"Ich bin überzeugt davon, dass unsere Branche noch überraschen wird"

| Julia Weninger 
| 07.07.2022

Lukas Hader, Geschäftsführer von Multikraft, im Interview über nachhaltige Lösungsansätze und ökologische Alternativen, wie es glingt, immer im Einklang mit der Natur zu handeln, in welchen Bereichen effektive Mikroorganismen zum Einsatz kommen und was diese alles können.

Was 1977 mit der Leidenschaft für nachhaltige Landwirtschaft begann, hat sich zu einer internationalen Erfolgsgeschichte entwickelt. Das oberösterreichische Unternehmen Multikraft steht seit seiner Gründung vor 45 Jahren für Wirtschaften im Einklang mit der Natur und fungiert mit seinen Produkten als Pionier und Marktführer. LEADERSNET hat das Firmenjubiläum zum Anlasss genommen, um Lukas Hader zum Interview zu bitten. Hader ist seit 2010 Geschäftsführer zweiter Generation und sprichwörtlich in das Familienunternehmen Multikraft "hineingewachsen".

LEADERSNET: Multikraft gilt als Pionier im Bereich effektive Mikroorganismen. Was kann man sich darunter vorstellen?

Lukas Hader: Begonnen hat alles mit einer kleinen Spezialfuttermittelfirma, als dann 1986 meine Eltern, die damals den Betrieb geführt haben, zum ersten Mal antibiotikafreie Futtermittel auf den Markt gebracht haben. Das Besondere daran: Landwirt:innen können es mit der gleichen Wirtschaftlichkeit einsetzen. In der Zwischenzeit konnten wir unser Multikraft-System ausbauen und uns so zu einem führenden Betrieb für ökologische Alternativen weiterentwickeln. Grundlegend dafür ist unsere verbesserte Mikroorganismen-Technologien. Denn unsere Produkte basieren auf weltweit vorkommenden Mikroorganismen-Stämmen, die der Klasse 1 (lebensmitteltauglich) entsprechen und zu 100 Prozent gentechnikfrei sind. Die Herstellung erfolgt in einem mehrstufigen Prozess mit ausreichend Zeit zum Reifen und zum Ruhen – qualitätskontrolliert in unserem hauseigenen DNA-Labor.

LEADERSNET: Sie sind seit 2011 Geschäftsführer. Worin liegen die Herausforderungen ein Familienunternehmen in zweiter Generation zu führen?

Hader: Meine Eltern, die die Firma 1977 gegründet haben und meine Mutter, die Multikraft vor mir viele Jahre als Geschäftsführerin geleitet hat, leistete große Pionierarbeit. Als Nachfolgegeneration möchte man natürlich ein paar Sachen ändern. Und trotz meines anderen Führungsstils und Herangehensweise, hatten meine Eltern immer großes Vertrauen in mich und ließen mich alles selbst entscheiden. Auch wenn wir nicht immer einer Meinung waren, gaben sie mir die Möglichkeit meinen eigenen Weg zu gehen und so eine Führungsebene einzuziehen, die sich mittlerweile als zwölfköpfiges Führungsteam im Unternehmen etabliert hat. Dadurch konnten wir sowohl Umsatz als auch Mitarbeiterzahl fast verdreifachen.

LEADERSNET: "Es kommt nicht nur darauf an, was man tut, sondern wie man es tut" lautet das Motto des Unternehmens. Gelingt es Ihnen immer, im Sinne dieses Leitspruchs zu handeln?

Hader: In den meisten Fällen gelingt es uns. An oberster Stelle steht bei uns, immer im Einklang mit der Natur zu handeln und dahingehend richten wir unsere Aktivitäten aus und versuchen dem kontinuierlich nachzukommen. Natürlich ist auch der wirtschaftliche Gesichtspunkt wichtig. Durch überlegtes Handeln und dadurch, dass wir nicht in Quartalen denken müssen, hat sich diese Handlungsweise auch immer wirtschaftlich gelohnt.

LEADERSNET: Was sind die Vorteile eines Familienunternehmens?

Hader:
Es sind tatsächlich die bewährten und beliebten Eigenschaften, die ein Familienunternehmen auszeichnen, die auch die Vorteile sind: Unabhängigkeit, Transparenz, die kurzen Entscheidungswege, das soziale, familiäre Umfeld und natürlich die Nachhaltigkeit, die sich bei uns nicht nur im Sinne der Wirtschaftlichkeit zeigt, sondern auch im Bestreben um eine gesündere Umwelt.

