"Eine Cyberversicherung ist die Feuerversicherung der Neuzeit"

| Redaktion 
| 16.10.2022

Im LEADERSNET-Interview erklären Joe Kaltschmid, CEO Infinco, und Alexander Kirchknopf, Key Account Manager Infinco Wien, weshalb es für Firmen so wichtig ist, sich gegen Internetkriminalität zu versichern.

Das eigentümergeführte Versicherungsmaklerhaus Infinco wurde 2003 gegründet und gilt als Experte im Bereich der Vermögensschadenhaftpflicht-, D&O- sowie Cyberversicherung. Neben dem Hauptsitz in Innsbruck hat das Unternehmen nun eine Niederlassung in Wien (1030) eröffnet. LEADERSNET nahm die Expansion in den Osten Österreichs sowie die drastische steigende Internetkriminalität zum Anlass, um mit Joe Kaltschmid und Alexander Kirchknopf (leitet den neuen Standort Wien) zu sprechen. Dabei wurde einmal mehr deutlich, wie wichtig es für Firmen mittlerweile ist, sich gegen Cyberkriminalität zu versichern.

LEADERSNET: Sehr geehrter Herr Kaltschmid sagen Sie uns ganz kurz: Infinco, was ist das?

Kaltschmid: Die Infinco ist ein Grandseigneur der Branche - nämlich im Bereich Financial Lines. Infinco gibt es seit mehr als 20 Jahren. Die Firma ist groß geworden im Spezialbereich D&O-Versicherung. Als sich dann vor zehn Jahren ein großer Bedarf ergeben hat, digitale Risiken abzubilden, da ist auch Infinco wieder auf den Plan getreten und hat sich diesem Thema, weil es in den Financial Sektor sehr gut reinpasst und dorthin gehört, verschrieben. Und seitdem machen wir auch Cyber. Natürlich auch in Wien wo zumindest 50 Prozent unsere Kund:innen sitzen. Deshalb war es für Infinco jetzt wichtig sich hier niederzulassen, um auch unsere Ernsthaftigkeit am Wiener Markt zu zeigen.

LEADERSNET: Sie haben jetzt drei Begriffe genannt: Financial Lines, D&O und Cyber. Was kann man sich darunter vorstellen?

Kaltschmid: Im Versicherungswesen bewegen wir uns in Fachbereichen, in denen die Terminologie nicht immer ganz einfach oder verständlich ist. Financial Lines ist nichts anderes als der Überbegriff für gewisse Sparten wie beispielsweise Managerhaftpflichtversicherung, also Directors and Officers, Cyber-, Vertrauensschaden- und Vermögensschadenhaftpflichtversicherung - das wird in Financial Lines zusammengefasst. Damit haben wir auch schon beantwortet, was D&O heißt: Directors and Officers. Das ist quasi unser ältestes Produkt, also die Managerhaftpflichtversicherung, die inzwischen in aller Munde ist

Die Cyber-Versicherung dient dazu, digitale Risiken zu versichern, wenn es darum geht, Assets von Unternehmen zu schützen, falls diese durch Hackerangriffe lahmgelegt werden sollten. Wenn also ganze IT-Systeme lahmgelegt werden würden oder versucht wird, diese lahmzulegen, dann will die Versicherungsindustrie hier Antworten geben bzw. helfen. Genau das wird mit der Cyber-Versicherung abgebildet. Hier gilt, wer schnell hilft, hilft doppelt. Dabei gibt es nicht nur eine Versicherungslösung sondern ein umfangreiches Dienstleistungspaket mit Rechtsdienstleistern, IT-Forensikern und einer 24 Stunden-Hotline, die dann wirklich ad hoc - also wenn es brennt - auch da sind. Die Versicherungswirtschaft ist nicht unbedingt dafür bekannt, wirklich sehr rasch zu agieren. Aber bei einem Cyberangriff ist das notwendig. Da muss man sofort agieren.

LEADERSNET: Wie stark haben sich Cyberattacken oder Cyberangriffe und die Auswirkungen für Firmen in den letzten Jahren intensiviert?

Kaltschmid: Es hat sich gigantisch intensiviert. In Deutschland gibt es Zahlen dazu. Die volkswirtschaftlichen Schäden in Deutschland werden auf 223 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Wenn man das auf Österreich herunterbricht, dann liegen wir bei rund 22,3 Milliarden Euro an durch Cyber-Vorfälle verursachte Schäden. Das sind fünf Prozent unseres BIPs, also erheblich. Wenn man das auf Deutschland hochrechnet, sind diese Schäden teurer als die gesamte Volkswirtschaft von Portugal. Cyber ist deshalb so eine große Gefahr, weil es wie eine Naturgewalt wirkt. Im Extremfall kann es um die Existenz des Unternehmens gehen, wenn man nicht abgesichert ist und keine entsprechende Cyber-Versicherung hat. Infinco ist es dabei ganz wichtig, dass die Kunden davor bereits ihre Sicherheitsaufgaben machen. Weil eine Cyber-Versicherung allein ist zu wenig. Das ist letztlich das Resultat einer Nachdenkkette und von Prävention. Man kann nicht jedes Risiko abwehren. Prävention stellt einen Teil da, um sich zu helfen, bevor es einen Vorfall gibt. Den Rest macht die Versicherung. Aber eine Versicherung allein kann das Thema sicher nicht lösen.

LEADERSNET: Bei der neuen Zweigniederlassung von Infinco in Wien gibt es mit Alexander Kirchknopf einen eigenen Standortleiter. Herr Kirchknopf können Sie sich kurz vorstellen und uns sagen, was Sie zu Infinco gebracht hat?

