Was bedeutet die anhaltende Corona-Krise für René Benkos Pläne für ein "Wiener KaDeWe"?

Signa-Chef Stadlhuber: "Wir müssen die Kauflust wecken, damit die Leute ihr Geld nicht auf die Bank tragen, sondern zu uns."

Es sind keine einfachen Zeiten für Hotellerie und Handel – durch die anhaltenden Coronakrise sind Konsumfreude und Tourismus seit über sechs Monaten weltweit eingeschränkt. Dass in diesen Zeiten Gedanken an den Bau eines neuen Konsumtempels oder auch eines neuen Hotels eher zweitrangig ausfallen dürften, wäre nur verständlich –  René Benko hält offensichtlich an seinen Plänen fest.

Eröffnung im Herbst 2024 – Verspätung um ein Jahr

Das Aufgeben im Angesicht der Krise keine Option ist, und er ein Mann seines Wortes sei, scheint eine Message zu sein, die der Tiroler Investor und Immo-Mogul womöglich verbreiten möchte. Oder vielleicht gibt es auch kein Zurück mehr, da die Pläne zu weit fortgeschritten sind. Fest steht: Wien bekommt einen neuen Kaufhaustempel in Bestlage – und ein Luxushotel oben drauf.

Nach Vorbild des Berliner Kaufhaus des Westens (KaDeWe) soll an der Mariahilfer Straße bis 2024 der neue Konsumtempel entstehen. (LEADERSNET berichtete) Der Bau soll bis Ende 2023 fertiggestellt werden, die Eröffnung des "Wiener KaDeWe" sei aktuell für Herbst 2024 vorgesehen, wie Signa-Geschäftsführer Christoph Stadlhuber am Donnerstag gegenüber der APA verkündete. Das bedeutet eine Verzögerung von einem Jahr – ursprünglich war die Eröffnung nämlich für Herbst 2023 vorgesehen. 

Nicht nur die Fertigstellung und Eröffnung, sondern auch der Abriss des alten Leiner-Gebäudes, welches aktuell noch an der Stelle steht, wo künftig Benkos Shopping-Tempel samt Hotel am Dach entstehen soll, verzögert sich. Der Abriss des alten Hauses soll nun Anfang März 2021 begonnen werden, wobei nur die historische Fassade erhalten bleibt. "Das alleine wird acht Monate dauern", kündigte Stadlhuber bei einem Retail Symposium an. 

Visualisierung © OMA

Ex-Koch-Penthouse am Dach wird zu Luxushotel

Abgesehen von einem achtgeschoßigen Warenhaus mit 20.000 Quadratmetern Verkaufsfläche samt öffentlich zugänglichem Park auf dem Dach soll der neue Komplex auch ein Hotel beinhalten. Ein direkter Zugang zum angrenzenden Museumsquartier sei noch in Verhandlung. Den Gastronomiebereich im achten Stockwerk mit Blick über die Wiener Innenstadt sieht Stadlhuber als künftiges Zugpferd. "Allerdings mit dem Hintergedanken, dass die Menschen beim Runtergehen etwas einkaufen", räumte der Signa-Chef ein.

Eine kleine Spitze in Richtung der ehemaligen Eigentümer konnte sich der Signa-Manager nicht verkneifen. "Der Ausblick ist viele Jahre nur einem Mieter vorbehalten gewesen. Bald steht er allen zur Verfügung", sagte Stadlhuber. Die ehemalige Kika/Leiner-Eigentümerfamilie Koch bewohnte das Penthouse über dem Flagshipstore mehrere Jahrzehnte und räumte die Luxusimmobilie erst voriges Jahr.

Wie wird das "KaDeWe Wien" heißen?

Eine weitere spannende Frage ist, wie der neue Kaufhaustempel "built by Benko" heißen wird. Laut Signa ist schon jetzt fix, dass das Wiener Pendant zum berühmten Berliner Kaufhaus des Westens anders heißen soll als sein ikonisches Vorbild. "Das Haus wird in Wien mit Sicherheit nicht KaDeWe heißen", sagte Stadlhuber. Der Name soll Anfang nächsten Jahres stehen.

Unter Dach und Fach soll indessen bereits der Deal mit dem Hotelbetreiber sein, der sich am Dach des Wiener KaDeWe einnisten wird. Zum Namen des Betreibers hielt sich Stadlhuber indessen jedoch noch bedeckt, fix scheint nur, dass es sich um einen großen, internationalen Betreiber handle. Der Zuschlag sei Mitten im Lockdown erteilt worden. "Wir glauben, dass der Markt zurückkommt", zeigte sich Stadlhuber zuversichtlich. Derzeit leide die Wiener Stadthotellerie massiv unter der Coronakrise, das dürfte auch noch zwei bis drei Jahre so bleiben.

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"Leute sollen ihr Geld nicht auf die Bank tragen, sondern zu uns"

Doch dass der wirtschaftliche Aufschwung und die Lust am Konsum wieder kommen werden, daran hegt die Signa keine Zweifel. Auch die Lage des neuen Wiener "KaDeWe" habe man sich nicht besser aussuchen können, so Stadlhuber, der die "Mahü" als "Prachtboulevard in Europa" bezeichnete. Das neue Kaufhaus soll insbesondere die Nachbarn ansprechen. Die Kaufkraft in den angrenzenden Bezirken sei sehr hoch. "Wir müssen die Kauflust wecken, damit die Leute ihr Geld nicht auf die Bank tragen, sondern zu uns", brachte der Signa-Manager die Zielsetzung auf den Punkt.

Auch das Verkehrskonzept des neuen KadeWe in Wien zeigt, dass die Signa vor allem Anrainer als Kunden im Visier hat. Die Auto-Stellplätze sollen sogar deutlich reduziert werden, dafür Abstellplätze für Räder und Lastenfahrräder geschaffen werden. Die Mehrheit würde ohnehin mit den Öffis kommen, so Stadlhuber.

Wie mächtig René Benkos Signa im Business mit Kaufhaustempeln ist, wird klar, wenn man bedenkt, dass das Original-KaDeWe in Berlin früher zu Karstadt gehörte und sich mittlerweile ebenfalls im Besitz der Signa-Gruppe (sowie der thailändischen Central Group – Anm. d. Red.) befindet. Auch das Alsterhaus in Hamburg und das Warenhaus Oberpollinger in München reihen sich in das Shoppingtempel-Portfolio der Signa ein, die abgesehen von Wien auch in Düsseldorf ein neues Warenhaus plant. (rb)

www.signa.at

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