LEADERSNET: Wie gelingt es die ökologische Ausrichtung zu wahren und trotzdem zu wachsen?

Hader:
Gerade die vorherrschenden Krisen haben gezeigt, dass ein Umdenken in der Bevölkerung stattgefunden hat. Nachhaltige Lösungsansätze und ökologische Alternativen sind gefragt. Dieser wachsende Markt ist natürlich eine Chance.

LEADERSNET: Sie sind in sehr vielen Bereichen tätig: Die Produktpalette reicht von der Landwirtschaft hin zum Gartenbau, über Haushalt und Reinigung, bis hin zu Naturkosmetik und Nahrungsergänzungsmittel. Welche Bereiche entwickeln sich aktuell am besten?

Hader: Wie bereits erwähnt, sind nachhaltige Produkte aufgrund der Pandemie sehr gefragt, so dass eigentlich alle Bereiche wachsen. Einen großen Zuwachs gab es aber vor allem bei Haushalt und Garten und dieses Jahr in der Landwirtschaft. Letzteres wurde insbesondere durch den immer teuer werdenden Dünger bedingt, der nach Alternativen verlangt hat.

LEADERSNET: Wohin wird am meisten exportiert und wieviel Prozent des Umsatzes macht das aus?

Hader:
Wir exportieren etwa 60 Prozent unserer Produktion. Das meiste davon geht primär in den DACH-Raum, aber auch in die skandinavischen Länder, Niederlande, Polen und natürlich nach Australien zu unserer Tochtergesellschaft.

LEADERSNET: Haben Sie aktuell weitere Sparten im Auge, in denen Sie tätig werden wollen?

Hader:
Derzeit nein. Wir sind ohnehin breit aufgestellt und möchten uns auf die bisherigen Bereiche fokussieren.

LEADERSNET: Die aktuellen Krisen haben ein rasches Umdenken in vielen Lebensbereichen mit sich gebracht. Wie wirkt sich das auf Ihr Geschäft aus?

Hader: Grundsätzlich positiv. Nachhaltigkeit wird immer wichtiger und damit auch die entsprechenden Produkte. Mit unserem erwähnten breiten Sortiment, waren wir hier gut vorbereitet.

LEADERSNET: Welche nachhaltigen Lösungsansätze und ökologischen Alternativen werden in naher Zukunft besonders gefragt sein?

Hader: Der Weg geht hin in Richtung regenerative Landwirtschaft. Das heißt, unsere Böden müssen regeneriert werden, um den Klimawandel umzukehren. Ich trete daher stark für die Bezahlung unserer Landwirt:innen als Klima-Landwirt:innen ein, um Kohlenstoff im Boden zu speichern und einen Teil unserer CO2-Emissionen in unseren Böden zu „verstecken“. Das würde zu einer Verbesserung der Fruchtbarkeit unserer Böden führen, die Erosion reduzieren und unseren Bäuerinnen und Bauern ein dringend benötigtes Zusatzeinkommen bieten – eine Win-Win-Win Situation also.

LEADERSNET: Sie setzen sich für Fairness, Aufmerksamkeit und bessere Rahmenbedingungen in der Wertschöpfungskette ein. Welche Initiativen setzen besonders starke Zeichen?

Hader:
Letztes Jahr haben wir die Initiative "Our health – gesunder Boden, gesundes Tier, gesunder Mensch" gestartet, mit dem Ziel, eine Plattform für den konstruktiven, faktenbasierten Diskurs zwischen den unterschiedlichen Stakeholder:innen zu schaffen und in weiterer Folge gemeinsam Lösungsansätze für die Landwirtschaft zu erarbeiten. Sprich, unser Anliegen war es vor allem, Maßnahmen zur Reduktion von Antibiotika sowie Pestiziden auszumachen und die Wertigkeit der Landwirtschaft zu steigern.

LEADERSNET: Ein Ausblick in die Zukunft des Unternehmens: Wie werden die nächsten 45 Jahre?

Hader:
Wir sehen sehr optimistisch und positiv in die Zukunft. In wenigen Jahren werden Pestizide aus dem Hausgarten weitestgehend verschwinden und mit genug Forschung und Entwicklung wird dies auch in der Landwirtschaft ankommen. Was viele nicht wissen: Es gibt bereits zahlreiche Lösungen für die größten Probleme unserer Zeit und damit haben oft die kleinsten Lebewesen, die Mikroorganismen, zu tun. Ich bin überzeugt davon, dass unsere Branche noch überraschen wird und die Landwirtschaft und alle seine Bereiche, insgesamt zum Problemlöser werden.

www.multikraft.com

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