Kirchknopf: Ich komme ursprünglich aus dem Maschinenbau, wo man sehr präzises Arbeiten gewohnt ist. Danach hat es mich in die Versicherungswirtschaft verschlagen. Die letzten sieben Jahre habe ich beim Volksbanken Versicherungsdienst gearbeitet und dort die Bankenversicherungen über. Bei den Fusionen der Volksbanken habe ich den ganzen Bankensektor aufgebaut - von den normalen Versicherungen für Bargeld, Feuer und Sachversicherungen bis hin zu den Versicherungen, die von Joe Kaltschmid bereits erklärt wurden - also Cyber-, Vertrauensschaden-, Rechtschutz- und Vermögensschadenhaftpflichtversicherung für Manager:innen. Heuer im Frühjahr habe ich neue Herausforderungen gesucht. Da hat es gut gepasst, dass Infinco Richtung Osten erweitert. Zudem halte ich Cyber- sowie Manager-Haftpflichtversicherungen für sehr spannende Produkte. Nun wollen wir gemeinsam dafür sorgen, dass Infinco auch im Osten Österreichs präsent ist und wahrgenommen wird.

LEADERSNET: Seit wenigen Tagen gibt es ein von der Sparte Information und Consulting der Wirtschaftskammer Wien gemeinsam mit Infinco entwickeltes Produkt namens "Pro Cyber Versicherung". Das soll ein Cyberversicherungsprodukt für jedermann sein. Was kann denn diese Police?

Kaltschmid: Dabei handelt es sich um ein sehr weites Versicherungsprodukt. Ich würde sagen für KMU und sogar ein EPU durchaus leistbar, was sehr wichtig ist. "Pro Cyber" besteht u.a. aus einer Eigenschadenversicherung. Das bedeutet, dass hier die Datenwiederherstellung beispielsweise versichert ist. Es ist aber auch eine Drittschadenversicherung dabei. Wenn beispielsweise das Unternehmen von einem Kunden beansprucht wird, weil seine Daten durch einen Hack in Umlauf geraten sind, ist das ebenfalls mitversichert. Etwas sehr interessantes, was letztlich nur die Cyber-Versicherung leisten kann: Die Betriebsunterbrechung durch Cyber ist mitversichert, was ein ganz wichtiger Baustein ist. Darüber hinaus ist auch Lösegeld und Erpressung enthalten. Und zwar wird hier nicht nur die Beratungsleistung vom Versicherer bezahlt, sondern auch dezidiert das erpresste Geld, das von den Kriminellen verlangt wird. Eine weitere Besonderheit ist die Vertrauensschadenkomponente: Wenn sich ein Krimineller beispielsweise als Geschäftsführer oder eine andere vertrauensbildende Person des Unternehmens ausgibt und ein:e Mitarbeiter:in dazu verleitet, einen Betrag zu überweisen, was durchaus häufig vorkommt, wäre das ebenfalls versichert. Wir sprechen hier von Social Engineering. In Österreich hat es vor einigen Jahren bei FACC einen solchen Vorfall gegeben, durch den ein Schaden im hohen Millionenbereich entstanden ist.

LEADERSNET: An wen wende ich mich als Unternehmer, wenn ich Markel Cyber Pro von der Wirtschaftskammer Wien in Anspruch nehmen will?

Kaltschmid: Am besten geht man zum eigenen Makler. Dieser prüft dann, ob das Produkt das Richtige für den jeweiligen Bedarf ist. Der Makler ist ja verpflichtet, unter dem Best-Advice-Prinzip nachzusehen und zu eruieren, was das Beste für seine Kunden ist. Oftmals wird er dann auch sagen, dass das für den Bedarf eines KMU tatsächlich die beste Lösung ist. Den Vorteil, den die Mitglieder der WK Wien haben, ist, dass sie nur die Hälfte des Selbstbehaltes bezahlen müssen. Das ist doch ein großer USP. So muss man beispielsweise bei einem Schadenfall statt 5.000 Euro nur 2.500 Euro bezahlen. Hinzu kommt, dass man mit dem Produkt eine sehr weite Lösung hat, die auch gut funktioniert.

LEADERSNET: Zurück zu Herrn Kirchknopf. Was ist - unabhängig von der neuen Cyber-Police - die Einzigartigkeit von Infinco am Standort Wien?

Kirchknopf: Dadurch, dass wir nicht nur Kollegen sondern auch Endkunden betreuen, wissen wir, was tatsächlich am Markt los ist und was gefordert wird. Egal ob EPU oder großer Konzern - wir wissen, was der jeweilige Kunde braucht und wo man was am besten absichert. Hinzu kommt die jahrelange Erfahrung, durch die wir wissen, mit welchen Versicherern man zusammenarbeiten kann und von welchen man besser die Finger lässt. Zudem müssen sich die Makler, die mit uns zusammenarbeiten, nicht selbst das gesamte Know-how aufbauen. Sie nutzen mit Infinco also jemanden, bei dem das bereits vorhanden ist und kaufen ein passendes Produkt ein. Das kostet vielleicht ein bisschen Geld, aber dafür sichert es den Makler auch ab. Außerdem kann er so schneller liefern, was ihm einen Vorteil gegenüber anderen Mitbewerbern verschafft. Weiters beschränken wir uns nach wie vor auf unsere Produkte und sind deshalb für die Makler in jenen Bereichen, in denen sie ihr normales Geschäft machen, keine Konkurrenz.

www.infinco.com

www.cybersecurity-versicherung.at

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