Gastkommentar Ralf-Wolfgang Lothert
Über die Freude

| Redaktion 
| 25.08.2024

Gastkommentar von Ralf-Wolfgang Lothert, Mitglied der Geschäftsleitung und Director Corporate Affairs & Communication von JTI Austria.

Bald ist es wieder so weit, dass die Schüler:innen gegen Ferienende permanent den Satz zu hören bekommen: "Jetzt fängt der Ernst des Lebens (wieder) an." Auch ich selbst sage oft: "Die politische, wirtschaftliche und sicherheitspolitische Lage ist ernst." Und das ist sie in der Tat – vielleicht sogar ernster als in den Jahrzehnten zuvor. Eine Tatsache, die wir keineswegs auf die leichte Schulter nehmen sollten. Trotzdem, oder gerade deshalb, glaube ich, dass es umso wichtiger ist, Freude zu empfinden und sich über die kleinen Dinge des Lebens zu freuen. Doch meine Beobachtungen der letzten Monate legen den Verdacht nahe, dass viele diese Fähigkeit verloren haben. Wann haben Sie zuletzt wirkliche Freude empfunden?

Aber beginnen wir – wie Sie, meine geneigten Leser:innen, dies von mir gewohnt sind – von vorn. Eine etwas ausführliche Definition von Freude lautet: "Eine lebhafte Emotion, häufig begleitet von einem Gefühl der Erfüllung, das der/die Einzelne (für sich oder andere) erlebt, wenn Wünsche und Bedürfnisse erfüllt werden. Die Freude unterscheidet sich dabei vom Vergnügen durch ihre Dauer und Intensität, aber auch vom Glück, das eher ein Ideal darstellt."

Dass jemand Freude empfindet, wenn er im Lotto gewinnt, erscheint selbstverständlich, aber wie oft kommt das schon vor? Warum habe ich dennoch das Gefühl, dass viele Menschen keine Freude empfinden oder dies zumindest nicht zeigen? Möglicherweise fehlt es an der täglichen Freude – Freude über die kleinen Dinge im Leben. Der Sonnenschein, der nach einer Hitzewelle vielleicht anders wahrgenommen wird, der Anblick von Blumen, das Lächeln eines Mitmenschen, die Erinnerungen an schöne Urlaubstage oder der Genuss eines guten Buches – all das könnte und sollte Freude auslösen.

Vielleicht sollten wir uns bewusst machen, dass es gerade diese kleinen Dinge sind, die uns täglich positiv stimmen. Lassen Sie uns diese Momente bewusst wahrnehmen und uns kleine Freuden gönnen – vielleicht sogar fest in unseren Alltag einplanen, wie den Genuss eines guten Essens, ein Gespräch mit einer guten Freundin oder einem Freund oder das Feiern schöner Ereignisse. Wie das auch für die Sporteinheit empfohlen wird – die für manche ja sogar gleichzusetzen ist mit Freude –, sollte man sich Dinge, die einem Freude bereiten, fix als Termin in den Kalender eintragen.

Freude ist jedoch – und das macht sie vielleicht auch so flüchtig – nicht immer etwas, das man sich erarbeiten kann. Natürlich kann man fleißig an einem Projekt arbeiten oder ein Ziel verfolgen, und wenn man es dann erreicht, wenn dann etwas gelingt, dann freut man sich. Aber vielfach fällt einem Freude einfach nur zu, dann muss man aber auch offen und bereit sein, sie zuzulassen.

Haben wir all dies geschafft, was wirklich als großer Fortschritt zu betrachten wäre, so sollten wir es wagen, uns auf das nächste Level zu begeben, und uns über die Erfolge und das Glück anderer freuen. Ich weiß, in einem Land, dem vorherrschender Neid nachgesagt wird, vielleicht nicht immer einfach, aber man müsste es zumindest versuchen. Sollte Ihr:e Nachbar:in oder Kolleg:in sich eines Erfolges freuen, bringen Sie ihre Anerkennung dafür zum Ausdruck und freuen Sie sich mit ihr oder ihm. Drücken Sie diese Freude aus, gratulieren Sie und feiern Sie diese Freude gemeinsam. Das erfreut nicht nur Ihr Gegenüber, sondern auch Sie selbst – versprochen!

Ich persönlich freue mich aktuell riesig für einen Freund, der demnächst heiratet und mich für die ehrenvolle Aufgabe als seinen Trauzeugen ausgewählt hat. Ich freue mich, dass die Ehefrau eines anderen Freundes gesundheitlich enorme Fortschritte macht. Und ich freue mich, dass ein weiterer Freund trotz seines unermüdlichen Einsatzes in der Ukraine immer noch wohlbehalten und frohen Mutes ist.

Wie ich an dieser Stelle auch schon mehrfach angesprochen habe, ist JTI ein großartiger Arbeitgeber, der sich Mühe gibt, seinen Mitarbeiter:innen als Menschen – so wie sie sind – Raum zu geben. So findet in diesen Minuten gerade wieder unser jährlicher "Family Day" statt und unser Büro wird von einer Kinderschar bevölkert, die sich an Zuckerwatte und Kinderschminke erfreuen. Zugegeben, es ist etwas laut, um konzentriert zu arbeiten, aber schön anzusehen.

All dies bereitet mir Freude, und ich glaube, dass diese freudvollen Momente uns helfen, den Ernst des Lebens besser zu beurteilen und zu bewältigen. Oder wie es Friedrich Schiller in seiner von Ludwig van Beethoven vertonten "Ode an die Freude" so treffend ausdrückt: "Freude heißt die starke Feder in der ewigen Natur. Freude, Freude treibt die Räder in der großen Weltenuhr."

In diesem Sinne hoffe ich, dass meine Ausführungen Sie dazu motivieren, sich die täglichen Freuden bewusst zu machen, um sie auch gebührend wahrzunehmen und als solche zu empfinden. Freude gehört zu den wenigen Dingen, die sich vermehren, wenn man sie teilt. Lassen Sie uns deshalb gemeisterte Herausforderungen und die schönen Dinge des Lebens als Freuden betrachten und sie gemeinsam feiern.

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