Die neue Folge "Peter & Paul" dreht sich dieses Mal rund um das Thema "Nachhaltigkeit als Motor für Handel und Immobilien". Dazu spricht Paul Leitenmüller (CEO Opinion Leaders Network) mit seinen beiden Gästen Zsolt Juhasz (General Manager Westfield) und Peter Engert (Geschäftsführer der Österreichischen Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft (ÖGNI). Gedreht wurde die aktuelle Folge in den Räumlichkeiten des Innenarchitekturspezialisten Behan & Thurm am Schwarzenbergplatz in Wien, wobei es sich Gastgeberin Sabrina Stückler (CEO Behan & Thurm) nicht nehmen ließ, selbst vorbeizuschauen und ihre Gäste persönlich zu begrüßen.
Nachhaltigkeit im Fokus
Zsolt Juhasz ist General Manager der Westfield Shopping City Süd (SCS) in Vösendorf, die zur Unternehmensgruppe Unibail-Rodamco-Westfield gehört. Der Konzern betreibt in Europa und den USA insgesamt 66 eigene Einkaufszentren, darunter 41 unter der Marke Westfield, und setzt dabei auf große, einzelhandelsorientierte Standorte in bedeutenden Städten und Ballungsräumen. Wie Juhasz betont, habe sich das Einkaufsverhalten in den vergangenen Jahren deutlich verändert, weshalb klassische Handelsflächen zunehmend um Gastronomie und erlebnisorientierte Angebote ergänzt wurden. Gerade in der SCS habe man diese Entwicklung früh aufgegriffen und das Standortkonzept entsprechend weiterentwickelt. Welche Dimension der Standort inzwischen erreicht hat, zeigen auch die Frequenzen: Über das gesamte Areal gerechnet verzeichnet die SCS laut Juhasz rund 20 Millionen Besucher:innen pro Jahr. Ergänzt wird diese strategische Ausrichtung durch ein konzernweites Nachhaltigkeitsprogramm, das auch für die weitere Entwicklung der Standorte eine wichtige Rolle spielt.
Einer, der sich seit vielen Jahren intensiv mit genau diesen Fragen rund um die nachhaltige Entwicklung von Immobilien und Standorten beschäftigt, ist Peter Engert. Er ist Geschäftsführer der Österreichischen Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft (ÖGNI), einer unabhängigen Non-Profit- und Nichtregierungsorganisation, die sich seit 2009 für mehr Nachhaltigkeit in der Bau- und Immobilienbranche engagiert. Als Plattform bringt die ÖGNI Akteur:innen aus Planung, Bau, Immobilienwirtschaft und Wissenschaft zusammen, unterstützt den fachlichen Austausch und bietet unter anderem Zertifizierungen für Gebäude und Quartiere sowie EU-Taxonomie-Verifikationen an. Darüber hinaus vermittelt sie über ihre Akademie praxisnahes Wissen und ist über internationale Partnerschaften eng mit europäischen Standards und Netzwerken verbunden.
Die drei Dimensionen von Nachhaltigkeit
Engert hob im Gespräch die drei zentralen Dimensionen nachhaltiger Immobilien hervor: Ökologie, Ökonomie und soziale Verantwortung. Im Vordergrund stünden zwar oft ökologische Maßnahmen wie Photovoltaik, Begrünung oder Beschattung, doch Nachhaltigkeit dürfe nicht darauf reduziert werden. "Es muss sich auch ökonomisch rechnen", betonte der ÖGNI-Geschäftsführer mit Blick auf die langfristige Tragfähigkeit entsprechender Investitionen. Zugleich unterstrich er die soziale Komponente als wesentlichen Faktor: "Wir bauen Gebäude für Menschen, und die müssen sich wohlfühlen. Wenn sie sich nicht wohlfühlen, werden die Gebäude nicht lange leben."
Genau an diesem Dreiklang knüpfte auch Juhasz mit Blick auf die SCS an. Nachhaltigkeitsmaßnahmen würden nicht nur die wirtschaftliche Entwicklung eines Standorts stärken, sondern auch seine Funktion als sozialer Treffpunkt unterstreichen. "Shoppingcenter ist immer der Ort der Begegnung", sagte Juhasz und verwies auf das Konzept einer "One Stop Destination", die Einkauf, Dienstleistungen, Gastronomie und Aufenthaltsqualität an einem Ort bündelt. Zertifizierungen versteht er dabei als praktische Orientierungshilfe, um Investitionen gezielt zu steuern und Nachhaltigkeitsziele klarer zu verfolgen.
Das Gebäude der Zukunft ist ein Kraftwerk
Ein konkretes Beispiel für diese Nachhaltigkeitsbestrebungen ist die Photovoltaikanlage auf dem Dach der SCS. Juhasz machte deutlich, dass auch ein solches Projekt nicht allein aus ökologischen Gründen umgesetzt werde, sondern immer wirtschaftlich mitgedacht werden müsse: "Den CEO kann man nicht einfach damit begeistern, dass etwas 'grün' ist, sondern es müssen auch die wirtschaftlichen Aspekte betrachtet werden." Bereits 2021 sei die Anlage als größte Photovoltaikanlage auf dem Dach eines Shoppingcenters in Europa beworben worden. Zugleich verwies Juhasz darauf, dass die Ausbauschritte damit nicht abgeschlossen seien: Über zusätzliche Carports mit integrierter Photovoltaik (LEADERSNET berichtete) verfüge die SCS inzwischen über eine Leistung von fünf Megawatt Peak.
Für Engert zeigt sich an diesem Beispiel auch, in welche Richtung sich Immobilien künftig entwickeln müssen. "Wir brauchen Gebäude, die Energie produzieren – die Immobilie der Zukunft muss auch ein Kraftwerk sein", sagte er und sprach sich dafür aus, diese Energie möglichst direkt vor Ort zu nutzen. Dafür brauche es gemischte Nutzungen, bei denen Handel, Wohnen, Bildung, Gesundheit und weitere Funktionen enger zusammengedacht werden, um Energie, Mobilität und Flächen effizienter zu organisieren.
Was Zsolt Juhasz und Peter Engert zum Thema "Nachhaltigkeit als Motor für Handel und Immobilien" noch sagen, sehen Sie in unserem Video und hören Sie in unserem Podcast. Zwischen den Themenblöcken gibt es im Video wie gewohnt ein Business-Event, dieses Mal von der Verleihung des Immy-Awards.
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Fotos vom Dreh sehen Sie in der Galerie.
www.westfield.com
www.ogni.at
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