviews sehen und lesen Sie in den nächsten beiden Wochen in den Daily Business News. Nach Walter Ruck, Präsident der Wirtschaftskammer Wien (hier geht es zum Bericht), und ORF-Generaldirektor Roland Weißmann (hier geht es zum Bericht) folgt nun Karl-Theodor zu Guttenberg.

Der ehemalige deutsche Minister (Wirtschaft/Technologien/Verteidigung), Autor und Unternehmensberater sieht Europas Zukunft vor allem in mehr Eigenverantwortung und Mut zur Veränderung. Statt auf Einstimmigkeit aller Mitgliedsstaaten zu warten, brauche es flexible Allianzen und eine Investitionskultur, die Risiken ermöglicht. Ebenso entscheidend sei ein neuer Umgang mit dem Scheitern, um Innovation und wirtschaftliche Dynamik langfristig zu stärken.

LEADERSNET: Sehr geehrter Herr Guttenberg, Recharge Europe ist das Thema des European Forum Alpbach. Wo geht die Reise hin, und was kann jede:r von uns tun, um Europa wieder dorthin zu bringen, wo wir es gerne hätten?

Karl-Theodor zu Guttenberg: Wir sollten nicht nur jammern und klagen. Europa muss in vielen Bereichen massiv aufholen – gegenüber den USA, China oder der Golfregion. Dennoch haben wir noch genügend Substanz, um uns aus selbst geschaffenen Abhängigkeiten zu befreien. Dafür brauchen wir eine neue Herangehensweise: Wir müssen auch in kleineren Gruppen arbeiten, nicht immer auf alle 27 Nationen warten. Und wir müssen Menschen das Gefühl geben, dass sie Teil dieser Entwicklung sind, auch wenn sie dabei einmal scheitern.

LEADERSNET: Welche Maßnahmen halten Sie beim Thema "Investitionskultur" für wichtig?

Guttenberg: Europa muss für Investoren attraktiv sein. Das bedeutet, dass wir Hausaufgaben machen, Risiken eingehen und auch harte politische Entscheidungen treffen müssen – etwa bei Arbeits- und Energiekosten. Wenn diese Rahmenbedingungen stimmen, können externe Investitionen Europa erheblich voranbringen. Große Finanzhäuser schauen interessiert auf uns, wir müssen dieses Interesse nur gezielt herausfordern.

LEADERSNET: Sie haben das Thema Scheitern angesprochen. Was muss sich hier aus Ihrer Sicht ändern?

Guttenberg: Besonders im deutschsprachigen Raum begegnet man Scheitern oft mit Häme und Schadenfreude. Anderswo wird das Aufstehen nach einem Misserfolg honoriert. Wenn wir lernen, Geschäftsideen als Erfahrungswerte zu begreifen und ein anderes Risikobewusstsein zu entwickeln, können wir langfristig erfolgreicher werden – etwa im Aufbau von Unicorns oder in der Entwicklung großer Innovationen.

Was Karl-Theodor zu Guttenberg im Gespräch mit Paul Leitenmüller noch gesagt hat, sehen Sie im LEADERSNET.tv-Video.

www.alpbach.org

Sollten Sie das Video nicht abspielen können, klicken Sie bitte hier!

Über Karl-Theodor zu Guttenberg

Karl-Theodor zu Guttenberg ist ein deutscher Politiker, Unternehmer und Publizist. Er war Bundesminister für Wirtschaft und Technologie sowie Verteidigungsminister und engagiert sich heute international in Fragen von Innovation, Wirtschaft und Europa. Zu Guttenberg ist bekannt für seine Expertise in globalen Wirtschaftsfragen und setzt sich für stärkere Investitionskultur, Risikobereitschaft und eine moderne Scheiterkultur in Europa ein.

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Über Karl-Theodor zu Guttenberg

Karl-Theodor zu Guttenberg ist ein deutscher Politiker, Unternehmer und Publizist. Er war Bundesminister für Wirtschaft und Technologie sowie Verteidigungsminister und engagiert sich heute international in Fragen von Innovation, Wirtschaft und Europa. Zu Guttenberg ist bekannt für seine Expertise in globalen Wirtschaftsfragen und setzt sich für stärkere Investitionskultur, Risikobereitschaft und eine moderne Scheiterkultur in Europa ein.

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