Vertrauen ist ein höchst fragiles Gut. Es kann erarbeitet, gewonnen, geschenkt, besessen, genossen, entgegengebracht, eingeflößt und bewiesen werden, auf der anderen Seite aber ebenso schnell verspielt, verloren, entzogen, eingebüßt, enttäuscht, erschüttert, ja schlimmstenfalls missbraucht werden.
Zuverlässigkeit, Vorhersehbarkeit und Planbarkeit
Es kann aber auch an Vertrauen mangeln, ein Missstand, über den wir beinahe täglich lesen, den wir aber vor allem im Alltag spüren. Den Menschen fehlt das Vertrauen, in die Politik, in die Zukunft, in die Wissenschaft, in die Wirtschaft – setzen Sie beliebig fort, denn ich befürchte, es wird Ihnen, geneigte Leser:innen, in dem einen oder anderen Bereich ebenso ergehen. Woran aber liegt es? Lassen Sie es mich, wie Sie es von mir gewohnt sind, analytisch beleuchten.
Welche sind die Komponenten, mit denen sich Vertrauen schaffen lässt? Sicherlich ist es ein Zusammenspiel aus mehreren Parametern, von denen sich mir in erster Linie drei aufdrängen, nämlich Zuverlässigkeit, Vorhersehbarkeit und Planbarkeit.
Zuverlässigkeit ist eine zutiefst menschliche Charaktereigenschaft (die man hat oder eben nicht), bei der wir darauf vertrauen dürfen, dass gewisse Erwartungen erfüllt werden, weil unser Gegenüber verlässlich ist – man kann sich auf ihn oder sie verlassen. Den pessimistischen Spruch „Wer sich auf andere verlässt, ist bereits verlassen“ schieben wir an dieser Stelle wohlweislich beiseite. Wir gehen davon aus, dass zuverlässige Menschen zu ihrem Wort stehen, Vereinbarungen, Zusagen und Versprechen einhalten und auch tatsächlich helfen, wenn sie Unterstützung zugesagt haben. Ein Blick in die Welt der Politik zeigt uns jedoch leider das Gegenteil, wo ebendiese Zuverlässigkeit kontinuierlich untergraben wird. Nicht umsonst werden politische Meinungen, Ansichten und Versprechen und jene, die sie aussprechen, oftmals gerne mit Fähnchen verglichen, die sich nach dem Wind ausrichten.
Wie aber könnten die Volksvetreter:innen, Unternehmen oder Partner:innen uns von ihrer Zuverlässigkeit überzeugen? Wohl kaum mit leeren Versprechungen, Polemik und Scheindebatten über unwichtige Themen, die von den wahren Problemen ablenken. Nein, mit konkreten Taten. Mit der Umsetzung dessen, was versprochen worden ist. Mit klaren Ansagen, die sich nicht sofort wieder ändern. Mit Handschlagqualität eben. Nicht mit Erklärungen, warum wieso weshalb was nun nicht geht. Oder eben schon mit Kleinigkeiten wie Pünktlichkeit. Doch genau in diesem Punkt sind sie unzuverlässig, diese Erwartungshaltung wird meist enttäuscht, was am Ende den Vertrauensverlust weiter vergrößert.
Auch bei der Vorhersehbarkeit gibt es vor allem im politischen Bereich noch jede Menge Luft nach oben. Vorhersehbarkeit hat mit Transparenz und offener Kommunikation zu tun. Denn nur, wenn ich als Privatperson oder als Unternehmen weiß, was auf mich zukommt – egal ob positiv oder negativ – kann ich mich darauf einstellen und entsprechend (re-)agieren. Leider scheint es, ausgehend vom "Vorbild" Politik in mittlerweile vielen Lebensbereichen Mode geworden zu sein, den Bürger:innen so lange die Wahrheit vorzuenthalten, bis die sprichwörtliche Katastrophe unweigerlich über uns hereinbricht. Denken wir etwa an die ganz linken bzw. ganz rechten Parteien, die – jede auf ihre eigene Art – die einfachsten Antworten als Lösung auf den Tisch legen, mit denen zwar keine Verbesserung zu erreichen, aber zumindest auch keine Verschlechterung zu befürchten ist. "Weniger arbeiten müssen und trotzdem Wohlstand für alle? Dafür müssen wir nur die Reichen zur Kasse bitten!" oder "Ein gutes Leben für alle? Dafür müssen wir nur die Ausländer:innen aus dem Land schmeißen!" Über die Utopie dieser Darstellungen muss man glaube ich nicht diskutieren, trotzdem verunsichert das Nicht-Eintreten der Versprechungen die Bürger:innen, weil eben unvorhersehbar wird, was statt dessen eintritt.
