"Ich sage definitiv zu mehr Kunden 'Nein' als 'Ja'"

Nadine Mirada ist Österreichs international erfolgreichstes Model, trägt den Titel zum "Model of the Year 2020". Im Interview mit LEADERSNET erzählt sie, wie die Coronakrise ihre Modelkarriere beeinflusst hat, wofür sie steht und warum sie nur wenige Wünsche, aber viele Ziele hat – und schickt Lesern exklusive Video-Grüße.

Wir haben 2020 noch nicht lange hinter uns gelassen und bis wir die Pandemie und die dadurch bedingte Krise überwunden haben, wird es wohl leider auch noch Durchhaltevermögen brauchen. Dennoch sind waren bei weitem nicht alle Entwicklungen des vergangenen Jahres negativ: Denn 2020 war trotz aller Herausforderungen auch ein Jahr des Erfolgs für eine ganz besondere österreichische Landsmännin: Nadine Mirada.

Die junge Frau wurde Ende 2020 im Rahmen der Vienna Awards for Fashion and Lifestyle zum "Model of the Year" gekürt und ist international gefragter denn je. Aufträge für hochkarätige Designer wie Guess oder Yves Saint Laurent ( YSL), Red Carpet Aufritte in Cannes und Kampagnenshoots in L.A. sind nur Auszüge aus dem stetig wachsenden Portfolio einer ehrgeizigen Frau, die den Spagat zwischen Karriere-Höhenflügen und Bodenhaftung geschafft hat, nicht zuletzt weil sie sich und ihre Brand vor allem durch eines identifiziert: Authentizität.

Denn trotz ihres schönen Äußeren wurde Mirada der Weg nicht immer leicht gemacht: In der höchst kompetitiven Modebranche galt die junge Frau lange als "curvy" und wurde, als sie Bookings bekam, auch als "Curvy Model" vermarktet. Als Model "ohne Zusatz" bezeichnet zu werden, ist in diesem Zusammenhang genauso ein Erfolg, wie der Aufbau ihrer eigenen Brand. Als Model ist Nadine Mirada nämlich auch Unternehmerin, Influencerin und Marke. Wofür die Marke "Curves by Nadine Mirada" steht und warum sie auf deutlich mehr Anfragen mit "Nein" als mit "Ja" antwortet, warum Model-Castingshows für sie nie zur Debatte standen und warum Erfolg nicht über Nacht kommt, all das und mehr verrät uns Mirada im Exklusivinterview:

LEADERSNET: Liebe Frau Mirada, vielen herzlichen Dank für Ihre Zeit und Bereitschaft uns ein Interview zu geben – und auch an dieser Stelle nochmals einen großen Glückwunsch zum Titel "Model of the Year"! Ist das ein Titel, der in diesem besonderen Jahr vielleicht noch mehr Bedeutung für Sie gewinnt?

Mirada: Danke, ich freue mich sehr über die Anfrage. Der Award ist ganz unabhängig des außergewöhnlichen Jahres etwas Besonderes für mich. Es war schon ein Erfolg, als ich endlich als Model – ohne Zusatz – bezeichnet wurde. Dass ich jetzt sogar den Titel "Model of the Year" entgegen nehmen durfte, ist wie ein Traum, der endlich wahr wurde.

LEADERSNET: Leider kommt man aktuell um ein Thema nicht herum: die Coronakrise. Als Model sind Sie auch Unternehmerin und ihr Business ist eng mit der Luxusbranche, die durch die Pandemie stark gelitten hat, verknüpft. Wie haben Sie dieses Jahr persönlich und beruflich erlebt, wie hat die Krise ihren Arbeitsalltag beeinflusst?

Mirada: Natürlich hat diese Veränderung auch meinen Alltag stark beeinflusst. Shootings und lang geplante Kampagnen wurden kurzfristig gecancelt oder verschoben. Da das Reisen sehr stark eingeschränkt wurde bzw. komplizierter geworden ist, musste man einfach noch mehr im Voraus planen und organisieren, was zum Glück zu meinen absoluten Stärken zählt. Besonders in Zeiten wie diesen, war mein Alter und meine Social-Media-Marketing-Expertise ein riesen Vorteil. So haben sich 2020 Jobs und Kooperationen ergeben, von denen ich vor zwei Jahren noch nicht mal zu träumen gewagt hätte. Ich bin also ganz gut durch diese Krise gekommen und einen typischen Alltag, so etwas kenne ich ohnehin nicht.

