Fotos vom DHK Neujahrsempfang 2026
Warum Europa seine Stärken selbstbewusst nutzen muss

Beim DHK-Neujahrsempfang standen Europas wirtschaftliche Zukunft, Reformbedarf und Sicherheit im Fokus. IW-Direktor Michael Hüther analysierte Stagnation und Stimmungslage, mahnte zu mehr Eigeninitiative und plädierte für offene Märkte und einen starken Euro.

Der Neujahrsempfang der Deutschen Handelskammer (DHK) in der Aula der Alten Universität Graz setzte auch 2026 einen wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Akzent. Am 13. Jänner folgten zahlreiche Vertreter:innen aus Wirtschaft, Politik und Diplomatie der Einladung von Christian Jauk, Landesdirektor der DHK, und Joachim Schönbeck, Honorarkonsul der Bundesrepublik Deutschland für Steiermark und Kärnten sowie DHK-Vizepräsident.

In seiner Begrüßung verwies Jauk augenzwinkernd auf das kontinuierliche Wachstum der DHK auch ohne Pflichtmitgliedschaft. Schönbeck zeigte sich zuversichtlich für das Jahr 2026 und verwies auf erwartete Impulse aus den USA, China und Indien sowie auf positive Effekte des Mercosur-Abkommens für den internationalen Handel und den Wirtschaftsstandort Österreich.

Verlässlichkeit und Handschlagsqualität

Landtagspräsident Gerald Deutschmann dankte der steirischen Wirtschaft für ihr Engagement und hob die engen Beziehungen zu Deutschland hervor, die von "Verlässlichkeit und Handschlagsqualität" geprägt seien. Der deutsche Botschafter Vito Cecere bezeichnete den DHK-Neujahrsempfang als Fixtermin im bilateralen Austausch. Nach dem Höhepunkt 2025 mit dem Besuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erwarte er 2026 tiefgreifende Veränderungen, mahnte jedoch, den "Glauben an die eigene Kraft" nicht zu verlieren. Er verwies auf die Selbstkorrekturfähigkeit westlicher Demokratien sowie auf den besonderen Schutz steirischen Kürbiskernöls im Rahmen des Mercosur-Abkommens.

Wirtschafts- und Finanzlandesrat Willibald Ehrenhöfer betonte, Beständigkeit und Fortschritt stünden nicht im Widerspruch. Energiepreise und Lohnkosten seien zentrale Herausforderungen, denen es mit "vorsichtigem Optimismus" und konkretem Handeln zu begegnen gelte.

Europa, Sicherheit und wirtschaftliche Eigenverantwortung

Höhepunkt des Abends war die Keynote von Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln), unter dem Titel "Europa muss seine Stärken ausspielen". Hüther analysierte eine Diskrepanz zwischen wirtschaftlicher Lage und öffentlicher Stimmung und fragte zu Beginn: "Warum ist die Stimmung so schlecht?" Diese habe sich von der realen Lage "entkuppelt", es gebe jedoch keinen Anlass für Pessimismus. Vielmehr rief er zu Eigeninitiative auf: "Jeder kann etwas neu und anders machen als bisher."

Die deutsche Wirtschaft befinde sich seit 2020 in einer Phase der Stagnation und "Schockstarre", so Hüther. Strukturelle Probleme ortete er insbesondere in der Bauindustrie, die stark vom Staat abhängig sei. Die massiven Infrastrukturdefizite belasteten die Unternehmen zunehmend; Investitionsmittel müssten rascher wirksam werden.

Für mehr Zukunftsfähigkeit forderte Hüther zusätzliche Investitionen, den Abbau übermäßiger Regulierung sowie eine Stärkung von Innovation und Produktivität. Gleichzeitig müsse die Europäische Union den Binnenmarkt vertiefen und die Kapitalmarktunion vorantreiben. Das aktuelle Momentum solle für eine stärkere europäische Integration und internationale Positionierung genutzt werden.

Sicherheit sei inzwischen zu einem zentralen Standortfaktor geworden. Jahrzehntelange Einsparungen bei der Verteidigung hätten sich als strategischer Fehler erwiesen; allein Deutschland habe rund 640 Milliarden Euro an "Friedensdividende" konsumiert. Hüther warnte zudem eindringlich vor einer Abkehr von der Globalisierung. Diese dürfe nicht aufgegeben werden, auch wenn protektionistische Tendenzen zunähmen. Die Welt befinde sich in einem Wettbewerb um neue Handelspartnerschaften, Europa müsse dabei handlungsfähig und gestaltend bleiben.

Europa verfüge über gute Voraussetzungen im globalen Wettbewerb, betonte Hüther. Im Vergleich zu den USA verwies er unter anderem auf eine höhere Lebenserwartung und einen geringeren Ressourcenverbrauch, räumte jedoch eine deutliche Produktivitätslücke im Technologiesektor ein.

Paneldiskussion mit optimistischem Fazit

In der abschließenden Diskussion mit Michael Hüther, Christian Jauk und Joachim Schönbeck, moderiert von ORF-Steiermark Redakteurin Kathrin Ficzko, wurde insbesondere die Überbordung der Bürokratie kritisiert. Einigkeit herrschte darüber, den Euro zu einer Welt-Leitwährung weiterzuentwickeln. Joachim Schönbeck zog ein optimistisches Fazit: "Es hat schon viel schwierigere Zeiten gegeben in Europa als heute."

LEADERSNET war beim Neujahrsempfang. Fotos sehen Sie in unserer Galerie.

www.oesterreich.ahk.de

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