Transparente Kommunikation
Gleiches gilt für Unternehmen. Nichts ist schlimmer, als die Mitarbeiter:innen über den aktuellen Unternehmenszustand im Unklaren zu lassen, nicht transparent zu kommunizieren, was zu erwarten ist und wie es weitergeht. Denn wenn sie ständig oder plötzlich vor "unvorhersehbaren" Situationen stehen, kann dies das Vertrauen unwiederbringlich erschüttern. Mit ehrlicher, wahrheitsgetreuer und transparenter Kommunikation hingegen kann Vorhersehbarkeit erreicht und damit auch Vertrauen gewonnen werden. Das gilt auch und ganz besonders bei schlechten Prognosen: Sind sie vorhersehbar, kann man gemeinsam dagegen angehen und stark sein.
Zuletzt braucht es genau diese Vorhersehbarkeit, um eine gewisse Planbarkeit zu erreichen. Planbarkeit schafft ein besseres, ein sicheres Gefühl, kurzum: Vertrauen. Dazu braucht es noch nicht einmal eine hundertprozentige Sicherheit, 80 Prozent Planbarkeit bzw. Risikoabwägung sind ausreichend, zumindest wünschenswert. Erneut zeigt ein Blick in Richtung Politik, dass diese Handlungsmaxime dort kaum Gültigkeit hat. Beschlossene Gesetze halten keine drei Monate, bevor um 180 Grad gewendet und das Gegenteil zur Lösung erklärt wird. In Deutschland gibt es dazu das sehr zutreffende Sprichwort „Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln“, das beispielsweise exzellent zum dortigen Heizungsgesetz passt. Der Schwenk von Kohle- zu Öl- zu Gasheizung und nun doch Erdwärmepumpen hat ganze Unternehmen, aber vor allem die Bürger:innen vor eine unplanbare Situation gestellt – absoluter Vertrauensverlust inklusive.
Spirale des Vertrauensverlustes
Österreich steht dem in nichts nach: Hier wird in den Herbstlegislativen bis in die letzten Sitzungen im Dezember hinein an Gesetzen gebastelt, welche dann ab Jänner in Kraft treten sollen. So sehen Planbarkeit und Vorhersehbarkeit jedenfalls nicht aus und die Spirale des Vertrauensverlustes dreht sich damit weiter abwärts.
Auch im privaten Bereich mangelt es mittlerweile an der Planbarkeit, wie oft müssen wir mittlerweile feststellen, dass sich Menschen zu Veranstaltungen oder Events anmelden und dann nicht erscheinen. Dazu kommt noch die Unhöflichkeit nicht abzusagen. Dies zerstört per se schon das Vertrauen.
239 Jahre Unternehmensgeschichte von JTI Austria sind jedenfalls nicht das Ergebnis von Sprunghaftigkeit, von Intransparenz oder Wankelmut. Zuverlässigkeit, Vorhersehbarkeit und Planbarkeit schaffen die Basis für Vertrauen, und das sollte unser aller Ziel sein. Also fangen Sie bitte alle mit uns an Vertrauen in allen Bereichen (zurück)zugewinnen.
www.jti.com
Kommentare auf LEADERSNET geben stets ausschließlich die Meinung des jeweiligen Autors bzw. der jeweiligen Autorin wieder, nicht die der gesamten Redaktion. Im Sinne der Pluralität versuchen wir unterschiedlichen Standpunkten Raum zu geben – nur so kann eine konstruktive Diskussion entstehen. Kommentare können einseitig, polemisch und bissig sein, sie erheben jedoch nicht den Anspruch auf Objektivität.
Entgeltliche Einschaltung