© Vicoolya & Saida Photography
© Vicoolya & Saida Photography

LEADERSNET: Als Model repräsentiert man nicht nur hochkarätige Brands, sondern man wird auch automatisch selbst zur Marke. Wofür steht Nadine Mirada als Brand, wo sehen Sie ihre USP?

Mirada: Ich verkörpere natürliche Kurven mit einzigartigem Glamour. Als Nadine Mirada ist es mein Ziel, allen Frauen auf Mädchen auf dieser Welt zeigen, dass es ein großartiges Gefühl ist, sich in seinem Körper wohlzufühlen und der darf auch gerne weicher sein. Entscheidend ist, authentisch zu sein. Denn so kann Frau von Innen auch nach Außen strahlen. Meine Werte und Ausstrahlung übertrage ich auch auf die Marken, die ich repräsentiere. Das heißt natürlich auch, dass ich nicht zu allen Marken passe, aber das muss und will ich ja auch gar nicht.

LEADERSNET: Als Person des öffentlichen Interesses sind Sie natürlich auch in den sozialen Medien sehr präsent und aktiv. Wie viel Zeit investieren Sie täglich in Instagram und Co., machen Sie alles selbst oder haben Sie Unterstützung?

Mirada: Grundsätzlich sind die sozialen Medien immer mit dabei. Drei bis vier Stunden täglich ist da ganz normal und Teil meines Berufs. Ich betreue meine Social Media Accounts selbst, aber arbeite natürlich bei der Contentproduktion mit Fotografen, Visagisten etc. zusammen.

LEADERSNET: Durch die vorher genannten Umstände sind Sie automatisch auch Influencerin. Viele Menschen folgen Ihnen (aktuell 412.000 Follower auf Instagram – Anm. d. Red.) und viele Marken wünschen eine Zusammenarbeit mit Ihnen. Nach welchen Kriterien suchen Sie ihre Kooperationspartner aus? Mit wem arbeiten Sie am liebsten zusammen, und mit wem würden Sie gerne noch zusammenarbeiten?

Mirada: Sowohl auf Instagram als auch bei meinen Modeljobs ist es mir in erster Linie wichtig mich mit der Marke identifizieren zu können. Ich sage definitiv zu mehr Kunden "Nein" als "Ja". Authentisch zu sein, ist nicht nur im echten Leben, sondern immer mehr auch in den Sozialen Netzwerken sehr wichtig um sich dauerhaft positionieren und von der Maße abheben zu können. Mit meinen Top-Kunden wie Guess oder Yves Saint-Laurent (YSL) pflege ich eine sehr gute und langfristige Zusammenarbeit. Auf meiner Wunschliste für 2021 stehen weitere Luxus und High-Fashion Brands wie Dolce&Gabbana oder La Perla.

© Marciano
© Marciano

LEADERSNET: Sie sind als Model heute international sehr gefragt und erfolgreich. Dass dieser Beruf, ebenso wie die Branche, ein äußerst hartes Business ist und viel mehr verlangt wird, als ein hübsches Gesicht, ist mittlerweile auch nach außen hin bekannt. Wie haben Sie ihren bisherigen Karriereweg erlebt, wie hart war der Aufstieg für Sie persönlich?

Mirada: Ich kann vorweg sagen: Es war ein sehr langer Weg. In den USA hab ich folgenden Spruch gehört, den ich zu 100 Prozent bestätigen kann. "All overnight success takes about ten years." Mit drei Jahren stand ich zum ersten Mal vor der Kamera. Die Modelbranche war in meinen Teenager-Jahren noch nicht reif genug für Models mit gesunden, natürlichen Kurven. Natürlich gab es viele ups and downs, aber der ganze Weg war und ist die Reise mit vielen tollen Erlebnissen. Ich bin heute richtig froh, dass mein Traumjob "Model" erst später wahr wurde.

LEADERSNET: Sie haben den Weg von Linz bis in die Modemetropolen der Welt geschafft, und neben dem jüngsten Awardgewinn und einem Platz in der Jury für die nächsten Haute Couture Awards finden sich Meilensteine wie eine eigene Unterwäschekollektion, die enge Zusammenarbeit mit dem Modelabel Guess oder ein Red Carpet Auftritt bei den Oscars auf der Liste ihrer Karriere-Highlights. Haben Sie einen ganz persönlichen Favoriten unter ihren beruflichen Höhepunkten? Und was möchten Sie unbedingt noch erreichen?

