Erste Corona-Impfungen Europas starten nächste Woche

Die Briten geben grünes Licht für den Biontech-Impfstoff. Weitere Länder wollen schnell nachziehen.

Das große Impfen beginnt früher als gedacht: Großbritannien hat soeben als erstes Land der Welt den Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer zugelassen, wie der britische Gesundheitsminister Mat Hancock am Mittwoch ankündigte. "Der Impfstoff wird ab nächster Woche in ganz Großbritannien erhältlich sein. Das sind sehr gute Nachrichten", so Hancock, der erklärte, dass im Vereinigten Königreich bereits in der kommenden Woche mit Impfungen begonnen werden soll. Es handelt sich um die erste Zulassung für den Impfstoff "BNT162b2" weltweit.

Pfizer erklärte, die Notfallzulassung in Großbritannien sei ein historischer Moment im Kampf gegen das Virus. "Diese Genehmigung ist ein Ziel, auf das wir hingearbeitet haben, seit wir erstmals erklärt haben, dass die Wissenschaft gewinnen wird", sagte Pfizer-Chef Albert Bourla. Der Konzern erwarte demnächst weitere Zulassungen und arbeite mit Hochdruck daran, den Impfstoff zügig auf der ganzen Welt zur Verfügung zu stellen.

Brenzlige Lage in Großbritannien

Großbritannien ist eines der am stärksten von der Pandemie getroffenen Länder, viele der dort chronisch unterfinanzierten Krankenhäuser haben bereits jetzt ihre Kapazitätsgrenze erreicht. Angaben des britischen Gesundheitsministeriums zufolge sind im Vereinigten Königreich bereits so gut wie 60.000 Menschen an COVID-19 gestorben, weshalb nun offensichtlich keine Zeit mehr verloren werden will. Das Impfkomitee werde entscheiden, welche Menschen zuerst geimpft werden sollen, sagte Hancock. Welche Bevölkerungsgruppen als erste geimpft werden, wird ein eigens installiertes Impfkomittee entscheiden, aller Voraussicht nach werden e allerdings Bewohner von Alters- und Pflegeheimen sowie Beschäftigte im Gesundheitsbereich sein. Das englische Militär soll bei der Impflogistik unterstützen.

Belgien und Italien wollen im Jänner nachziehen

Und auch in anderen Ländern will man nicht mehr lange warten: In Belgien sollen die ersten Menschen nach Angaben von Ministerpräsident Alexander De Croo am 5. Jänner gegen das Coronavirus geimpft werden. "Am 5. Jänner sind wir bereit, wie andere Länder", sagte der liberale Politiker am Mittwoch. Derzeit würden noch letzte Details der Impfstrategie geklärt. Dies gehe aber schnell. "Wenn die Impfungen bereit sind, wird unser Land bereit sein." Das Impfen soll in Belgien freiwillig und gratis sein. Zunächst sollen Risikogruppen und Beschäftigte im Gesundheitswesen geimpft werden. Für zwei Impfstoffe wurde bisher ein Zulassungsantrag bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur gestellt.

Und auch die italienische Regierung arbeitet derzeit an einem groß angelegten Impfplan, mit dem ab Ende Jänner Millionen von Italienern gegen das Coronavirus geimpft werden sollen. 202 Millionen Impfdosen will die Regierung im ersten Quartal 2021 zur Verfügung stellen, teilte der italienische Gesundheitsminister Roberto Speranza mit. Biontech und Pfizer betonten, dass ihr Impfstoff auf Basis von Daten aus einer großen klinischen Studie mit Zehntausenden Probanden zugelassen wurde.

Die "Pionierländer", die als erste impfen, gehören mit zu den ersten weltweit, die einen Impfstoff gegen COVID-19 zulassen. In den meisten Ländern der Welt steht noch nämlich noch lange kein Impfstoff für die breite Anwendung zur Verfügung, das Mittel von Biontech und Pfizer gehört zu den ersten zugelassenen und bewiesenermaßen wirksamen Mitteln gegen das Coronavirus. Einzig in wenigen außereuropäischen Landern, vor allem in China und Russland, impfen bestimmte Bevölkerungsgruppen schon seit einiger Zeit gegen das Virus. Auch der nordkoreanische Diktator Kim Jong Un und seine Familie sollen bereits mit einem chinesischen Vakzin geimpft worden sein.

Antrag auf bedingte Marktzulassung

Biontech und Pfizer hatten erst am Dienstag bei der Europäischen Arzneimittelagentur EMA einen Antrag auf eine bedingte Marktzulassung eingereicht. Sollte die EMA grünes Licht geben, könnte das eine Verwendung des Vakzins in der EU noch vor Jahresende ermöglichen. Bis spätestens 29. Dezember soll ein Ergebnis der Prüfung vorliegen. Die EU hat bereits einen Rahmenvertrag über den Kauf von bis zu 300 Millionen Dosen des Impfstoffs abgeschlossen. Überdies willl die EMA bis 12. Jänner über den COVID-19-Impfstoff des US-Biotechkonzerns Moderna entscheiden, der ebenfalls einen Antrag auf eine bedingte Markzulassung bei der Behörde eingereicht hat. Rund 50 Projekte befinden sich gegenwärtig in der klinischen Erprobung am Menschen.

Derzeit wird der Impfstoff von Biotech und Pfizer als eines der vielversprechendsten Mittel zur Eindämmung des Coronavirus gehandelt. Dem gemeinsam entwickelte Wirkstoff des deutschen Biotech-Unternehmens und des US-amerikanischen Pharmakonzerns wird eine Wirksamkeit über 95 Prozent bescheinigt. Dementsprechend hoch sind die Erwartungen und Hoffnungen, denn weltweit sind inzwischen fast 1,5 Millionen Menschen gestorben, die zum Zeitpunkt ihres Todes mit dem Virus infiziert waren. (red)

www.biontech.de

www.pfizer.com

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