Mirada: Meine persönlichen Highlights: Zum ersten Mal in der Pariser Vogue abgebildet zu sein oder vor meinem Mega-Billboard in Las Vegas und am Rodeo Drive zu stehen. Aber auch in einem Satz mit den ganz großen Ikonen des Modelbiz, wie Claudia Schiffer, Gigi Hadid oder J.Lo genannt zu werden, ist definitiv immer mit Gänsehaut verbunden. Richtig genießen kann ich es dann, wenn ich es mit meinen Liebsten teilen kann, die immer an mich geglaubt haben. Ziele und Träume gibt es noch ganz viele. Meine Reise ist definitiv noch nicht zu Ende, denn ich möchte nicht nur als Model sondern auch als Role-Model noch viel bewirken.

LEADERSNET: Die Fashionwelt zeigt sich in den letzten Jahren nach Außen hin immer aufgeschlossener und bemüht sich um Diversität und mehr Charakter bei Ihren Models. Einige Brands verzichten bei ihren Kampagnen auch bewusst auf Retusche durch Photoshop und Co. Und featuren Models abseits von Size Zero. Dennoch gelten Sie trotz ihrer schlanken Figur aber immer noch als "CurvyModel". Wie geht es Ihnen mit dieser Bezeichnung, finden Sie diese noch zeitgemäß und wenn Sie einen Wunsch an die Modebranche aussprechen könnten, welcher wäre das?

Mirada: Dass ich Ende 2020 als "Model of the year" ganz ohne Zusatz ausgezeichnet wurde, hat mir schon sehr viel bedeutet. Im Ausland (besonders in den USA) – falle ich eher wegen meiner kleinen Größe und meiner natürlichen Kurven auf. Die Bezeichnung "curvy" ist ja nicht falsch. Ich habe Kurven und auf die bin ich auch sehr stolz. In Österreich haben wir die Situation, dass wir immer alles bewerten müssen und versuchen Menschen zu kategorisieren. Das finde ich generell nicht zeitgemäß. Mein Neujahrswunsch, wäre vermutlich: Dass sich jeder Mensch seiner Einzigartigkeit bewusst wird und diese mit Stolz auch ausstrahlt. Dann hätten wir viel mehr glückliche Menschen als zahlreiche unzufriedene und neidische Look-a-likes.

©  Curves by Nadine Mirada
© Curves by Nadine Mirada

LEADERSNET: Das Modelbusiness ist eine höchst kompetitive Multimilliardenindustrie, von der unzählige junge Frauen als Karrierechance träumen. Wie stehen Sie zu Modelcastingshows wie "Germany's Next Topmodel" und Co. – als Karrieresprungbrett und allgemein?

Mirada: Für mich persönlich ist so ein Format nie zur Diskussion gestanden. Aber diese Castingshows haben dazu beigetragen, dass "curvy" nun ein Begriff wurde, den jeder kennt und die Menschen mehr Einblick in die Arbeit eines Model bekommen.

LEADERSNET: Welchen Tipp würden Sie jungen Frauen – unabhängig von ihrer Körpergröße und ihren Maßen - auf den Weg mitgeben, die eine Modelkarriere anstreben?

Mirada: Bleibt euch selbst treu! Um nach Außen strahlen zu können muss man vor allem von Innen glänzen.

© Curves by Nadine Mirada
© Curves by Nadine Mirada

LEADERSNET:  Haben Sie schon einmal über die Zeit "danach" nachgedacht, also nach der intensivsten Zeit als Model? Haben Sie weitere Standbeine bzw. sind welche in Planung?

Mirada: Solange es mir so viel Spaß und Freude bereitet wie jetzt werde ich weiter meine Ziele verfolgen. Als Model und auch über das Modeln hinaus. Glücklicherweise spielt das Alter eine untergeordnete Rolle, den es gibt für jede Zielgruppe eine Nachfrage nach passenden Models und so lange ich meinen Körper und meine Marke hege und pflege mache ich mir da keine großen Sorgen um die Zukunft. Ganz im Gegenteil: Ich freue mich sehr darauf!

LEADERSNET: Wie blicken Sie in die Zukunft, und welchen Wunsch hegen Sie für 2021?

Mirada: Wünsche habe ich wenige. Aber viele Ziele. Eines das jedes Jahr ganz Oben steht: Mir selbst treu zu bleiben! Und das rate ich auch allen Leserinnen und Lesern für 2021 und den Rest ihres Lebens.


Ein paar Impressionen aus Nadine Miradas internationalen High Profile-Kampagnen finden Sie hier, ihre Ehrung als "Model of the Year" in unserer Galerie von den Vienna Awards for Fashion and Lifestyle 2020. Aktuell shootet Mirada mit Guess in Lugano und schickt LEADERSNET-Lesern Neujahrsgrüße via Videobotschaft (siehe Video). (rb)

www.nadinemirada.com

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